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Bau

Auerbergtunnel: Sprengvortrieb nur 8 m über sensibler Trinkwasserleitung

18. Juli 2026

Südportal des Auerbergtunnels
Das neue Südportal des Auerbergtunnels: Von hier aus werden die beiden knapp 1,9 km langen Tunnelröhren künftig in Richtung Eschenlohe führen. Foto: picture alliance / Wagner | Ulrich Wagner
Nur rund 8 m trennen den Auerbergtunnel von einem sensiblen Wasserstollen. Wie Planer und Sprengmeister das Risiko minimieren.
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Mit dem Tunnelanschlag am Nordportal des Auerbergs hat eine bautechnisch anspruchsvolle Phase begonnen. Die beiden jeweils knapp 1,9 km langen Röhren für den vierspurigen Ausbau der B2neu zwischen Eschenlohe und Oberau-Nord werden von Norden nach Süden vorgetrieben. Der Vortrieb im Festgestein erfolgt überwiegend konventionell per Sprengung.

Die größte ingenieurtechnische Herausforderung wartet jedoch bereits nach rund 300 m: Die Röhren überqueren einen sensiblen Trinkwasserstollen der Stadtwerke München. Zwischen der geplanten Fahrbahn und der Decke des Bestandsbauwerks liegen stellenweise nur rund 8 m.

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Inhaltsverzeichnis

Geometrischer Zwangspunkt: 8 m sind kein Felssteg

Die in den Projektbeschreibungen genannten Abstände erfordern eine genaue bautechnische Einordnung. Bei der westlichen Tunnelröhre beträgt der vertikale Abstand zwischen der künftigen Fahrbahnhöhe und der Firste (Oberkante) des darunterliegenden Vestbühlstollens etwa 8,0 m; bei der östlichen Röhre sind es rund 8,8 m.

Diese Maße beschreiben jedoch nicht die tatsächliche Dicke des verbleibenden Felsstegs zwischen den Ausbruchsprofilen. Da der elastische Querschnitt des neuen Straßentunnels für den Sohlgewölbebau deutlich unter das spätere Fahrbahnniveau hinabreicht, ist der reale Sicherheitsabstand zwischen der Tunnelschale und dem Wasserstollen geringer. Die genauen Mindestmaße sind den öffentlich zugänglichen Unterlagen nicht zu entnehmen.

Fest steht: Die Lage des Wasserstollens bildete einen maßgeblichen Zwangspunkt für die Trassierung. Um den Stollen mit dem maximal möglichen Abstand zu überqueren, steigt die Gradiente des Straßentunnels vom Nordportal an mit einer Längsneigung von bis zu 3 % auf.

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Sensible Infrastruktur im Untergrund: Der Vestbühlstollen

Bei dem kreisförmigen Vestbühlstollen (Durchmesser: 4,80 m) handelt es sich um eine kritische Versorgungsader. In ihm verläuft die in den 1970er-Jahren errichtete Zubringerwasserleitung ZW 4 aus Spannbeton. Die jeweils fünf Meter langen Rohrsegmente ruhen auf Betonauflagern und dienen der Trinkwasserversorgung von München und Eschenlohe sowie weiteren Gemeinden über einen Notverbund.

Der bauliche Zustand des Stollens variiert je nach der angetroffenen Geologie beim damaligen Vortrieb:

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  • Ungesicherte Abschnitte: In standfesten Bereichen des Hauptdolomits blieb das Gebirge ohne Auskleidung.
  • Spritzbetonsicherung: Andere Abschnitte verfügen lediglich über eine 5 bis 10 cm dünne Spritzbetonschale, die teilweise unbewehrt oder mit ein bis zwei Lagen Baustahlmatten verstärkt ist.

Beim Sprengvortrieb des Auerbergtunnels müssen daher nicht nur die Schwingungsbelastungen auf die Spannbetonleitung minimiert werden. Es gilt ebenso, Gefügelockerungen, Verformungen des Stollens sowie das Ablösen von Felsstücken oder Teilen der alten Spritzbetonsicherung zu verhindern.

„Die Anschlagsfeier markiert für uns den Beginn einer technisch anspruchsvollen und zugleich entscheidenden Bauphase. Der Auerbergtunnel stellt hohe Anforderungen an Planung, Bauausführung, Logistik und Sicherheit – insbesondere wegen der beengten Platzverhältnisse, der anspruchsvollen Geologie und der Querung des Vestbühlstollens“, sagt Michael Kordon, Direktor der Niederlassung Südbayern der Autobahn GmbH des Bundes.

Geologie: Festgestein mit lokalen Schwachzonen

Der bergmännische Vortrieb verläuft primär im Hauptdolomit. Dieses Karbonatgestein weist zwar grundsätzlich eine hohe Festigkeit auf, die geologischen Erkundungen zeigen jedoch ein ausgeprägtes Trennflächengefüge mit Klüften, Großscherflächen und lokal stark zerrütteten Zonen.

Diese Inhomogenitäten beeinflussen maßgeblich die Wellenausbreitung und damit die Energietransferraten der Sprengungen. Ein kompakter Felsblock leitet die Erschütterungsenergie anders ab als eine stark geklüftete oder mylonitisierte (zerriebene) Zone. Größere Karsthohlräume wurden weder bei den Voruntersuchungen noch beim Bau des Bestandsstollens dokumentiert, kleinräumige geologische Abweichungen lassen sich im Tunnelbau jedoch prinzipiell erst an der Ortsbrust final verifizieren.

„Der Baustart des Auerbergtunnels ist ein historischer Meilenstein für die gesamte Zugspitzregion. Mit diesem anspruchsvollen Projekt lösen wir das Nadelöhr zwischen Auerberg und Loisach auf, entlasten die Verkehrsteilnehmer spürbar und schenken den Menschen vor Ort wieder mehr Lebensqualität. Gleichzeitig stärken wir den südbayerischen Wirtschaftsverkehr und Tourismus“, sagt Ulrich Lange, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr.

Erschütterungsarmes Sprengkonzept zur Schadensminimierung

Um den Fels kontrolliert zu lösen und gleichzeitig die Schwingungsgeschwindigkeit am Bestandsbauwerk innerhalb der zulässigen Grenzwerte zu halten, sieht die Planung ein gebirgsschonendes Sprengverfahren vor. Die Reduzierung der Erschütterungen wird über eine gezielte Anpassung der Sprengparameter gesteuert:

  • Zündzeitstufen: Die geladenen Bohrlöcher detonieren nicht zeitgleich, sondern millisekundenverzögert. Dies splittet die Gesamtenergie in kleinere Einzelevents. Entscheidend ist hierbei die Begrenzung der maximalen Ladungsmenge pro Zeitstufe.
  • Teilflächenvortrieb: Der Gesamtausbruchsquerschnitt wird unterteilt. Statt eines Vollausbruchs werden Kalotte (oberer Teil), Strosse (mittlerer Teil) und Sohle zeitlich und räumlich versetzt ausgebrochen.
  • Verkürzte Abschläge: Die Abschlagslänge – also der Raumgewinn pro Sprengzyklus – wird im Querungsbereich reduziert, wodurch sich das zu lösende Felsvolumen pro Zündung verringert.
  • Gebirgsverfestigung: Flankierend sind Injektionsmaßnahmen zur Stabilisierung des verbleibenden Felsstegs vorgesehen.

Die exakten verbrauchsmäßigen Parameter (Ladungsmengen, exakte Zündfolgen) werden von den ausführenden Bauunternehmen anhand der vor Ort angetroffenen Gebirgsklassen und der laufenden Messwerte dynamisch angepasst.

Baubegleitendes Monitoring und numerische Absicherung

Die Absicherung des Bauvorhabens stützt sich auf eine Kombination aus numerischer Vorausberechnung und messtechnischer Überwachung:

Numerische Simulation: Im Vorfeld wurde der Vortrieb über ein dreidimensionales Finite-Elemente-Modell (3D-FEM) simuliert. Das Modell bildet den Hauptdolomit, den Bestandstunnel sowie den schrittweisen Vortrieb beider Autobahnröhren ab. Untersucht wurden hierbei potenzielle Hebungen und Setzungen an Firste und Sohle des Wasserstollens sowie die resultierenden Winkeländerungen an den Muffenverbindungen der Spannbetonrohre.

Während der Bauausführung überwacht ein kontinuierliches Messprogramm das Verhalten des Bestandsbauwerks. Erfasst werden Erschütterungen (Schwinggeschwindigkeiten), sekundärer Luftschall sowie Verformungen im Stollen. Die Bewertung der Schwingungen basierte in der Planungsphase auf den Richtwerten der DIN 4150 (Erschütterungen im Bauwesen). Sollten die messtechnisch ermittelten Werte festgelegte Vorwarn- oder Grenzwerte überschreiten, greift ein definierter Alarmplan, der eine sofortige Anpassung der Vortriebsparameter erzwingt.

Zusätzliche mechanische Sicherungsmaßnahmen im Bestand

Als präventiver Schutz gegen mechanische Beschädigungen wird der Vestbühlstollen im Querungsbereich auf einer Länge von rund 100 Metern temporär ertüchtigt. Der Einbau von Stahlbögen und Stahldielen (Verzug) soll verhindern, dass sich durch die Sprengschwingungen Felskeile oder Teile der alten Spritzbetonschale lösen und auf die Druckleitung stürzen.

Zudem besteht die Option, die Rohrleitung zusätzlich mit dämpfenden Matten abzudecken. Während der Sprengarbeiten im Auerbergtunnel ist der Aufenthalt von Personal im Wasserstollen untersagt. Nach den Sprengungen erfolgen visuelle Kontrollen und Beweissicherungen.

Bauzeiten und Investitionsrahmen

Der Vortrieb beider Röhren erfolgt ausschließlich von Norden nach Süden; im Anschluss daran wird, ebenfalls von Norden beginnend, die Betoninnenschale eingebracht. Wo es die Gebirgsverhältnisse zulassen, wird diese unbewehrt ausgeführt. Sechs Querschläge (drei begehbar, drei für Rettungsfahrzeuge befahrbar) verbinden die Röhren im Endzustand.

Der Tunneldurchschlag ist nach aktuellen Planungen für August 2029 avisiert, die Gesamtfertigstellung des Streckenabschnitts für das Jahr 2032. Die Autobahn GmbH beziffert das Gesamtinvestitionsvolumen auf rund 237 Mio. €. Davon entfallen circa 180 Mio. €. auf den reinen Rohbau und rund 32 Mio. €. auf die betriebstechnische Ausstattung. Der Baufortschritt in der sensiblen Querungszone wird dabei maßgeblich durch die zulässigen physikalischen Belastungsgrenzen des bestehenden Trinkwassersystems determiniert.

Quellen:

  1. Autobahn GmbH des Bundes: Anschlagsfeier für den Auerbergtunnel
  2. Regierung von Oberbayern: Erläuterungsbericht zur Planfeststellung – Neubau der B2 zwischen Eschenlohe und Oberau-Nord
  3. Regierung von Oberbayern: Planfeststellungsbeschluss für den Neubau der B2 zwischen Eschenlohe und Oberau-Nord

Alle drei Links wurden am 18. Juli 2026 geprüft. Die Webseite und beide PDF-Dokumente waren erreichbar und vollständig abrufbar.



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