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2500 km Wasserstoff-Pipeline: Europas Nord-Süd-Achse wird konkret

26. Januar 2026

Mitarbeiter der Ontras Gastransport GmbH arbeiten bei der Erneuerung der Ferngasleitung Lauchhammer-Strehla an einem Rohrstrang zur Gewässerquerung, auch Düker genannt, am Ufer der Elbe. Die Erneuerung des rund 35 Kilometer lange Abschnitts soll eine effiziente Energieversorgung für die Regionen zwischen Lauchhammer und Riesa sicherstellen. (Luftaufnahme mit Drohne)
Arbeiten an einer Ferngasleitung der Ontras. Foto: picture alliance/dpa | Jan Woitas
Zwischen Finnland und Deutschland entsteht eine der längsten Wasserstoffleitungen Europas. Jetzt läuten die Betreiber die nächste Planungsphase ein. Alles zum sechs Länder umspannenden Großprojekt.
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In ganz Europa werden aktuell Wasserstoff-Pipelines geplant. Der Nordic-Baltic Hydrogen Corridor (NBHC) bildet einen von fünf großen Korridoren und soll ab 2033 Wasserstoff von Finnland bis nach Deutschland transportieren. Hierzu gab es jetzt ein Update.

Inhaltsverzeichnis

Was ist neu?

Seit dem 14. Januar läuft die Marktabfrage der beteiligten Fernleitungsnetzbetreiber (FNB). Bis zum 31. März 2026 können sich Wasserstoffproduzenten, Verbraucher, Speicherbetreiber und Transporteure melden. Mit den (unverbindlichen) Rückmeldungen der verschiedenen Akteure wollen die FNB Angebot und Nachfrage entlang des Korridors besser einschätzen können.

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Beteiligt sind Gasgrid Finland, Elering (Estland), Conexus Baltic Grid (Lettland), Amber Grid (Litauen), Gaz-System (Polen) und Ontras aus Leipzig.

„Lebensader der europäischen Energiesicherheit“

NBHC sei „mehr als nur eine Pipeline“, sagte Ontras-Geschäftsführer Ralph Bahke in einer Pressemitteilung. Indem das Projekt ein „widerstandsfähiges, erneuerbares Energiesystem „schaffe und „Europas Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen“ verringere, bilde es „die Lebensader der europäischen Energiesicherheit“.

Was ist der NBHC?

Mit rund 2.500 km Länge wird der NBHC eine der längsten Wasserstoff-Pipelines Europas. Die Länge von 2500 km entspricht ungefähr der Strecke von Helsinki nach Lissabon.

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Die H2-Leitung soll von Finnland ausgehend Estland, Lettland, Litauen und Polen passieren und in Ostdeutschland enden. Hier soll sie perspektivisch in das deutsche Wasserstoff-Kernnetz einspeisen.

Die Transportachse soll dann vom Ostseehafen Lubmin über Leipzig und das mitteldeutsche Chemiedreieck bis nach Salzgitter verlaufen. Im Oktober 2025 deutete das BMW Werk Leipzig an, perspektivisch Wasserstoff aus dem NBHC nutzen zu wollen.

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Wie ist der Zeitplan?

  • Dezember 2022: Die sechs FNB unterzeichnen eine Kooperationsvereinbarung
  • November 2023: Die EU-Kommission verleiht dem Projekt den Status „Project of Common Interest“ (PCI)
  • Januar 2024: Die Vormachbarkeitsstudie von Afry Management Consulting startet
  • Juni 2024: Positiver Abschluss der Vormachbarkeitsstudie
  • Februar 2025: Die EU bewilligt 6,8 Mio. € Förderung aus der Connecting Europe Facility (CEF)
  • Juli 2025: Die Fördervereinbarung mit der EU-Agentur CINEA wird unterzeichnet, die Machbarkeitsphase beginnt
  • Januar 2026: Start der Marktabfrage
  • Q1 2027: Geplanter Abschluss der Machbarkeitsstudie
  • 2033: Geplanter Start des kommerziellen Betriebs
  • 2040: Volle Auslastung von 2,7 Mio. t Wasserstoff pro Jahr
Ontras-Geschäftsführer Gunar Schmidt bei der Inbetriebnahme des ersten Leitungsabschnitts des Wasserstoff-Kernnetzes in Ostdeutschland am Netzknotenpunkt Milzau
Ontras-Geschäftsführer Gunar Schmidt bei der Inbetriebnahme des ersten Leitungsabschnitts des Wasserstoff-Kernnetzes in Ostdeutschland am Netzknotenpunkt Milzau. In der Nähe de Energieparks Bad Lauchstädt wurde eine 25 km lange Erdgasleitung in Richtung Leuna auf Wasserstofftransport umgestellt.

Wie viel soll der NBHC transportieren?

Bis 2040 soll die Infrastruktur nicht weniger als 2,7 Mio. t Wasserstoff pro Jahr transportieren. Geplant sind ein Pipeline-Durchmesser von 48 Zoll (1.200 mm) sowie mehrere Verdichterstationen.

Für Deutschland könnte der NBHC eine zentrale Importquelle für Wasserstoff werden. „Heimische Produktion ist zwar wichtig, wird aber nur einen Teil des Bedarfs decken können“, erklärte Ontras-Geschäftsführer Gunar Schmidt im Gespräch mit der Fachzeitschrift gwf Gas + Energie.

Das vor allem in Ostdeutschland aktive Unternehmen ist mit rund 7.700 km Leitungen der zweitgrößte FNB Deutschlands. Derzeit baut Ontras ein 600 km umfassendes „Wasserstoff-Startnetz“, die größte Einzelinvestition in der Geschichte des Leipziger Mutterkonzerns VNG. Im April 2025 ging eine erste, 25 km lange Wasserstoffleitung am Energiepark Bad Lauchstädt in Betrieb.

Was ist der European Hydrogen Backbone?

Der NBHC ist Teil des European Hydrogen Backbone (EHB), einem Wasserstoff-Kernnetz für Europa. Das EHB besteht aus fünf Pipeline-Korridoren, die bis 2040 rund 53.000 km umfassen sollen. 32 Gasnetzbetreiber aus 28 Ländern sind beteiligt, die Investitionskosten werden auf 43 bis 81 Mrd. € geschätzt.

  1. Südeuropa: Von Tunesien und Algerien über Italien nach Mitteleuropa (SoutH2 Corridor, 3.300 km)
  2. Iberische Halbinsel: Portugal und Spanien über Frankreich nach Deutschland (H2Med)
  3. Nordsee: Offshore-Windkraft und Schiffsimporte von Wasserstoffderivaten
  4. Ostsee: Nordische und baltische Länder mit Mitteleuropa. Hier ist der NBHC eingeordnet
  5. Ost- und Südosteuropa: Verbindung zu Rumänien, Griechenland und der Ukraine

Rund 70 % des EHB sollen aus umgerüsteten Erdgasleitungen bestehen, nur 30 % müssen Schätzungen zufolge neu gebaut werden. Der NBHC könnte dabei laut Ontras als „einer der ersten europäischen Wasserstoff-Korridore“ den Betrieb aufnehmen.



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