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Warum Volkswagen seine IT neu positioniert

23. März 2026

Hauke Stars, Vorständin für IT bei der Volkswagen AG
Hauke Stars, Vorständin für IT der Volkswagen AG, spricht auf der Transform über Resilienz, digitale Souveränität und die strategische Rolle der IT in der Autoindustrie. Foto: Alexandra Ilina
IT in der Automobilindustrie wird zum Schlüssel: Volkswagen setzt auf Resilienz, KI und digitale Souveränität, um Wettbewerb und Wandel zu meistern.
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Die Automobilindustrie steht unter massivem Veränderungsdruck. Instabile Lieferketten, geopolitische Spannungen und zunehmende Regulierung verschieben die Grundlagen des globalen Wettbewerbs. Was über Jahrzehnte als verlässlich galt – internationale Arbeitsteilung, planbare Märkte und stabile Partnerschaften – verliert an Stabilität und Vorhersagbarkeit.

Inhaltsverzeichnis

Für Unternehmen wie die Volkswagen AG hat diese Entwicklung tiefgreifende Auswirkungen. Die zunehmende Fragmentierung der Weltwirtschaft erschwert nicht nur Wachstum, sondern stellt auch bestehende Geschäftsmodelle infrage. Strategische Entscheidungen müssen unter wachsender Unsicherheit getroffen werden, während sich Märkte und politische Rahmenbedingungen immer schneller verändern.

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„Die Rahmenbedingungen verändern sich nicht mehr schrittweise, sondern sprunghaft“, hat Hauke Stars, Vorständin der Volkswagen AG für IT die aktuelle Lage in ihrer Keynote „Resilienz. Souveränität. Geschwindigkeit: Die digitalen Imperative für die Automobilindustrie“ beschrieben. Märkte entwickeln sich auseinander, Lieferketten müssen neu strukturiert werden, und langfristige Planung wird zunehmend zur Herausforderung.

Gleichzeitig beschleunigt der technologische Wandel die Transformation der Branche erheblich. Künstliche Intelligenz, datengetriebene Geschäftsmodelle und softwarebasierte Innovationen greifen tief in die Wertschöpfung ein. Wettbewerb wird nicht mehr ausschließlich über Produktqualität entschieden, sondern zunehmend über Geschwindigkeit, Datenkompetenz und digitale Skalierbarkeit.

Die Herausforderung ist enorm: so plant Volkswagen bis 2030 Zehntausende Stellenstreichungen. Der Gewinneinbruch 2025 belastet VW, Porsche und Audi.

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IT wird zum strategischen Erfolgsfaktor

Vor diesem Hintergrund verändert sich die Rolle der IT grundlegend. Sie entwickelt sich vom operativen Unterstützer zum zentralen Steuerungsinstrument unternehmerischer Transformation. Bei der Volkswagen AG sei die IT heute auf Vorstandsebene verankert – ein klares Signal für ihre strategische Bedeutung. Es geht längst nicht mehr nur um Systeme und Infrastruktur, sondern um die Fähigkeit, ein Unternehmen durch Unsicherheit zu navigieren.

„IT entscheidet darüber, ob ein Unternehmen diese Veränderungen aktiv gestalten kann“, so Hauke Stars. Der Anspruch ist eindeutig: IT soll nicht nur begleiten, sondern aktiv führen und gestalten.

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Resilienz und digitale Souveränität als neue Leitprinzipien

In einer volatilen und zunehmend fragmentierten Welt wird Resilienz zur Grundvoraussetzung unternehmerischen Handelns. Unternehmen müssen akzeptieren, dass Störungen nicht die Ausnahme, sondern Teil der Realität sind. Entscheidend ist daher nicht, ob Krisen auftreten, sondern wie gut Organisationen darauf vorbereitet sind und wie schnell sie reagieren können.

Resilienz bedeutet in diesem Kontext, Systeme so zu gestalten, dass sie auch unter Belastung stabil bleiben und schnell wiederhergestellt werden können. „Resilienz ist für uns kein Schlagwort, sondern Betriebserlaubnis“, betonte Hauke Stars. Im Fokus stehen dabei klare Architekturen, reduzierte Komplexität und robuste Sicherheitsmechanismen.

Ein weiterer zentraler Baustein ist die digitale Souveränität. Mit der zunehmenden Nutzung von Cloud-Plattformen und externen Technologien wachsen die Abhängigkeiten von globalen Anbietern. Diese Abhängigkeiten werden in stabilen Zeiten oft unterschätzt, können jedoch in Krisensituationen zu erheblichen Risiken werden.

Digitale Souveränität bedeutet daher, kritische Technologien kontrollieren zu können, Abhängigkeiten bewusst zu steuern und im Zweifel handlungsfähig zu bleiben. Ziel ist nicht Abschottung, sondern die Sicherstellung strategischer Unabhängigkeit und operativer Kontrolle.

Gerade in Europa gewinnt dieses Thema an Bedeutung, da viele Schlüsseltechnologien außerhalb des Kontinents entwickelt werden und Unternehmen ihre technologischen Kompetenzen gezielt stärken müssen.

Künstliche Intelligenz als Treiber der Transformation

Parallel zu geopolitischen Herausforderungen eröffnet der technologische Fortschritt neue Chancen. Künstliche Intelligenz entwickelt sich dabei zu einem der wichtigsten Hebel für Effizienz, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit.

Bei der Volkswagen AG wird KI nicht als isoliertes Experiment verstanden, sondern als integraler Bestandteil der Transformation. „KI ist für uns kein Experiment, sondern ein konkreter Leistungs- und Effizienztreiber“, erklärt Hauke Stars.

Der Einsatz reicht von der Unterstützung einzelner Mitarbeitender durch digitale Assistenzsysteme bis hin zur Optimierung und Neugestaltung komplexer Geschäftsprozesse. Besonders relevant ist dabei die Verbindung von Technologie und Organisation: Erst wenn Prozesse konsequent neu gedacht werden, kann KI ihr volles Potenzial entfalten.

KI wirkt somit nicht nur auf operativer Ebene, sondern verändert auch Strukturen und Arbeitsweisen grundlegend. Der Anspruch ist klar formuliert: „No process without AI.“

Effizienz bleibt ein zentraler Maßstab

Trotz steigender technologischer Möglichkeiten bleibt Wirtschaftlichkeit ein entscheidender Erfolgsfaktor. Transformation darf kein Selbstzweck sein, sondern muss messbaren Mehrwert liefern.

Auch in der IT wird zunehmend ein Prinzip aus der klassischen Automobilentwicklung angewendet: „Mehr Leistung bei geringerem Verbrauch“, so Hauke Stars. Übertragen auf IT bedeutet das, mit weniger Komplexität und höherer Standardisierung mehr Wirkung zu erzielen.

Dazu gehören die Konsolidierung von Systemen, die Vereinheitlichung von Plattformen sowie eine gezielte globale Ressourcensteuerung. Ziel ist es, steigende Anforderungen effizient zu bewältigen, ohne die Kostenstruktur aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Vier strategische Prioritäten moderner IT

Aus den aktuellen Entwicklungen lassen sich vier zentrale Handlungsfelder ableiten, die für Unternehmen der Automobilindustrie entscheidend sind.

Resilienz: Überlebensfähigkeit sichern

Resilienz beschreibt die Fähigkeit, auch unter extremen Bedingungen handlungsfähig zu bleiben – etwa bei Cyberangriffen, Lieferkettenstörungen oder geopolitischen Krisen. Im Mittelpunkt stehen robuste Systemarchitekturen, Standardisierung und ein konsequentes Sicherheitskonzept nach dem Zero-Trust-Prinzip. Resilienz ist dabei kein einmaliges Projekt, sondern ein kontinuierlicher Prozess, der laufend weiterentwickelt werden muss.

Digitale Souveränität: Abhängigkeiten kontrollieren

Mit zunehmender Digitalisierung steigen die Abhängigkeiten von externen Technologien und Plattformen. Digitale Souveränität bedeutet, kritische Systeme kontrollieren und im Bedarfsfall selbst betreiben zu können. Dazu gehören der bewusste Umgang mit Vendor-Lock-ins, der Aufbau eigener Kompetenzen sowie die strategische Steuerung technologischer Abhängigkeiten.

Künstliche Intelligenz: Vom Tool zur Transformation

KI entwickelt sich von einer unterstützenden Technologie zu einem zentralen Bestandteil der Wertschöpfung. Sie steigert Produktivität, automatisiert Prozesse und ermöglicht datenbasierte Entscheidungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Ihr größter Hebel liegt jedoch in der organisatorischen Transformation, da Prozesse und Strukturen grundlegend neu gedacht werden können.

Effizienz: Mehr Leistung bei kontrollierten Kosten

Trotz wachsender Anforderungen bleibt Effizienz ein zentraler Maßstab. Moderne IT-Organisationen setzen auf standardisierte Plattformen, verschlankte Prozesse und globale Talentstrategien. Durch klare Make-or-Buy-Entscheidungen und konsequente Konsolidierung von Systemen lassen sich Kosten kontrollieren und gleichzeitig Leistungsfähigkeit steigern.

Die Zukunft entscheidet sich im Digitalen

Die Automobilindustrie steht vor einer doppelten Herausforderung: Sie muss sich gleichzeitig an eine fragmentierte Welt anpassen und eine tiefgreifende technologische Transformation bewältigen.

Einheitliche Lösungen gibt es nicht. Jedes Unternehmen muss seinen eigenen Weg definieren. Doch klar ist: Ohne eine strategisch ausgerichtete, leistungsfähige IT wird diese Transformation kaum erfolgreich zu bewältigen sein. Oder, wie Hauke Stars es formulierte: „Gestalten statt verwalten – das ist unser Anspruch.“

Lesen Sie auch:Kollaps der Autozulieferer: Warum die Krise tiefer geht



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