Liebherr schickt Wasserstoff-Koloss in den Hafen, jetzt zählt die Leistung
07. November 2026

Liebherr schickt seinen Wasserstoff-Radlader L 566 H in den Hafenbetrieb. In Bremerhaven muss die schwere Maschine Sand, Kies und Gestein bewegen. Eine Tankfüllung soll für eine ganze Arbeitsschicht reichen. Doch wie gut funktioniert der Wasserstoffmotor im Alltag?
Im Fischereihafen Bremerhaven arbeitet seit Kurzem ein ungewöhnlicher Radlader. Der Liebherr L 566 H transportiert Schüttgut, beschickt Förderanlagen und belädt Lastwagen. Das Besondere steckt unter der Motorhaube: Statt Diesel verbrennt die Maschine Wasserstoff.
Der Großradlader ist ein Prototyp. Liebherr testet ihn gemeinsam mit der Georg Grube GmbH und Green Fuels über mehrere Jahre. Dabei soll sich zeigen, ob der Wasserstoffantrieb im täglichen Hafenbetrieb mit herkömmlichen Dieselmaschinen mithalten kann.
Inhaltsverzeichnis
Wasserstoff-Radlader muss im Hafen bestehen
Bei der Georg Grube GmbH werden große Mengen Sand, Kies und Gestein umgeschlagen. Der L 566 H übernimmt Arbeiten, für die bisher dieselbetriebene Radlader eingesetzt wurden. Er transportiert Material zwischen Lagerflächen, versorgt Förderanlagen und belädt Lkw. Für den Betreiber zählt vor allem eines: Die Maschine muss zuverlässig funktionieren.
„Entscheidend war für uns, dass der Wasserstoff-Radlader dieselben Aufgaben genauso zuverlässig erfüllt wie unsere bisher konventionell betriebenen Maschinen – jedoch emissionsarm“, erklärt Wolfgang Grube, Geschäftsführer der Georg Grube GmbH, in einer Liebherr-Pressemitteilung vom 6. November 2026.
Der Hafen stellt andere Anforderungen als ein Steinbruch. Der Radlader muss sich in bestehende Arbeitsabläufe einfügen und mit wechselnden Belastungen zurechtkommen. Auch die salzhaltige Luft gehört zu den Bedingungen am Standort.
Kein Akku, keine Brennstoffzelle: Liebherr verbrennt Wasserstoff
Beim Antrieb setzt Liebherr auf einen Wasserstoff-Verbrennungsmotor. Anders als bei einer Brennstoffzelle wird der Wasserstoff nicht zunächst in elektrische Energie umgewandelt. Er verbrennt direkt im Motor.
Das funktioniert ähnlich wie bei einem Dieselmotor: Die Verbrennung erzeugt Druck, der die Kolben bewegt und über die Kurbelwelle mechanische Leistung bereitstellt. Der Unterschied liegt vor allem im Kraftstoff und in der dafür angepassten Motorentechnik.
Den Motor hat Liebherr im schweizerischen Bulle entwickelt. Er arbeitet mit dem bewährten XPower-Fahrantrieb zusammen, der hydrostatische und mechanische Kraftübertragung kombiniert. Liebherr kann damit große Teile des bisherigen Maschinenkonzepts weiterverwenden. Der Radlader muss nicht von Grund auf neu konstruiert werden.

Bereits auf der Bauma 2025 hatte Liebherr den Wasserstoff-Radlader vorgestellt. ingenieur.de berichtete damals über die Technik und weitere Entwicklungen des Herstellers. Auch außerhalb der Baubranche wird diese Antriebsform erprobt. So testet BMW in Leipzig einen Lkw mit Wasserstoff-Verbrennungsmotor.
Bei der Verbrennung von Wasserstoff entsteht kein CO₂ aus dem Kraftstoff. Allerdings können im Motor Stickoxide entstehen. Liebherr spricht von nahezu keinen Stickoxidemissionen, nennt für den Hafenversuch aber keine konkreten Messwerte. Der benötigte Wasserstoff wird in Bremerhaven mit Strom aus Windenergie hergestellt.
10 bis 15 Minuten tanken, eine Schicht arbeiten
Schwere Radlader brauchen viel Energie. Sie bewegen tonnenweise Material und sind oft über Stunden im Einsatz. Lange Unterbrechungen zum Laden oder Tanken sind dabei unerwünscht.
Hier sieht Liebherr einen Vorteil des Wasserstoffantriebs. Nach Herstellerangaben reicht eine Tankfüllung für eine vollständige Arbeitsschicht. Das anschließende Betanken soll nur 10 bis 15 Minuten dauern.
Die wichtigsten Angaben zum L 566 H:
| Merkmal | Liebherr L 566 H |
| Bauart | Großradlader, Prototyp |
| Motor | Wasserstoff-Verbrennungsmotor |
| Fahrantrieb | Liebherr XPower |
| Betrieb pro Tankfüllung | Laut Hersteller eine Arbeitsschicht |
| Betankungszeit | Laut Hersteller 10–15 Minuten |
| Einsatzort | Fischereihafen Bremerhaven |
Wie lange der Radlader in Bremerhaven tatsächlich mit einer Tankfüllung arbeitet und wie viel Wasserstoff er dabei verbraucht, ist noch nicht veröffentlicht.
Bremerhaven produziert den Wasserstoff selbst
Ein Wasserstoffmotor allein reicht nicht. Die Maschine braucht auch eine Tankstelle und eine zuverlässige Kraftstoffversorgung. Beides ist in Bremerhaven vorhanden. Der Wasserstoff stammt aus regionaler Produktion. HY.City.Bremerhaven nutzt Strom aus Windenergie, um Wasser per Elektrolyse in Wasserstoff und Sauerstoff zu zerlegen.

Anschließend wird das Gas in mobilen Speichern zu einer Tankstelle am Fraunhofer IWES Hydrogen Lab Bremerhaven transportiert. Dort kann der Radlader nach seiner Schicht betankt werden. Für den Feldversuch ist das ein wichtiger Vorteil: Die Projektpartner müssen keine komplett neue Versorgungskette aufbauen.
Liebherr erprobt den Radlader bereits seit 2024
Der Hafen ist nicht das erste Testgelände des L 566 H. Bereits im Oktober 2024 starteten Liebherr und Strabag einen zweijährigen Feldversuch im Kanzelsteinbruch im österreichischen Gratkorn.
Dort wird die Maschine beim Transport von Gestein eingesetzt. Liebherr stellte zum Projektstart eine mögliche Einsparung von bis zu 100 t CO₂ pro Jahr gegenüber dem Dieselbetrieb in Aussicht. Das entspricht nach Herstellerangaben rund 37.500 l Diesel.
Diese Zahlen stammen aus der Planung des österreichischen Tests. Sie lassen sich nicht ohne Weiteres auf Bremerhaven übertragen. Nach dem Steinbruch folgt nun der Hafen. Liebherr sammelt damit Erfahrungen unter anderen Arbeitsbedingungen.
Kann der Wasserstoff-Radlader Dieselmaschinen ersetzen?
Ob sich der L 566 H langfristig durchsetzt, hängt nicht allein davon ab, wie schnell er betankt werden kann. Entscheidend für die Zunkunft ist, ob er zuverlässig arbeitet und welche Kosten im täglichen Betrieb entstehen. Vier Fragen sind dabei besonders wichtig:
- Verbrauch: Wie viel Wasserstoff benötigt der Radlader pro Stunde?
- Leistung: Bewegt er genauso viel Material wie ein vergleichbarer Dieselradlader?
- Kosten: Wie teuer sind Wasserstoff, Wartung und Infrastruktur?
- Zuverlässigkeit: Wie häufig fällt die Maschine aus oder muss außerplanmäßig gewartet werden?
Für Bremerhaven liegen dazu bislang keine veröffentlichten Vergleichsdaten vor. Der Wasserstoffmotor ist für Liebherr eine weitere Antriebsoption neben Diesel und batterieelektrischen Lösungen. Der mehrjährige Hafenversuch soll zeigen, wie sich diese Technik im Dauereinsatz bewährt.
Quellen
- Liebherr: Wasserstoff-Radlader startet Testeinsatz im Hafenumschlag – 6. November 2026
- Liebherr: Fünf Eigenschaften des Wasserstoff-Radladers L 566 H – Juni 2026
- Liebherr: Wasserstoff-Radlader im Strabag-Steinbruch – Oktober 2024




















