02.06.2015, 08:51 Uhr | 0 |

Leben ohne Sehhilfe Spektakuläre Verbesserung der Sehkraft mit bionischer Linse

Ein kanadischer Augenoptiker hat eine künstliche Linse entwickelt, die das menschliche Sehvermögen auf alle Distanzen um das Dreifache verbessern soll. Die bionische Linse wird in einer kurzen Prozedur ins Auge eingesetzt und kann dort für immer bleiben. Falls die klinischen Tests gut verlaufen, könnte die Linse schon 2017 auf dem Markt sein.

Sonnenbrillen
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Das Geschäft mit Sonnenbrillen könnte bald das einzige sein, was Augenoptikern noch bleibt. Ihr kanadischer Kollege Garth Webb hat eine bionische Sehhilfe entwickelt, die zukünftig die meisten Brillen und Kontaktlinsen überflüssig machen könnte. 

 

Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Der aus British Columbia stammende Augenoptiker Garth Webb hat eine spezielle Sehhilfe entwickelt, die zukünftig die meisten Brillen und Kontaktlinsen überflüssig machen könnte. Die Linse, die Webb mit seinem Unternehmen Ocumetic Bionic Lens erfunden hat, wird mit einer kurzen und schmerzlosen Prozedur anstelle der natürlichen Linse ins Auge eingesetzt. Sie soll die Sehkraft auf alle Distanzen spektakulär verbessern und für nahezu alle Menschen über 25 Jahre geeignet sein. Die patentierte Linse wird jetzt klinisch getestet und könnte schon übernächstes Jahr erhältlich sein.

Linse stellt sich auf alle Entfernungen ein

Acht Jahre lang und umgerechnet etwas über zwei Millionen Euro habe er für die Entwicklung der speziellen Linse gebraucht, sagt Garth Webb. Das Ergebnis sei eine Linse, die mehr als die volle Sehkraft zurück bringt. „Diese Art von Sehverbesserung hat die Welt noch nie gesehen. Wenn Sie bisher die Uhr aus drei Meter Entfernung gerade noch sehen konnten, lässt die bionische Linse demgegenüber eine Sichtweite von bis zu 100 Metern zu“, so Webb gegenüber den CBC News.

Bei der Prozedur, die das Sehvermögen so entscheidend verbessern soll, wird die eigene Linse des Patienten entfernt. Die neue und individuell angefertigte Ocumetic-Linse, die sich eingerollt in einer mit Kochsalzlösung gefüllten Injektionsspritze befindet, wird über einen sieben Millimeter großen Schnitt direkt ins Auge platziert. Dort entfaltet sie sich innerhalb von zehn Sekunden und die behandelte Person kann sofort besser sehen. Der Grund für die Sehkraftverbesserung und die eigentliche Erfindung von Webb ist ein miniaturisiertes optisches System in der Linse, das wie eine Digitalkamera arbeitet und seinen Fokus auf alle Entfernungen einstellen kann.

Für fast alle Menschen über 25 Jahre geeignet

Die bionische Linse sei gut verträglich für den Körper und könne ein Leben lang im Auge bleiben, sagt Webb. Geeignet sei die Linse für fast alle Menschen über 25 Jahre, denn dann ist das Auge, beziehungsweise die Sehstärke, vollständig entwickelt. Bei Augen, denen bereits künstliche Linsen eingesetzt wurden, etwa nach einer Grauen Star-Operation, hilft dagegen auch die bionische Linse nichts. Das gilt ebenso bei Fällen mit geschädigten Sehnerven oder Netzhaut-Krankheiten.

Jetzt stehen für die kommenden zwei Jahre intensive klinische Tests an, zunächst an Tieren und blinden Menschen. Dann hofft Webb für 2017 auf eine Markteinführung der Linse. Die Kosten für die Linsen schätzt Webb auf rund 3000 Euro pro Auge, zuzüglich der anfallenden Operationskosten.

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Von Gudrun von Schoenebeck
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