
„Ok Google, was soll ich studieren?“ – Diese Frage führt zu einer Fülle an Suchanfragen, die oft mehr über die Interessen und Unsicherheiten der Suchenden verraten, als sie vielleicht selbst ahnen. Die eingegebenen Begriffe und Themenfelder spiegeln persönliche Neigungen und Interessen wider und bieten eine Art digitales Selbstbild, das Google erkennt und verarbeitet.
Das Studienangebot in Deutschland ist vielfältig: Doch welcher Studiengang ist am gefragtesten, und wie viele Studierende schreiben sich letztlich tatsächlich dafür ein? Für die Wahl des passenden Studienfachs wird oft als erster Schritt eine Google-Suche durchgeführt. Die BSBI untersuchte in diesem Zusammenhang die Google-Suchanfragen zu 147 Studiengängen und setzte diese ins Verhältnis zur Studierendenanzahl des Wintersemesters 2023/24 laut Statistischem Bundesamt.
Spannung zwischen den Träumen und den pragmatischen Überlegungen
„Die Suchanfragen zeigen eine interessante Spannung zwischen den Träumen junger Menschen und den pragmatischen Überlegungen, die ihre Studienwahl offensichtlich beeinflussen. Fächer wie Nautik oder Tiermedizin sprechen offenbar eine Sehnsucht nach ungewöhnlichen und faszinierenden Berufen an, während etablierte Studiengänge wie BWL oder Informatik deutlich seltener ergoogelt werden, da sie als sichere, aber vielleicht auch weniger aufregende Optionen wahrgenommen werden“, sagt Charlotte Saal, Head of Student Services an der BSBI. Die Expertin erklärte, dass viele Studierende vor dem Dilemma stünden, zwischen Leidenschaft und Vernunft wählen zu müssen – hier könne die Bildungseinrichtung helfen, Brücken zu bauen, indem sie zeige, dass Erfolg und Erfüllung sich nicht ausschließen müssten und auch „vernünftige“ Studiengänge kreative und erfüllende Karrieren ermöglichten.
Der Studiengang Nautik/Seefahrt ist besonders beliebt
An der Spitze des Rankings der Google-Suchanfragen steht überraschenderweise der Studiengang Nautik/Seefahrt: Im Schnitt wird pro 100 Studierende 240 Mal danach gesucht. Trotz nur etwa 1.000 eingeschriebenen Studierenden im letzten Wintersemester erreicht dieser maritime Studiengang somit Platz eins. Es folgt Innenarchitektur mit 176,4 Suchanfragen pro 100 Studierende, während Biomedizin mit 98,4 Anfragen auf dem dritten Platz landet. Der Studiengang Meteorologie verzeichnet durchschnittlich 93,5 Google-Suchanfragen pro 100 Studierende und erreicht damit Platz vier. Den fünften Rang belegt Tiermedizin/Veterinärmedizin mit 68,9 Anfragen – ein Berufswunsch, der für viele bereits im Kindesalter feststeht.
Wenig Interesse für Musikerziehung und Gesundheitstechnik
Musikerziehung (8.263 Studierende im Wintersemester 23/24) und Gesundheitstechnik (13.392 Immatrikulationen) teilen sich mit durchschnittlich nur 0,1 Google-Suchanfragen pro 100 Studierende den letzten Platz im Ranking. Knapp davor liegt Angewandte Sprachwissenschaft mit 0,2 Suchanfragen, gefolgt von Neue Medien mit 0,3 Anfragen pro 100 Studierende. Auch das Studium der Inneren Verwaltung gehört zu den weniger gesuchten Fächern und erreicht mit durchschnittlich 0,4 Suchanfragen pro 100 Studierende den fünften Platz im Negativ-Ranking.
Beim Gedanken ans Studieren kommen meist die bekannten Studiengänge in den Sinn – doch die Analyse zeigt, dass eine hohe Zahl an Studierenden nicht unbedingt mit vielen Google-Suchanfragen einhergeht. So ist BWL mit 232.475 Studierenden im Wintersemester 23/24 zwar der beliebteste Studiengang, verzeichnet aber nur 6,4 Suchanfragen pro 100 Studierende und landet damit auf Platz 87 von 147. Ähnlich ist es bei Informatik, dem zweitbeliebtesten Fach mit 146.170 Studierenden: Hier wird durchschnittlich nur 5,5 Mal pro 100 Studierende gesucht. Noch niedriger sind die Suchanfragen bei Rechtswissenschaften, wo es trotz 114.515 Immatrikulationen nur 2,5 Anfragen pro 100 Studierende gibt, was Platz 123 im Ranking bedeutet.






























