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2000 Jahre alter Hörsaal in Gymnasium auf Sizilien entdeckt

12. April 2025

Antiker Hörsaal
Bei den Ausgrabungen des Gymnasiums von Agrigent wurde ein 2000 Jahre alter Hörsaal entdeckt. Foto: Thomas Lappi – Monika Trümper, © FU Berlin, Institut für Klassische Archäologie
Archäologen entdecken im Gymnasium von Agrigent einen antiken Hörsaal. Der Fund gewährt neue Einblicke in die Ausbildung im alten Griechenland.
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Im März 2025 machte ein internationales Archäologenteam in der antiken Stadt Agrigent auf Sizilien eine seltene Entdeckung: Ein antiker Hörsaal kam bei Grabungen im Bereich eines griechischen Gymnasiums zum Vorschein. Die Leitung hatte Prof. Dr. Monika Trümper gemeinsam mit Dr. Thomas Lappi von der Freien Universität Berlin. Das Projekt entstand in Zusammenarbeit mit dem Politecnico di Bari und dem Archäologischen Park Valle dei Templi. Gefördert wurde es von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Was das Team fand, war mehr als ein bauliches Fragment: Es ist ein architektonischer Beweis für die Bedeutung von Bildung im antiken Griechenland. Der entdeckte Hörsaal ist bislang einzigartig im westlichen Mittelmeerraum.

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Inhaltsverzeichnis

Ein Lehrsaal wie ein kleines Theater

Das Gymnasium in Agrigent, einer der größten griechischen Kolonien auf Sizilien, wurde im 2. Jh. v. Chr. errichtet. Es war bereits bekannt für seine beachtlichen Dimensionen: 200 Meter lange Laufbahnen, ein großes Schwimmbecken und Tribünen mit Inschriften auf den Sitzen. Jetzt zeigt sich, dass hier auch der Geist gefördert wurde.

Im Zentrum der neuen Entdeckung steht ein überdachter Hörsaal mit acht ansteigenden, halbrund angeordneten Sitzreihen. Etwa 200 Personen fanden hier Platz. Die Anlage erinnert an ein kleines Theater, wie es sonst erst Jahrhunderte später in Pergamon (Türkei) gebaut wurde.

Der Hörsaal öffnete sich zu einem größeren, rechteckigen Saal (11 x 23 Meter) mit Bänken. Auch dieser diente offenbar dem Unterricht, aber auch Vorträgen oder Wettbewerben. Im Zentrum der Orchestra, also dem halbrunden Bühnenbereich, machten die Archäologinnen und Archäologen eine weitere Entdeckung.

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Inschrift verrät Details über das soziale Leben

Zwei große Kalksteinblöcke mit griechischer Inschrift kamen zum Vorschein. Die gravierten Buchstaben wurden mit roter Farbe hervorgehoben. Erwähnt wird ein Gymnasiarch, der Leiter des Gymnasiums. Er war für die Organisation des Betriebs zuständig und trug Verantwortung für Disziplin, Ausstattung und Veranstaltungen.

Die Inschrift beschreibt auch die Erneuerung des Dachs des Apodyteriums, des Umkleideraums. Finanziert wurde diese Baumaßnahme von einem wohlhabenden Bürger der Stadt. Er weihte das neue Dach den Schutzgöttern Hermes und Herakles.

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Interessant ist der Zeitpunkt der Inschrift. Sie stammt aus dem späten 1. Jh. v. Chr., also aus einer Zeit, in der Agrigent bereits unter römischer Herrschaft stand. Dennoch wurde weiterhin griechisch gesprochen, griechische Ämter beibehalten und das Gymnasium als Bildungsinstitution weitergeführt.

Gymnasium als Spiegel der Gesellschaft

Die Funde belegen, dass Bildung im antiken Griechenland weit mehr war als sportliche Ertüchtigung. Die Philosophie des „gesunden Geists im gesunden Körper“ wurde architektonisch umgesetzt. Der Hörsaal war nicht nur Unterrichtsraum, sondern auch ein Ort der Debatte und Selbstdarstellung.

Forschende vermuten, dass hier Schüler öffentlich auftraten, Reden hielten oder sich in Rhetorik und Philosophie üben konnten. Der Fund zeigt, dass geistige Bildung eine zentrale Rolle spielte – vielleicht sogar eine gleichwertige zur körperlichen Ausbildung.

Ausblick auf weitere Funde

Die Archäologinnen und Archäologen planen für 2026 eine Fortsetzung der Grabung. Ziel ist es, nördlich des Auditoriums weitere Räume des Gymnasiums freizulegen. Möglicherweise kommen dann weitere Inschriften zum Vorschein, die Hinweise auf Lehrinhalte, Personen oder das tägliche Leben geben.

Das griechische Gymnasium in der Antike

Griechische Gymnasien waren Orte der Ausbildung, aber auch des sozialen Austauschs. Ursprünglich auf körperliches Training fokussiert, entwickelten sie sich ab dem 4. Jahrhundert v. Chr. zu Bildungseinrichtungen mit sportlichen und geistigen Komponenten.

Ein typisches Gymnasium bestand aus:

  • Palästra: ein Hof für Ring- und Laufübungen
  • Apodyterium: Umkleideraum
  • Bädern
  • Unterrichtsräumen und Bibliotheken

Trainiert wurde meist nackt. Daher stammt auch das Wort „Gymnasion“ (von „gymnos“ = nackt). Der Unterricht war oft staatlich gefördert, aber auch private Spender spielten eine Rolle. Lehrer, Sportlehrer und Ärzte waren in den Alltag eingebunden. Frauen und Sklaven hatten keinen Zugang. Jugendliche durchliefen verschiedene Phasen: Knabenunterricht, Ephebie (militärische Ausbildung) und später Weiterbildung bei bekannten Gelehrten. Gymnasien waren auch Austragungsorte für Wettkämpfe und Zentren des städtischen Lebens.

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