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08.10.2013, 07:31 Uhr | 0 |

US-Patent umstritten Software erlaubt Eltern die Wahl ihres Wunschbabys

Die Diskussion um Ethik und Moral in der Genetik hat neue Nahrung bekommen: Die amerikanische Biotechnologie-Firma 23andMe hat ein Patent erhalten, mit dem Designer-Babys möglich werden. Danach könnten sich Eltern in Zukunft Spendersamen und Eizellen gezielt nach künftigen Eigenschaften des Kindes aussuchen.

Homepage des Unternehmens 23andMe
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Homepage des Unternehmens 23andMe: Durch Untersuchung der eigenen DNA für 99 US-Dollar können Eltern Aussehen, Charaktereigenschaften und Krankheiten ihres potentiellen Nachwuchses einschätzen lassen. Die Software, die die DNA-Eigenschaften der Eltern vergleicht und auf das Kind hochrechnet, hat die Firma jetzt patentieren lassen.

Foto: Screenshot ingenieur.de

Das Patent wurde auf ein Computerprogramm erteilt, das anhand der genetischen Informationen der Eltern die wahrscheinlichen Eigenschaften des Kindes ermittelt. Zum Patenantrag gehörte auch ein Formular, auf dem Menschen mit Kinderwunsch die bevorzugten Eigenschaften des Kindes ankreuzen können. Die Auswahlmöglichkeiten reichen dabei von der Augenfarbe über bestimmte Krankheitsrisiken bis hin zur Langlebigkeit. Damit können sich die Eltern in spe einen Samenspender oder eine Eizellenspenderin mit Genen aussuchen, die das bestmögliche Ergebnis versprechen.

Technik wird schon genutzt

Die zugrunde liegende Technik verwendet 23andMe bereits: Mit dem „Family Traits Inheritance Calculator“ können sich Paare bereits heute vorrechnen lassen, mit welcher Wahrscheinlichkeit ihr ungeborenes Kind feuchten Ohrenschmalz haben oder laktoseintolerant sein wird. Diese Technik nun patentrechtlich zu schützen, könnte damit zu tun haben, dass beispielsweise Fruchtbarkeitskliniken das Verfahren nutzen wollen. Doch das Unternehmen bestreitet, die Technik weiterverkaufen oder lizensieren zu wollen.

Selektion ist ethisch umstritten

Inzwischen wird Kritik an dem Verfahren laut, Samenspenden und Eizellen je nach gewünschten Eigenschaften zu selektieren. So schreibt das Team um die Bioethikerin Sigrid Sterckx von der Universität Gent in der Fachzeitschrift Genetics in Medicine: „Es ist klar, dass die Selektion von Kindern in der Art und Weise wie 23andMe patentieren ließ, ethisch ungeheuer umstritten ist.”

Auch in Deutschland wurde bereits Kritik laut. „Die genetische Identität eines Menschen darf nicht von Mode, Markt und Meinung abhängen. Eine kommerziell gesteuerte Eugenik ist ein fundamentaler Verstoß gegen die Menschenwürde“, sagt Christoph Then vom Verein Testbiotech. „Geschäftsideen, die auf der Produktion von Designer-Babys beruhen, dürfen nicht durch Patente gefördert werden“, warnt er.

Keine Chance auf Patent in Europa

Auch in Europa hatte das amerikanische Unternehmen versucht, das Auswahlverfahren patentieren zu lassen. Allerdings hat das Unternehmen den Antrag bereits wieder zurückgezogen. Zudem wäre die Erteilung durch das Europäische Patentamt (EPA) unwahrscheinlich gewesen. Zum einen, weil reine Geschäftsideen in Europa nicht patentierbar sind. Zum anderen aber, weil hier – anders als in den USA – Patente wegen Verstößen gegen gute Sitten zurückgewiesen werden können.

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Von Andrea Ziech
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