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22.05.2015, 06:55 Uhr | 0 |

Artenschutzreport schlägt Alarm Monokulturen in der Landwirtschaft senken Artenvielfalt von Tieren und Pflanzen

Um die Artenvielfalt von Tieren und Pflanzen ist es in Deutschland schlecht bestellt. Ein Drittel aller Arten ist gefährdet. Dafür ist aber nicht der Klimawandel verantwortlich, sondern die Zunahme von Monokulturen in der Landwirtschaft. Das geht aus dem ersten Artenschutzbericht des Bundesamtes für Naturschutz hervor.

Landwirt mit Traktor beim Spritzen eines Gerstenfeldes
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Bauer beim Spritzen eines Gerstenfeldes: Die wachsenden Flächen von Monokulturen in der Landwirtschaft gefährden zunehmend die Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren. Zu diesem Ergebnis kommt der erste Artenschutzbericht des Bundesamtes für Naturschutz.

Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Von den rund 48.000 Tierarten, 9500 Pflanzen- und 14.400 Pilzarten in Deutschland stehen bereits 32.000 Arten auf der Roten Liste. Experten haben nun untersucht, wie gefährdet diese Arten sind. Das Ergebnis ist im Artenschutz-Report nachzulesen und gibt Grund zur Sorge: 46 % sämtlicher Arten und Unterarten sind nur noch selten anzutreffen, vom Aussterben bedroht oder gar verschwunden. Umweltschutzorganisationen wie WWF, BUND und Nabu beobachten mit Sorge den schlechten Zustand der Artenvielfalt in Deutschland.

„Der Zustand der Artenvielfalt in Deutschland ist alarmierend, denn ein Drittel der auf Roten Listen erfassten Arten ist im Bestand gefährdet und weitere Arten sind sogar schon ausgestorben“, so BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel. „Damit wird bislang auch das nationale Ziel verfehlt, den Verlust der biologischen Vielfalt aufzuhalten."

Situation der wirbellosen Tiere ist besonders gefährdet

Besonders dramatisch ist die Lage bei den wirbellosen Tieren wie den Insekten. So sind alle 600 existierenden Wildbienenarten bedroht. Von den Wirbeltieren wie Säugetieren, Süßwasserfischen, Reptilien, Vögeln und Amphibien sind fast 28 % gefährdet. Besonders verschlechtert hat sich die Situation der Brutvögel. In den letzten zwölf Jahren nahm der Bestand von 34 % der Brutvogelarten ab.

Insbesondere „Allerweltsarten“ wie Kiebitze, Uferschnepfen und Feldlerchen sind immer weniger zu sehen. Kiebitze haben etwa ein Drittel bis zu einem Viertel an Bestand verloren, das Rebhuhn ist bereits zu 90 % verschwunden. Auf der Roten Liste stehen auch über 23 % der Zugvogelarten.

Hauptverantwortlich für sinkende Artenvielfalt ist die Landwirtschaft

Doch nicht der Klimawandel ist für den Verlust der Artenvielfalt, sondern die weiter wachsenden Monokulturen in der Landwirtschaft. „Früher hat der Bauer auch mal ein paar Halme stehenlassen. Der Feldhamster hatte was zu knabbern, die Vögel hatten dann auch noch was", erklärt BfN-Sprecher Franz August Emde. Heute hingegen setzen die Landwirte auf Monokulturen und verwerten auch noch den letzten Grashalm.

Die Lebensräume der Arten verschwinden auch durch den Einsatz von Dünger und Pestiziden, dem intensiven Fischfang und dem Trockenlegen von Flächen. Weitere Gefährdungen liegen in der Forstwirtschaft, im Wasserbau und der Gewässerunterhaltung, Baumaßnahmen sowie Sport- und Freizeitaktivitäten. Inzwischen befinden sich etwa 77 % der geschützten Lebensräume in schlechtem oder sehr schlechtem Zustand.

ARCHIV - Ein Mitarbeiter des Agrar-Unternehmens Landgesellschaft Damm fährt am 10.03.2014 mit einem Traktor und Drillmaschine über ein Feld in Lebus (Brandenburg) und bringt Felderbsensamen in den Boden. Foto: Patrick Pleul/dpa (zu lbn "Überraschend milder Winter: Getreide steht gut" vom 19.03.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Aussähen von Felderbsen in Lebus in Brandenburg: Riesige Monokulturen ohne Feldraine dazwischen machen Tieren und Pflanzen immer mehr zu schaffen.

Foto: Patrick Pleul/dpa

Natur- und Umweltschützer fordern deshalb Maßnahmen durch die Politik, um den Artenrückgang zu stoppen. Der BUND fordert ein Sofortprogramm, das bis 2020 konkrete Erfolge bringen soll. Einzelmaßnahmen für besonders gefährdete Arten fordert der BfN. Dazu gehören der Erhalt von Grünflächen, die Einrichtung von ungenutzten Pufferstreifen, naturnaher Waldbau sowie die Rückgewinnung von Auenflächen.

Umgesetzt werden sollen diese Forderungen durch Wiedervernässung von Mooren, Deichrückverlegungen und nachhaltige Fischerei. „Kernelement des Artenschutzes müssen Reformen in der Landwirtschaft sein. Die industrielle Landwirtschaft verursacht zurzeit die größten Schäden an Natur und Umwelt", sagte BUND-Vorsitzender Hubert Weiger.

Einzelne Erfolge von Artenschutzmaßnahmen

Erste Erfolge können bereits festgestellt werden. So konnte sich der Bestand des Schwarzstorches, des Seeadlers und der Flussperlmuschel erholen. Auch der Bestand der Wildkatzen hat sich wieder erholt und wird wieder auf 5000 bis 7000 Tiere geschätzt. 

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Von Petra Funk
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