Anzeige

Wie Bienen: US-Forscher lassen Roboter ohne Bauplan bauen

17. Juni 2025

Bienen auf Bienenwabe
Bienen benötigen keinen Bauplan, um gleichmäßige und stabile Strukturen zu erschaffen. Lässt sich das auf Roboter übertragen? Foto: Smarterpix / Subbotina
Roboter lernen von Bienen: Ein Forschungsteam testet den Bau ohne Bauplan – mit überraschenden Vorteilen für die Technik.
Anzeige
Anzeige


In der Natur gibt es keine Baupläne. Bienen, Termiten oder Ameisen errichten komplexe Strukturen, ohne zentrale Anweisung. Kein Insekt kennt das Gesamtbild. Es reagiert nur auf lokale Reize wie Temperatur, Material oder Bewegung. Inspiriert von diesem Prinzip untersuchten Forschende der University of Pennsylvania, ob sich solch ein Verhalten auf Roboter übertragen lässt – mit Erfolg.

Ein Team um Jordan Raney und Mark Yim entwickelte mathematische Regeln für simulierte Roboter, die Strukturen selbstständig errichten. Das Entscheidende: Kein Roboter kennt das Endziel. Alle reagieren lediglich auf ihre unmittelbare Umgebung. Die Gesamtkonstruktion entsteht als Nebenprodukt kollektiven Verhaltens.

Anzeige
Anzeige

Inhaltsverzeichnis

Robuste Strukturen durch einfaches Verhalten

„Was wir erreicht haben, ist zwar nur ein erster Schritt, aber es ist eine neue Strategie, die letztendlich zu einem neuen Paradigma in der Fertigung führen könnte“, erklärt Raney. Und tatsächlich: In Simulationen errichteten die Roboter wabenartige Strukturen – ohne einen Plan zu speichern oder zu interpretieren.

Im Unterschied zu klassischen Fertigungsverfahren wie dem 3D-Druck, bei dem ein Fehler die gesamte Produktion lahmlegt, ist das neue Verfahren fehlertoleranter. Fällt ein Roboter aus, setzen die anderen die Arbeit fort. Kein Einzelner ist entscheidend für das Gesamtergebnis.

Das Wichtigste in Kürze:

Anzeige
Anzeige

• Schwärme einfacher Agenten erzeugen Strukturen ohne festen Bauplan

• Entscheidungsfindung basiert allein auf lokalen Umgebungsinformationen

Anzeige
Anzeige

• Stochastische Gitterstrukturen zeigen hohe Bruchdehnung und Energieabsorption

• Interaktive Agenten verbessern Materialverteilung und Effizienz

• Ideal für komplexe Geometrien mit unregelmäßiger Belastung

 

Dezentrale Entscheidungen statt zentralem Skript

„Das Besondere an unserem Ansatz ist, dass er dieses gesamte Paradigma umgeht“, so Yim. „Es gibt kein vorab geschriebenes Skript, keinen zentralen Plan.“ Jeder Roboter entscheidet selbst, wie er sich verhält. Dieses Prinzip erlaubt eine parallele Arbeitsweise: Viele Roboter agieren gleichzeitig, statt Schritt für Schritt aufeinander zu warten.

Dabei geht es nicht um das Nachahmen biologischer Prozesse im Detail. Das Team orientierte sich nicht an konkreten Insektenarten, sondern am zugrunde liegenden Prinzip: Viele einfache Handlungen erzeugen durch Wiederholung komplexe Strukturen.

Regeln statt Modelle

Die Herausforderung bestand darin, geeignete Verhaltensregeln zu finden. Die Forschenden definierten etwa ein Dutzend Parameter. Dazu gehörten etwa Geschwindigkeit, Abbiegewinkel oder Reaktionen auf Hindernisse. Durch Simulationen testete das Team verschiedene Kombinationen und untersuchte, welche Strukturen daraus entstanden.

„Durch die Simulation der Roboteraktivitäten konnten wir uns auf die Feinabstimmung der wichtigsten Regeln konzentrieren“, so Raney. Dabei zeigte sich: Je mehr Zufälligkeit – also Unordnung – eingebaut wurde, desto vielfältiger wurden die Strukturen. Gerade diese Unordnung kann laut Raney sogar die Materialeigenschaften verbessern, etwa die Rissbeständigkeit.

Roboter agieren wie Bienen
Durch die Befolgung mathematischer Regeln konnten sich die simulierten Roboter wie Bienen verhalten, komplexe Formen ohne Anweisungen bauen und damit eine neue Grenze in der Fertigung aufzeigen, inspiriert von der Natur.

Vom Modell zum Material

Auch die mechanischen Eigenschaften wurden untersucht. Dazu überführte das Team die simulierten Strukturen in CAD-Dateien, druckte sie im 3D-Drucker und testete sie auf ihre Zugfestigkeit. Das Ergebnis: Stochastische Gitter absorbierten mehr Energie als regelmäßig aufgebaute. Zwar rissen sie bei Belastung schneller, doch sie brachen nicht plötzlich, sondern zeigten ein fortschreitendes Versagensverhalten – ähnlich wie Knochen oder Pflanzenfasern.

Diese Eigenschaft macht die Strukturen robuster gegenüber plötzlichen Einwirkungen. Außerdem ermöglicht sie eine bessere Anpassung an komplexe Geometrien oder lokale Belastungen.

Schwarmintelligenz erweitert

Im nächsten Schritt erweiterte das Forschungsteam die Fähigkeiten der Agenten. Neue Funktionen wie Temperatursensorik, Kommunikation und Lokalsynchronisation verbesserten die Ergebnisse. In einer Simulation etwa sollten die Roboter ein Temperaturfeld erkennen, das die Buchstaben „AML“ abbildet. Sie passten ihre Struktur entsprechend an und erzeugten stabile, formangepasste Gitter.

Ein weiterer Test zeigte, dass die Roboter auf Belastungsspitzen in einem elliptisch ausgeschnittenen Bauteil reagieren konnten. Durch gezielte Verstärkungen in kritischen Zonen stieg die Energiedissipation um 19,6 % – bei gleichbleibender Festigkeit.

Potenzial für reale Anwendungen

Bis zur Umsetzung mit realen Robotern ist es noch ein weiter Weg. Noch existieren die meisten Varianten nur als digitale Simulation. Doch die Vision ist klar: Schwärme winziger Roboter sollen vor Ort selbstständig bauen – ohne menschliche Anleitung, ohne zentralen Bauplan.

Ein vielversprechender Ansatz könnte die Nutzung elektrochemischer Prozesse sein. Statt Material aufzutragen, könnten Roboter Metallstrukturen um sich herum wachsen lassen. Dafür müssten sie sich fortbewegen, ihre Umgebung erfassen und gezielt mit ihr interagieren können. Das ist technisch noch nicht ausgereift, aber greifbar.

„Die Natur beginnt nicht mit einem Masterplan“, sagt Raney. „Sie beginnt mit kleinen, einfachen Schritten. Jetzt lernen wir, wie man das macht.“

Hier geht es zur Originalpublikation



Ein Beitrag von:

Anzeige
Anzeige

Top Stellenanzeigen

CAD-Konstrukteur (m/w/d)
Boyd Weiler GmbH & Co. KG

13.09.2026
Weiler-Simmerberg
Senior Ingenieur Systemintegration und KI-basierte Performancebewertung (w/m/d)
TransnetBW GmbH

13.09.2026
Stuttgart
Ingenieur Systemführung Operative Betriebsplanung (w/m/d)
TransnetBW GmbH

13.09.2026
Stuttgart
Bauprojektleiter (m/w/d)
Allbau Managementgesellschaft mbH

13.09.2026
Essen
Ingenieur* im Anforderungsmanagement
DFS Deutsche Flugsicherung GmbH

13.09.2026
Langen
Bauingenieur / Bautechniker Kommunaler Tiefbau (m/w/d)
WipflerPLAN Planungsgesellschaft

13.09.2026
Donauwörth, Nördlingen, Pfaffenhofen an der Ilm, Lauf an der Pegnitz
Information Security Manager (all genders)
VINCORION Advanced Systems GmbH

13.09.2026
Wedel
Professur „Wirtschaftsinformatik und Datenbanken mit dem Schwerpunkt IT-Venture-Design, Digital Enterprise und innovativer Lehre in Makerspace-Settings (W2)“
Hochschule Düsseldorf University of Applied Sciences

13.09.2026
Düsseldorf
Senior-Ingenieur Auftragsengineering (m/w/d)
Mehrer Compression GmbH

13.09.2026
Balingen
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Hamm
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Hamm, Münster
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Dillenburg
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Dillenburg
BIM-Manager (w/m/d) Niederlassung Westfalen
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Hamm, Münster, Gelsenkirchen
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Netphen
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Netphen
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Bochum
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Bochum
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Osnabrück
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Osnabrück
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Hagen
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Hagen
Bauleiter (m/w/d) im Bereich schlüsselfertigen Wohnungsbau
SCHEIDL

13.09.2026
Moosburg/Landshut
Projektingenieur Fachplanung Versorgungstechnik (m/w/d)
INGENIEURBÜRO ZAMMIT GmbH

13.09.2026
Achim, Celle, Salzgitter, Wolfsburg
Meister (m/w/d) für die mechanische Fertigung
Montanhydraulik GmbH

13.09.2026
Gelsenkirchen
Bauingenieur (w/m/d)
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Bayreuth

Weitere Artikel



Anzeige
Anzeige