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Neue Kampfdrohne für Deutschland? Was die Ghost Bat wirklich kann

01. April 2026

MQ-28 Ghost Bat
Rheinmetall bringt die Ghost Bat zur Bundeswehr: Autonome Kampfdrohne soll bis 2029 einsatzbereit sein. Rheinmetall AG Foto: Rheinmetall AG
Kampfjet ohne Pilot: Die Ghost Bat soll Deutschlands Luftwaffe stärken. Wie die Drohne funktioniert und warum sie strategisch wichtig ist.
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Die Art und Weise, wie moderne Luftstreitkräfte operieren, steht vor einem massiven Umbruch. Weg von teuren, rein bemannten Formationen, hin zu hybriden Modellen. In diesem Szenario spielen unbemannte Begleiter eine zentrale Rolle. Rheinmetall und Boeing Australia haben nun eine strategische Partnerschaft geschlossen, um genau diese Technologie nach Deutschland zu bringen.

Im Fokus steht die MQ-28 Ghost Bat. Rheinmetall und Boeing positionieren die Plattform als Lösung für eine geplante Beschaffung sogenannter Collaborative Combat Aircraft (CCA) durch die Bundeswehr bis 2029. Dabei handelt es sich um unbemannte Kampfflugzeuge, die im Verbund mit bemannten Jets operieren. Eine endgültige Beschaffungsentscheidung ist damit jedoch noch nicht gefallen.

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Inhaltsverzeichnis

Ein neuer Teamplayer für die Luftwaffe

Die MQ-28 Ghost Bat ist kein herkömmliches unbemanntes Luftfahrzeug. Sie ist als sogenannter „Loyal Wingman“ konzipiert. Das bedeutet, sie fliegt an der Seite bemannter Kampfflugzeuge oder fliegender Führungsplattformen. Typische Referenzplattformen sind etwa F-35, F/A-18 oder E-7-Systeme. Die Partnerschaft zwischen Rheinmetall und Boeing zielt darauf ab, diese ausgereifte Lösung für die geplanten Beschaffungen der Bundeswehr anzubieten.

Rheinmetall übernimmt dabei die Rolle des Systemmanagers. Das Unternehmen überwacht die Integration in bestehende Führungs- und Waffensysteme. Zudem stellt Rheinmetall die Wartung und die logistische Unterstützung sicher.

Armin Papperger, Vorstandsvorsitzender der Rheinmetall AG, ordnet die Zusammenarbeit ein:
„Mit Boeing Defence Australia als Partner legen wir den Grundstein, um die MQ-28 optimal auf die Anforderungen der Bundeswehr zuzuschneiden. Als Systemintegrator stellen wir sicher, dass Integration, Betrieb und Weiterentwicklung aus einer Hand erfolgen und stärken gleichzeitig die industrielle Wertschöpfung in Form eines industriellen Hubs in Deutschland und Europa.“

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Technische Details der Ghost Bat

Die MQ-28 hat bereits über 150 Testflüge absolviert. Sie wurde in Australien entwickelt und ist das erste dort seit über 50 Jahren entworfene Militärflugzeug. Die Drohne ist 11,7 m lang und erreicht Geschwindigkeiten im hohen Unterschallbereich. Damit ist sie für den Einsatz im Verbund mit modernen Kampfflugzeugen ausgelegt, ohne deren Leistungsprofil vollständig zu erreichen.

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Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die wichtigsten technischen Spezifikationen:

Parameter Spezifikation
Länge 11,7 m
Spannweite (Block 3) 7,3 m
Gewicht ca. 3175 kg
Maximale Reichweite über 3700 km
Antrieb Williams FJ33 Turbofan-Triebwerk
Dienstgipfelhöhe über 12.192 m

Ein besonderes Merkmal ist die modulare Nase. Dieser 2,6 m lange Abschnitt lässt sich schnell austauschen. So können Teams am Boden die Drohne je nach Mission neu konfigurieren. Mal trägt sie Sensoren für die Aufklärung, mal Systeme für die elektronische Kampfführung.

Die Evolution: Von Block 1 zu Block 3

Die Entwicklung der Ghost Bat erfolgt in sogenannten „Blöcken“. Dies erlaubt eine schnelle Anpassung an neue Erkenntnisse. Während die erste Phase der Erprobung der Flugdynamik diente, konzentriert sich der aktuelle Fokus auf die Einsatzfähigkeit.

Die kommende Version, Block 3, bringt entscheidende Neuerungen. Sie verfügt über interne Waffenschächte. Dies ist wichtig, um die Radarsignatur gering zu halten. Werden Waffen außen angebracht, ist das Flugzeug für gegnerische Radarsysteme leichter zu entdecken. Zudem wächst die Spannweite auf 7,3 m, was etwa 30% mehr Treibstoffkapazität ermöglicht. Das erhöht die Reichweite deutlich.

Autonomie statt Fernsteuerung

Das Herzstück der MQ-28 ist nicht das Triebwerk, sondern die künstliche Intelligenz. Die Drohne benötigt keinen dedizierten Fernpiloten, der jede Bewegung steuert. Stattdessen operiert sie mit einer „überwachten Autonomie“. Eine Person an Bord eines bemannten Flugzeugs gibt lediglich Befehle auf hoher Ebene.

Ein Meilenstein war der Test „Trial Kareela“ im Dezember 2025. Dabei zerstörte eine MQ-28 autonom ein Luftziel mit einer Rakete. Das Zusammenspiel funktionierte wie folgt:

  1. Eine F/A-18 Super Hornet identifizierte das Ziel.
  2. Ein Operator in einer E-7A Wedgetail autorisierte den Angriff.
  3. Die Ghost Bat berechnete eigenständig den Abfangkurs und feuerte die Rakete ab.

Dieses Vorgehen entlastet die Pilotinnen und Piloten in den bemannten Jets. Sie müssen sich nicht um die Mikromanagement-Details des Drohnenflugs kümmern. Die KI übernimmt die Flugbahnoptimierung und die Identifizierung von Bedrohungen. Der operative Nutzen hängt jedoch stark von stabilen Datenverbindungen, resilienter Software und klar definierten Entscheidungsregeln ab.

Wirtschaftlichkeit und „Affordable Mass“

Warum investiert die Bundeswehr in solche Systeme? Ein Grund ist die Wirtschaftlichkeit. Ein moderner Kampfjet der fünften Generation kostet rund 88 Millionen US-Dollar in der Anschaffung. Die Betriebskosten pro Stunde sind enorm. Eine MQ-28 liegt preislich schätzungsweise zwischen 10 und 15 Millionen US-Dollar.

Man spricht hier von skalierbarer, kostengünstiger Kampfkraft. In einem Konflikt können Drohnen verloren gehen, ohne dass dies einen strategischen oder menschlichen Totalverlust bedeutet. Der Verlust einer unbemannten Plattform wiegt deutlich weniger schwer als der eines bemannten Kampfflugzeugs samt Besatzung. Wenn ein bemanntes Flugzeug von vier Ghost Bats begleitet wird, vervierfacht das die Anzahl der Sensoren und Waffen in der Luft – zu einem Bruchteil der Kosten.

Nationale Souveränität und Wertschöpfung

Für Deutschland ist die Partnerschaft auch industriepolitisch relevant. Rheinmetall plant den Aufbau eines industriellen Hubs. Expertinnen und Experten aus Deutschland und Australien sollen in einer digitalen Umgebung gemeinsam an Software- und Hardware-Innovationen arbeiten.

Dr. Brendan Nelson, President von Boeing Global, betont die Bedeutung der Kooperation:
„Dies ist nicht nur eine Partnerschaft zwischen unseren Unternehmen, sondern zwischen zwei großen Ländern – Deutschland und Australien – die ähnliche Strategien zur Integration von Kampfflugzeugen in ihre Luftstreitkräfte verfolgen.“

Die offene Systemarchitektur stellt sicher, dass die Bundeswehr nationale Anforderungen eigenständig umsetzen kann. Das sichert die Versorgungssicherheit und die technologische Souveränität. Rheinmetall sieht in diesem Projekt ein Umsatzpotenzial im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich.

Konkurrenz und offene Fragen

Die Ghost Bat ist nicht die einzige Plattform in diesem Segment. Auch andere Anbieter – darunter europäische und US-amerikanische Programme – arbeiten an vergleichbaren CCA-Konzepten.

Ob sich die Bundeswehr letztlich für die MQ-28 entscheidet, ist offen. Die aktuelle Partnerschaft ist vor allem eine strategische Positionierung in einem entstehenden Markt.



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