Nach US-Angriff 02.03.2026, 12:00 Uhr

Straße von Hormus: Wie real ist das Szenario einer Sperrung?

Explosive Lage am Persischen Golf: Droht eine Blockade der Straße von Hormus – und was steht für Europa dabei auf dem Spiel?

Straße von Hormus

Die Straße von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem Indischen Ozean. Durch die enge Passage fließt rund ein Fünftel des weltweiten Rohöls.

Foto: Smarterpix / vampy1

Straße von Hormus: Kann sich der Iran eine Blockade leisten? Die Straße von Hormus ist einmal mehr zu einem geopolitischen Brennpunkt geworden. Nach den Luftangriffen der USA und Israels auf die iranische Führung, Militäreinrichtungen und Rüstungsinfrastruktur wächst die Sorge vor einer Eskalation im Nahen Osten – nicht nur militärisch, sondern auch wirtschaftlich. Die Erfahrung nach dem Bombardement der iranischen Atomanlagen im letzten Jahr hat gezeigt, dass eine vorübergehende Sperrung zwar die Preise für Öl erhöht, dies sich danach aber auch relativ schnell wieder normalisiert. Doch diesmal könnte der Konflikt länger dauern. Und dann geht es um mehr als nur eine regionale Krise – es steht nicht weniger als die Stabilität des globalen Energiemarkts auf dem Spiel.

Wo liegt die Straße von Hormus – und warum ist sie so entscheidend?

Die Straße von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und dem Arabischen Meer. Sie ist nur rund 50 Kilometer breit, an der engsten Stelle sogar weniger – und doch passieren hier täglich bis zu 20 Millionen Barrel Rohöl. Das entspricht fast 30 % des weltweit verschifften Erdöls und etwa einem Fünftel des globalen Verbrauchs.

Nur zwei jeweils drei Kilometer breite Fahrrinnen sind für die internationale Schifffahrt sicher befahrbar. Sie verlaufen durch iranisches und omanisches Hoheitsgebiet. Die globale Abhängigkeit ist immens: Staaten wie Saudi-Arabien, Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait und der Irak sind auf diesen Korridor ebenso angewiesen wie der Iran selbst.

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Ein Nadelöhr der Weltwirtschaft – mit politischer Sprengkraft

Neben Rohöl werden auch große Mengen Flüssiggas (LNG) über die Straße von Hormus verschifft. Insbesondere Katar exportiert fast sein gesamtes LNG über diese Route. Aber auch Getreide, Maschinen, Autos und Medikamente erreichen den Nahen Osten über diesen Weg. Eine Sperrung würde nicht nur die Preise für Öl und Gas steigen lassen, sondern auch die Versorgung vieler Staaten im Nahen Osten gefährden.

Schon das Drohen mit einer Blockade reicht aus, um Ölpreise steigen zu lassen. Die Internationale Energieagentur (IEA) warnt: „Die schiere Menge an Öl, die über die Straße von Hormus exportiert wird, und die begrenzten Möglichkeiten, sie zu umgehen, bedeuten, dass jede Unterbrechung der Ölströme enorme Folgen für die weltweiten Ölmärkte hätte.“

Iran rüstet auf: Seezielflugkörper entlang der Küste

Neueste Berichte legen nahe, dass der Iran seine militärische Präsenz entlang der Straße von Hormus massiv verstärkt hat. Besonders besorgniserregend ist die Stationierung moderner Seezielflugkörper, auch Anti-Schiffsraketen genannt. Diese Waffen gelten als präzise, schnell und äußerst schwer abzufangen.

Unbestätigten Quellen zufolge hat der Iran zwischen dem Golf von Oman und der Straße von Hormus fünf bis sieben Küstenbatterien installiert. Diese befinden sich in strategischer Nähe zum Marinehauptquartier der Islamischen Revolutionsgarden in Bandar Abbas – direkt an der Meerenge. Ausgerüstet sind sie offenbar mit Raketen chinesischer Bauart (C-801/C-802), die unter iranischer Lizenz weiterentwickelt wurden und nun unter den Namen „Noor“ und „Qader“ bekannt sind. Ihre Reichweite beträgt laut Expertenschätzungen über 100 Kilometer.

Zum Vergleich: Im Ukraine-Krieg versenkten zwei Anti-Schiffsraketen eine russische Lenkwaffenfregatte – die „Moskwa“, Flaggschiff der Schwarzmeerflotte. Eine ähnliche Verwundbarkeit wird nun auch für westliche Marineeinheiten in der Golfregion diskutiert.

 

Grenzstaaten: Iran im Norden, Vereinigte Arabische Emirate und Oman im Süden

Breite: ca. 55 km an der schmalsten Stelle

Bedeutung: Wichtigste Schifffahrtsroute für Öl und Flüssiggas (LNG)

Tägliches Volumen: ca. 20 Millionen Barrel Rohöl

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Anteil am Weltölhandel: rund 30 %

Wichtige Exporteure: Saudi-Arabien, Iran, Kuwait, Irak, Katar, VAE, Bahrain

Militärische Präsenz: Fünfte US-Flotte in Bahrain

Risiken: Drohungen Irans, Minen, GPS-Störungen, Angriffe auf Tanker

 Guerillataktik gegen US-Flugzeugträger?

Die Iranische Marine selbst besitzt lediglich drei moderne und drei ältere Fregatten – militärisch kein nennenswerter Gegner für die über 150 Kampfjets der US-Trägerflotten, die derzeit zwischen dem Roten Meer und dem östlichen Mittelmeer operieren. Doch der Iran setzt nicht auf konventionelle Seegefechte, sondern auf asymmetrische Kriegsführung.

Die Islamischen Revolutionsgarden unterhalten eine eigene Marine-Infanterie mit rund 5.000 Soldaten. Ihnen stehen zehn chinesische Raketenschnellboote der Houdong-Klasse zur Verfügung, die mit den genannten Seezielflugkörpern bestückt sind. Diese kleinen, wendigen Boote operieren getarnt in den engen Gewässern und könnten im Ernstfall gezielte Schläge gegen Tanker oder Kriegsschiffe führen – ein Albtraum für die Schifffahrtssicherheit.

Politischer Drahtseilakt: Iran zwischen Drohung und Selbstgefährdung

Ein iranisches Parlament hat einem Gesetz zur Sperrung der Meerenge bereits zugestimmt – eine finale Entscheidung des Obersten Nationalen Sicherheitsrats steht noch aus. Bisher blieb es bei Drohungen. Doch in der aktuellen Lage – nach Luftangriffen auf iranische Nuklearanlagen und Gegenschlägen auf Israel – sind rote Linien überschritten.

US-Außenminister Marco Rubio sieht in einer möglichen Blockade einen globalen Brandbeschleuniger: „Falls sie das tun, wäre das ein weiterer schwerer Fehler. Es wäre wirtschaftlicher Suizid für sie.“

Denn auch der Iran braucht die Straße von Hormus – wirtschaftlich wie strategisch. Täglich exportiert das Land rund 1,5 Millionen Barrel Öl, fast ausschließlich über diese Meerenge. Diese Einnahmen sind entscheidend für ein Regime, das unter massiven Sanktionen der USA und der EU steht. Zudem hat China als wichtigster Handelspartner Irans mehrfach klargemacht, dass ein ungestörter Energiefluss aus dem Golf oberste Priorität hat.

Reedereien reagieren mit Vorsicht

Reedereien reagierten schnell und mit Vorsicht. Obwohl der Iran bislang keine formal-völkerrechtliche Vollsperrung der Straße von Hormus erklärt hat, hat die halbstaatliche Nachrichtenagentur Tasnim am Sonntagabend berichtet: „Schiffe in diesem Gebiet erhalten wiederholt Nachrichten vom Korps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC), in denen ihnen mitgeteilt wird, dass kein Schiff die strategisch wichtige Meerenge passieren darf.“ Als Folge stoppten mehrere Ölkonzerne, Handelshäuser und Reedereien ihre Lieferungen durch die Passage. S&P Global Commodities registrierte am 28. Februar einen Rückgang des Schiffsverkehrs n dem Gebiet um zwischen 40 % und 50 %.

Als Folge stoppten mehrere Ölkonzerne, Handelshäuser und Reedereien ihre Lieferungen durch die Passage. S&P Global Commodities registrierte am 28. Februar einen Rückgang des Schiffsverkehrs im Gebiet um zwischen 40 % und 50 %.

Mindestens 14 LNG-Tanker verlangsamten, stoppten oder wendeten. Hapag-Lloyd setzte alle Durchfahrten „bis auf Weiteres“ aus, CMA CGM wies Schiffe in Schutzhäfen ein. Die US Navy riet sämtlichen Handelsschiffen, den Golfraum zu meiden

Selbst wenn kein physischer Lieferengpass sofort eintritt, bauen Händler eine sogenannte Risikoprämie in den Ölpreis ein. Versicherungsprämien für so genannte War-Risk-Insurance für Tankerfahrten im Golf hatten sich schon bei dem Angriff auf den Iran 2025 verdoppeln, ähnliches ist auch hier erwartbar. Die Raten für „Hull & Machinery Insurance“ waren damals um 60 % gestiegen. Auch die Charterraten hatten sich verdoppelt.

Wie teuer wird es für Europa? Ist die Versorgung gesichert?

Nach Einschätzung von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche wirkt sich die Sperrung der Straße von Hormus vorerst nicht auf die Öl- und Gas-Versorgung Deutschlands aus. Wobei die Auswirkungen zwei Aspekte haben: die Verfügbarkeit und den Preis. Und der Preis bildet sich auch nur zu einem Teil an den Spotmärkten, ein Gutteil der Gasversorgung läuft zum Beispiel über längerfristige Kontrakte. Gas beziehe Deutschland vor allem (90 %) über Pipelines aus Norwegen und Belgien, Flüssiggas (ca. 10 %) überwiegend aus den USA und Kanada, sagte Reiche im „Bericht aus Berlin“.

Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters habe die Rabobank-Spezialisatin Florence Schmit erklärt: „Sollte Qatar, das eine entscheidende Rolle bei der Stabilisierung sowohl asiatischer als auch europäischer LNG-Märkte spielt, keine Ladungen versenden können, wären die Auswirkungen auf die weltweiten Gaspreise erheblich“. Genau Zahlen aber werden noch nicht genannt.

Was die Ölversorgung angeht, sagte Reiche, diese käme vor allem aus Kasachstan, Norwegen und den USA. „Wir haben also unsere Ölquellen diversifiziert“, sagte sie. Es könne zwar zu Preissteigerungen kommen, „da jetzt zu spekulieren, wäre allerdings zu früh“. Am heutigen Montag, 2. März 2026, wurde, laut deutscher Presseagentur, ein Barrel (1 bbl) der Nordseesorte Brent außerbörslich zunächst für über 80 $ gehandelt – ein Plus von 10 %. Inzwischen liegt der Preis wieder etwas darunter.

Experten warnen vor 100 Dollar und deutlich höheren Benzinpreisen

Experten rechnen mit über 100 $/bbl und mehr, die möglich wären. So Clemens Fuest, Präsident des ifo-Instituts, der gegenüber der „Bild“ erklärte: „Eine längere Schließung der Straße von Hormus könnte den Ölpreis in Richtung 100 $ steigen lassen“. Für den Fall, dass wir eine Schließung über Monate sehen würden, „würden wir erwarten, dass die Preise in den dreistelligen Bereich steigen und dort eine ausgedehnte Zeit bleiben“ erklärte Ajay Parmar, Director of Energy and Refining, beim Preisinformationsdienst ICIS (Independent Chemical Information Service) gegenüber VDI nachrichten auf Anfrage. Das treffe dann auch die deutsche Wirtschaft und deutsche Verbraucher, so AdL-Partner Geyer. „Für die Benzinpreise gehen Fachleute von Steigerungen von 30 bis 80 Cent pro Liter aus. Abhängig ist dies natürlich von der Dauer der Krise und dem Ausmaß der Panik“.

Bei einer Beschränkung auf ein bis zwei Wochen blieben die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft aber überschaubar, so Fuest. Wie stark sich die Lage auf die Preise auswirke, hänge von der Dauer des Konflikts ab, so Reiche. Ihr Kollege, Bundesaußenminister Johann Wadephul, sagte bereits am gestrigen Sonntag: in der ARD-Sendung „Caren Miosga“: „Wir alle müssen uns darauf einstellen, dass dieser Konflikt länger dauert. Es ist nicht vorhersehbar, dass wir in den nächsten Tagen mit einer Beendigung der Kampfhandlungen rechnen können“.

Golfregion für Deutschland weniger entscheidend – hohe Preise bleiben Risiko

„Die Länder am Golf sind für Deutschlands Ölversorgung eher von nachgelagerter Bedeutung“, so Olaf Geyer, Partner und Energiemarkt-Experte bei Arthur D. Little gegenüber VDI nachrichten. Für EU-Staaten kämen ca. 5 % bis 10 % der Importe durch die Region, damit sind die direkten Folgen zu puffern. Aber, so Geyer: „Indirekt sind die Auswirkungen durch hohe Preise natürlich enorm. Industrie, Chemiebranche oder auch die Logistik wären hier schnell in großem Ausmaß betroffen“. Und, wirkliche Abhilfe ist laut Geyer kaum in Sicht, da „viele Länder bereits nahe an den Grenzen ihrer Produktionskapazitäten angelangt sind.

Die wichtigen Ölstaaten am Golf behielten Dank Pipelines eine gewisse Handlungsfähigkeit, so AdL-Experte Geyer. So könnte Öl durch Pipelines, etwa durch die Ost-West-Pipeline Saudi-Arabiens und durch die Abu Dhabi Crude Oil Pipeline der Vereinigten Arabischen Emirate geleitet werden. „Damit wäre die Meerenge von Hormus umschifft. Die Situation ist jedoch voll im Fluss – die Ölindustrie etwa in Saudi-Arabien liegt unweit des Golfs und könnte verstärkt Ziel von Angriffen werden“.

Gibt es Alternativen zur Straße von Hormus?

Die Alternativen bei einem längerfristigen Ausfall von Öltransporten durch die Straße von Hormus hätte vor allem deshalb weitreichende Folgen, weil die Verknappung sich weltweit auswirke, betonte Ajay Parmar: „Seebasierte Ölquellen können sehr schnell umgestellt werden, aber es wird eine erhebliche Nachfrage nach denselben alternativen Ressourcen geben“. Die EU – und damit auch Deutschland – habe nur „begrenzte alternative Lieferanten. Sie könnte versuchen, mehr aus den USA und anderen nord- und südamerikanischen Ländern zu importieren, aber letztendlich würde die ganze Welt versuchen, mehr Öl aus alternativen Quellen zu kaufen, was alle alternativen Lieferanten unter Druck setzen würde“.

Eine neue Chance für russisches Öl, trotz aller bestehendes Sanktionen, sieht der ICIS-Energieexperte erst einmal nicht: „Wir halten dies kurzfristig für unwahrscheinlich. Aber wenn es im Nahen Osten über einen längeren Zeitraum zu erheblichen Versorgungsengpässen kommt, könnten einige Sanktionen gegen Russland möglicherweise gelockert werden. Dies würde jedoch nicht zur Entspannung der Versorgungslage beitragen, da Russland bereits jetzt fast seine maximale Förderkapazität erreicht hat.“

Einige Länder haben vorgesorgt:

  • Saudi-Arabien kann Öl über Pipelines ans Rote Meer leiten.
  • Die VAE verfügen über eine Pipeline nach Fujairah am Golf von Oman. Dort lassen sich täglich bis zu 2,6 Millionen Barrel verschiffen – etwa 70 % der nationalen Produktion.

Andere Länder wie Katar, Kuwait oder Bahrain haben jedoch keine nennenswerten Alternativrouten. Eine längerfristige Sperrung der Straße von Hormus würde daher empfindliche Engpässe verursachen.

„Die schiere Menge an Öl, die über die Straße von Hormus exportiert wird, und die begrenzten Möglichkeiten, sie zu umgehen, bedeuten, dass jede Unterbrechung der Ölströme enorme Folgen für die weltweiten Ölmärkte hätte“, warnt die IEA. Bei längerer Unterbrechung seien signifikante Preisanstiege unvermeidlich und Engpässe schnell zu erwarten.

Rückblick: Frühere Drohungen

Bereits 2014 – in einem vergleichsweise ruhigeren Umfeld – hatte die iranische Regierung mit einer Sperrung der Straße von Hormus gedroht. Damals blieb es bei Ankündigungen. Auch damals verwiesen Militärexperten auf die strategischen Risiken einer tatsächlichen Blockade und auf den wirtschaftlichen Schaden für den Iran selbst. (mit Material der dpa)

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

  • Stephan W. Eder

    Stephan W. Eder ist Technik- und Wissenschaftsjournalist mit den Schwerpunkten Energie, Klima und Quantentechnologien. Grundlage hierfür ist sein Studium als Physiker und eine anschließende Fortbildung zum Umweltjournalisten.

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