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Mülltourismus: Was Greenpeace aufdeckt und wie Kreislaufwirtschaft von morgen aussehen muss

02. Juni 2020

Müll
Europäischer Müll wird noch zu oft verschifft. Foto: panthermedia.net/LianeM
220 Kilogramm Verpackungsmüll verursacht jeder Deutsche durchschnittlich im Jahr. 40 Kilogramm davon sind Plastikabfälle. Deutschland nimmt einen Spitzenwert in Europa ein – allerdings keinen positiven. Ein aktueller Greenpeace-Report verdeutlicht die Ausmaße.
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Der Großteil der Kunststoffe wird hierzulande verbrannt. Inhalte der gelben Tonne werden immer noch zu wenig aufbereitet, um daraus erneut Plastik zu produzieren. Hunderttausende Tonnen Plastik werden pro Jahr von Deutschland aus auf eine Recycling-Reise geschickt. Häufig landen sie auf Müllkippen in Malaysia. Davor ging dieser Abfall nach China, allerdings hat das Land 2018 die Grenzen für Kunststoffreste geschlossen. 400 Dollar pro Tonne Kunststoffabfall wurden beim Verkauf erzielt. Daraus wurden dann Produkte wie Fleece oder gelbe Säcke hergestellt, die auch nach Deutschland verkauft wurden. Nachdem China seine Grenzen für Kunststoffabfälle geschlossen hat, geht der Abfall überwiegend nach Malaysia, Indonesien und Indien. Laut vorläufiger Statistik des Umweltbundesamtes verkaufte Deutschland in diese Länder im Jahr 2018 mehr als 260.000 Tonnen Abfall. 130.000 Tonnen davon nach Malaysia. Innerhalb der EU sind die Niederlande mit 120.000 Tonnen der größte Abnehmer.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat in Malaysia mehrere unregulierte Deponien untersucht und darüber eine Studie veröffentlicht. Wir fassen die Ergebnisse zusammen.

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Müllkippe: Schadstoffe können in Nahrungskette gelangen

Greenpeace hat an zehn Standorten Boden- und Wasserproben entnommen. Die unregulierten Deponien sind kritisch für Umwelt und Gesundheit, so Greenpeace. Die Halden werden immer wieder in Brand gesetzt, um die Menge an Müll zu reduzieren und Platz für neuen Abfall zu schaffen. Im Boden fanden sich daher auch Rückstände bromhaltiger Flammschutzmittel.

Mülltourismus ist lukrativ

Doch Malaysia wird nicht der einzige Ort sein, wo europäischer Müll aus dem gelben Sack landet. Pro Jahr fallen laut Umweltbundesamt bei privaten und gewerblichen Verbrauchern circa fünf Millionen Tonnen Plastikmüll an. 15 % gehen in den Export, in der Regel nach Südostasien. Aus Deutschland gelangten 2019 laut Außenhandelsstatistik circa 180.000 Tonnen Plastikreste nach Malaysia. Der Grund: Es ist durchaus lukrativ, die Reste als recycelbar zu bezeichnen und durch einen Rohstoffhändler auf die Reise zu schicken. Greenpeace fordert die Bundesregierung auf, sich an der Beseitigung der in Malaysia und anderen Ländern entstandenen Schäden durch den Mülltourismus zu beteiligen. Die Produktion von Einwegplastik müsse dringend reduziert werden. Die Bundesregierung sollte den Bau moderner Sortier- und Recyclinganlagen fördern, um derlei Müllexporte überflüssig zu machen und sich eine Technologieführerschaft zu sichern, so Greenpeace. Solche Anlagen könnten dann zum Beispiel auch verschmutzte Kunststoffe erkennen. Henning Wilts, Recycling-Experte am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie, hat dazu eine Idee. Die Krise sei jetzt eine „echte Chance, endlich eine funktionierende Kreislaufwirtschaft auf den Weg zu bringen“. Marlen Gabriele Arnold von der Technischen Universität Chemnitz ruft ebenfalls dazu auf, Verantwortung zu tragen und den eigenen Müll zu entsorgen. „Müll darf nicht mehr verschifft werden, Kreisläufe sollten etabliert werden, um Abfälle essentiell zu reduzieren“, so Arnold gegenüber INGENIEUR.de.

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Das sagt der VDI zum Greenpeace-Report

Jürgen Schäfer, Geschäftsführer der VDI-Gesellschaft Materials Engineering, sagt dazu: „Grundsätzlich sind Exporte von Abfällen erlaubt, wenn diese nach europäischem Recht, also der EG-Verordnung Nr. 1013/2006 über die Verbringung von Abfällen, und nationalem Abfallverbringungsgesetz zulässig sind.“

Die Gründe für Exporte können zum Beispiel darin bestehen, dass

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  • die Kapazitäten für das Recycling in einem Land nicht ausreichen.
  • keine Absatzmöglichkeiten für die erzeugten Rezyklate existieren.
  • im Ausland höhere Preise für die Abfälle gezahlt werden.

Wie werden Kunststoffabfälle in Deutschland verwertet?

In Deutschland wird der größte Anteil der Kunststoffabfälle thermisch verwertet, also durch Verbrennung entsorgt. An zweiter Stelle folgt das Recycling des Kunststoffabfalls. Der verhältnismäßig geringe Anteil des werkstofflichen Kunststoffrecyclings bedeutet jedoch nicht nur einen Verlust des Wertstoffs Kunststoff, sondern durch die Verbrennung entsteht auch eine Belastung des Klimas mit CO2.

Vor allem die Weltmeere sind betroffen. Im EU-Durchschnitt werden rund 30 % der Kunststoffabfälle für das Recycling gesammelt. In anderen großen Ländern ist es noch deutlich weniger. Das führt zum Teil zu erheblichen Umweltproblemen.

Was kann gegen den Mülltourismus getan werden?

Wie also dagegen vorgehen? Das Ziel sollte sein, Stoffkreisläufe für alle Materialien zu schließen und Werkstoffe möglichst oft wiederzuverwenden. Das mindert die Rohstoffausbeutung, macht rohstoffarme Länder weniger abhängig und schont die Umwelt. Dafür ist jedoch ein Umdenken im Umgang mit den bereits verbrauchten Produkten notwendig, was sich aufgrund der wirtschaftlichen Zusammenhänge weltweit nicht einfach gestaltet – insbesondere in der Produktentwicklung. Produkte müssen künftig so konzipiert werden, dass sie sowohl den Anforderungen des Gebrauchs wie auch der Zerlegung in ihre Komponenten und der Separierung in kreislaufgerechte Stofffraktionen gerecht werden. Am Ende der Produktnutzungsphase soll ein Produkt so wenig wie möglich und nur so viel wie nötig verändert werden müssen, um es wieder dem Stoffkreislauf führen zu können. Ein Hauptschlüssel zur Etablierung der zirkulären Wertschöpfung ist also ein Umdenken bei der Produktkonstruktion. Hier gibt es grundlegende Designprinzipien, die eine Zerlegung der Produkte nach ihrer Nutzungsphase ermöglichen und vereinfachen. Ein Produkt, das weitgehend werkstofflich recyclingfähig ist, soll

  • werkstofflich wiederverwertbare Komponenten enthalten,
  • aus langlebigen Werkstoffen bestehen,
  • lösbare Verbindungselemente aufweisen,
  • eine leichte Demontage sowie Austauschbarkeit seiner Bestandteile erlauben,
  • aus möglichst wenigen unterschiedlichen Werkstoffen bestehen.

Sortenrein zerlegte Produkte stellen einen Wert dar

Werden diese Prinzipien eingehalten, können sortenreine Trennung und Recycling erheblich besser gelingen, denn die Designprinzipien mindern den Anteil nicht recyclebarer Produkte ganz erheblich. Der problematische Anteil ist die Fraktion nicht recyclebarer Stoffe, die zu Umweltverschmutzung und Stoffverschwendung führt. Sortenrein zerlegte Produkte stellen einen Wert dar, da sie umweltschonend in die Stoffkreisläufe zurückgeführt werden können. Damit kann bei Bedarf auch internationaler Handel betrieben werden, ohne Probleme zu erzeugen.

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