Anzeige

Wo einst Kühltürme standen, entsteht jetzt ein 1,6-GWh-Stromspeicher

03. September 2026

Vertreter von LEAG, HyperStrong und Siemens Energy setzen gemeinsam mit Boxbergs Bürgermeister Hendryk Balko (3. v. r.) und Bundestagsabgeordnetem Florian Oest (2. v. r.) den ersten Spatenstich für die GigaBattery Boxberg 400
Vertreter von LEAG, HyperStrong und Siemens Energy setzen gemeinsam mit Boxbergs Bürgermeister Hendryk Balko (3. v. r.) und Bundestagsabgeordnetem Florian Oest (2. v. r.) den ersten Spatenstich für die GigaBattery Boxberg 400. Der Batteriespeicher soll 400 MW leisten und 1,6 GWh Energie speichern. Foto: LEAG
Auf dem Gelände des alten Kraftwerks Boxberg entsteht ein Batteriespeicher mit 400 MW Leistung und 1,6 GWh Kapazität. Warum der Standort ideal ist.
Anzeige
Anzeige


Im Dezember 2024 fielen drei 113 m hohe Kühltürme des alten Kraftwerks Boxberg. Ein vierter war zuvor bereits Stück für Stück zurückgebaut worden. Wo jahrzehntelang Braunkohlestrom erzeugt wurde, beginnt nun der Bau einer Anlage, die Strom im Gigawattstundenmaßstab speichern soll.

Am 31. August 2026 erfolgte der symbolische erste Spatenstich für die GigaBattery Boxberg 400. Bauherr ist LEAG Clean Power. Die Anlage entsteht auf einer rund sechs Hektar großen, sanierten Fläche des ehemaligen Werks II. Geplant sind 400 MW Anschlussleistung und 1600 MWh beziehungsweise 1,6 GWh Speicherkapazität.

Anzeige
Anzeige

Inhaltsverzeichnis

Warum Boxberg vier Stunden speichern soll

Bei einem Batteriespeicher sagen Leistung und Kapazität unterschiedliche Dinge aus. Die 400 MW bestimmen, wie viel Leistung Boxberg maximal aufnehmen oder abgeben kann. Die 1600 MWh geben an, wie viel Energie gespeichert werden kann. Bei voller Leistung reicht dieser Vorrat vier Stunden und für 640.000 Haushalte.

Diese Auslegung macht Boxberg interessant für die Verschiebung größerer Strommengen innerhalb eines Tages. Wird beispielsweise zeitweise mehr Wind- oder Solarstrom erzeugt als benötigt, kann ein Teil davon gespeichert und einige Stunden später wieder abgegeben werden.

Daneben soll die Batterie wesentlich schneller reagieren können. LEAG nennt Reaktionen auf Netzschwankungen innerhalb von Sekunden sowie Primär- und Sekundärregelleistung als weitere Einsatzmöglichkeiten.

Anzeige
Anzeige

Vier-Stunden-Speicher schließen damit die Lücke zwischen sehr kurzfristiger Netzstabilisierung und Langzeitspeichern, die Energie über Tage oder sogar Wochen vorhalten sollen. Welche unterschiedlichen Technologien dafür infrage kommen, zeigt unser Überblick über Stromspeicher für kurze und längere Dunkelflauten.

HyperStrong liefert die Batterietechnik

Für das eigentliche Speichersystem ist HyperStrong verantwortlich. Das chinesische Unternehmen tritt bei Boxberg als schlüsselfertiger Auftragnehmer für das Batteriespeichersystem auf.

Anzeige
Anzeige

Zum Einsatz kommt das HyperBlock-III-System mit Lithium-Eisenphosphat-Zellen, kurz LFP. HyperStrong übernimmt neben der Lieferung der Batterietechnik auch die Systemintegration der elektrotechnischen Anlagen und die Errichtung des Speichers. Die genaue Zahl der Batterieblöcke für die 1,6-GWh-Anlage wurde bislang nicht veröffentlicht.

Boxberg ist damit Teil eines deutlich größeren Trends. In Deutschland befinden sich inzwischen Batteriespeicher mit mehreren hundert Megawatt Leistung im Bau oder in Planung. Eine Übersicht über wichtige Projekte und die technischen Grenzen dieser Anlagen gibt unser Beitrag „Batteriegroßspeicher boomen: Was geht? Was nicht?“

Alter Kraftwerksstandort spart nicht den neuen Netzanschluss

Ein wesentlicher Vorteil von Boxberg liegt unter der Oberfläche beziehungsweise jenseits der eigentlichen Batteriecontainer: Der Standort ist seit Jahrzehnten auf die Übertragung großer elektrischer Leistungen ausgelegt.

Das Kraftwerk ist über eine 380-kV-Verbindung in das Übertragungsnetz von 50Hertz eingebunden. Für die neue Batterie reicht es dennoch nicht, die Anlage einfach an vorhandene Leitungen anzuschließen.

Siemens Energy errichtet deshalb parallel eine neue gasisolierte 380-kV-Schaltanlage (GIS). Sie soll die GigaBattery mit dem Höchstspannungsnetz von 50Hertz verbinden. Nach Angaben von LEAG soll über die Schaltanlage künftig außerdem Strom aus erneuerbaren Erzeugungsanlagen im Umfeld des Kraftwerksstandorts eingebunden werden.

Gerade die Kombination aus vorhandener Netzinfrastruktur und neuen Schaltanlagen macht ehemalige Kraftwerksflächen für große Speicher attraktiv.

Warum alte Kraftwerksstandorte für Batterien interessant sind

Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE hat diesen Standortvorteil bereits grundsätzlich untersucht. Alte Kern-, Stein- und Braunkohlekraftwerke verfügen häufig über leistungsfähige Netzanschlüsse und große energiewirtschaftlich genutzte Flächen.

In einer Kurzstudie kam das Institut auf eine Anschlussleistung von insgesamt 67,6 GW an entsprechenden deutschen Kraftwerksstandorten. Das entsprach in der damaligen Modellrechnung rund 65 % der für 2030 angenommenen Anschlussleistung großer Batteriespeicher.

Das bedeutet nicht, dass sich sämtliche alten Kraftwerke ohne Weiteres in Speicherstandorte verwandeln lassen. Netzsituation, verfügbare Fläche und regionale Anforderungen unterscheiden sich. Die vorhandene Hochspannungsinfrastruktur kann die Planung eines Großspeichers aber erheblich erleichtern.

Boxberg ist dafür ein anschauliches Beispiel. Werk II wurde bereits 1996 stillgelegt. Drei seiner letzten Kühltürme wurden im Dezember 2024 gesprengt, der vierte zuvor maschinell abgebrochen. Insgesamt wurden dadurch Flächen für neue Energieanlagen frei.

Ein ähnliches Prinzip verfolgt RWE am ehemaligen Kernkraftwerk Gundremmingen. Auch dort nutzt ein neuer Batteriespeicher die Infrastruktur eines früheren Großkraftwerks. Mehr dazu in unserem Beitrag über die Umnutzung ehemaliger Kraftwerksstandorte.

In Boxberg entsteht bereits ein weiterer Batteriespeicher

Die GigaBattery 400 ist nicht der erste Speicher auf dem Gelände. LEAG errichtet dort bereits die BigBattery Oberlausitz mit 100 MW Netzanschlussleistung und 137 MWh nutzbarer Speicherkapazität. Der Größenunterschied ist erheblich: Die neue GigaBattery soll mit 1600 MWh fast zwölfmal so viel Energie speichern können.

Allein dieser Vergleich zeigt, wie schnell derzeit die Dimensionen stationärer Batteriespeicher wachsen. Noch im Frühjahr 2026 galt der Speicher Eco Power Three in Förderstedt mit 300 MW Leistung und gut 700 MWh als größtes in Deutschland im Bau befindliches Projekt. Über den damaligen Stand haben wir im Beitrag „Deutschlands größter Batteriespeicher nimmt Form an“ berichtet. Boxberg kommt nun auf mehr als die doppelte Speicherkapazität.

Noch größer wird die Batterie in Jänschwalde

Der deutsche Rekordhalter unter den LEAG-Projekten wird Boxberg dennoch nicht. In Jänschwalde in Brandenburg bereitet das Unternehmen einen nochmals deutlich größeren Speicher vor.

Die GigaBattery Jänschwalde 1000 ist mit 1000 MW Leistung und 4000 MWh Kapazität geplant. Auch sie soll vier Stunden lang ihre Nennleistung abgeben können.

Zusammen kommen Boxberg und Jänschwalde auf 5,6 GWh geplante Speicherkapazität. Beide Projekte sollen nach dem derzeitigen Zeitplan Ende 2027 bis Anfang 2028 in Betrieb gehen.

Ein Teil des Projekts erhält EU-Förderung

Ein Teil der GigaBattery Boxberg wird aus dem Just Transition Fund (JTF) der Europäischen Union unterstützt. Der Fonds soll Regionen beim wirtschaftlichen Umbau helfen, die besonders stark vom Ausstieg aus fossilen Energieträgern betroffen sind.

Bereits 2024 hatte Sachsen Fördermittel für verschiedene Speicher- und Wasserstoffprojekte von LEAG in Boxberg vergeben. Damals nannte der Freistaat rund 30 Mio. € Unterstützung für einen geplanten Großbatteriespeicher. Die heutige 1,6-GWh-Anlage unterscheidet sich jedoch von den damals vorgestellten Speicherplanungen. Deshalb lässt sich diese Summe nicht ohne Weiteres vollständig der jetzigen GigaBattery Boxberg 400 zurechnen. Aktuell bestätigt LEAG lediglich, dass ein Teil des Projekts JTF-Fördermittel erhält.

Eine aktuelle Gesamtinvestitionssumme für die GigaBattery hat das Unternehmen bislang nicht veröffentlicht. Wenn der Zeitplan hält, soll die Batterie Ende 2027 bis Anfang 2028 ans Netz gehen. Dann wird auf einem Gelände, das jahrzehntelang für die Braunkohleverstromung stand, elektrische Energie zwar weiterhin im industriellen Maßstab bewegt – aber nicht mehr nur erzeugt, sondern zunehmend auch zwischengespeichert.

Quellen



Ein Beitrag von:

Anzeige
Anzeige

Top Stellenanzeigen

CAD-Konstrukteur (m/w/d)
Boyd Weiler GmbH & Co. KG

13.09.2026
Weiler-Simmerberg
Senior Ingenieur Systemintegration und KI-basierte Performancebewertung (w/m/d)
TransnetBW GmbH

13.09.2026
Stuttgart
Ingenieur Systemführung Operative Betriebsplanung (w/m/d)
TransnetBW GmbH

13.09.2026
Stuttgart
Bauprojektleiter (m/w/d)
Allbau Managementgesellschaft mbH

13.09.2026
Essen
Ingenieur* im Anforderungsmanagement
DFS Deutsche Flugsicherung GmbH

13.09.2026
Langen
Bauingenieur / Bautechniker Kommunaler Tiefbau (m/w/d)
WipflerPLAN Planungsgesellschaft

13.09.2026
Donauwörth, Nördlingen, Pfaffenhofen an der Ilm, Lauf an der Pegnitz
Information Security Manager (all genders)
VINCORION Advanced Systems GmbH

13.09.2026
Wedel
Professur „Wirtschaftsinformatik und Datenbanken mit dem Schwerpunkt IT-Venture-Design, Digital Enterprise und innovativer Lehre in Makerspace-Settings (W2)“
Hochschule Düsseldorf University of Applied Sciences

13.09.2026
Düsseldorf
Senior-Ingenieur Auftragsengineering (m/w/d)
Mehrer Compression GmbH

13.09.2026
Balingen
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Hamm
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Hamm, Münster
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Dillenburg
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Dillenburg
BIM-Manager (w/m/d) Niederlassung Westfalen
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Hamm, Münster, Gelsenkirchen
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Netphen
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Netphen
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Bochum
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Bochum
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Osnabrück
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Osnabrück
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Hagen
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Hagen
Bauleiter (m/w/d) im Bereich schlüsselfertigen Wohnungsbau
SCHEIDL

13.09.2026
Moosburg/Landshut
Projektingenieur Fachplanung Versorgungstechnik (m/w/d)
INGENIEURBÜRO ZAMMIT GmbH

13.09.2026
Achim, Celle, Salzgitter, Wolfsburg
Meister (m/w/d) für die mechanische Fertigung
Montanhydraulik GmbH

13.09.2026
Gelsenkirchen
Bauingenieur (w/m/d)
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Bayreuth

Weitere Artikel



Anzeige
Anzeige