Rückzieher 06.10.2025, 15:45 Uhr

Wird Thyssenkrupp indisch? Kretinsky bekommt sein Geld zurück

Der tschechische Unternehmer Daniel Kretinsky wollte mit seiner EP Group ein Joint Venture mit der Thyssenkrupp-Stahlsparte eingehen. Damit ist es nun endgültig vorbei. Und wieder steht Thyssenkrupp mit nur einem Interessenten da. Dabei handelt es sich um den indischen Konzern Jindal Steel.

ThyssenKrupp Steel, Grobblechwerk, Huettenheim, Duisburg, Ruhrgebiet, Nordrhein-Westfalen, Deutschland, Europa

Grobblechwerk von Thyssenkrupp in Duisburg-Hüttenheim. Der tschechische Investor Daniel Kretinsky hat sich bei der deutschen Nummer Eins im Stahl verabschiedet.

Foto: picture alliance/Rupert Oberhäuser

Offenbar hat Daniel Kretinsky gut verhandelt. Denn nach seinem Ausstieg bei der Thyssenkrupp-Stahlsparte TKSE (Thyssenkrupp Steel Europe) bekommt er sein Geld zurück. Der tschechische Unternehmer hatte im Juli 2024 mit seiner EP Group 20 % der Anteile erworben – die Aufstockung auf 50 % war lange Zeit die konkreteste Zukunftsperspektive für TKSE. Nun ist Kretinsky weg: Seine Anteile hat er zurückgegeben und den Kaufpreis erstattet bekommen.

Rückzieher wegen Verhandlungen mit Jindal Steel

Man habe die Gespräche „einvernehmlich“ beendet, teilte Thyssenkrupp mit. Der Grund für Kretinskys Rückzieher sind Gespräche des Stahlkonzerns mit der indischen Jindal Steel, die bereits ein nicht bindendes Angebot für TKSE abgegeben hat. Die EPG respektiere den Wunsch von Thyssenkrupp, sich zunächst auf Gespräche mit Jindal zu konzentrieren, hieß es.

Thyssenkrupp befindet sich also abermals in der Situation, mit nur einem Interessenten zu verhandeln. Immerhin: Das Jindal-Angebot ist von der Arbeitnehmer-Seite positiv aufgenommen worden. Jürgen Kerner, zweiter Vorsitzender der IG Metall, nennt Deutschlands größten Stahlhersteller Thyssenkrupp Steel die „perfekte Ergänzung“ für Jindal. Der indische Konzern ist bislang in Europa nicht vertreten, ein Einstieg bei TKSE würde den Zugang zu hochqualitativen Stählen ermöglichen.

Jindal Steel gehört zur Gruppe des indischen Milliardärs Naveen Jindal und ist laut Weltstahlverband Worldsteel der viertgrößte Stahlkonzern Indiens. 2024 produzierte das Unternehmen demnach 8,06 Mio. t Rohstahl – 2,2 Mio. t weniger als TKSE. Die Jindal-Grupp erzielte im vergangenen Geschäftsjahr bei einem Umsatz von 12 Mrd. € eine Gewinnmarge von 22 %. In Deutschland sind solche Margen schon lange nicht mehr erzielt worden und auch für die Zukunft nicht zu erwarten.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
RHEINMETALL AG-Firmenlogo
Verstärkung für unsere technischen Projekte im Bereich Engineering und IT (m/w/d) RHEINMETALL AG
deutschlandweit Zum Job 
Hamburg Wasser-Firmenlogo
Ingenieur Projektleitung Großprojekte Wasserwerke (m/w/d) Hamburg Wasser
Hamburg Zum Job 
Sweco GmbH-Firmenlogo
Teamleitung Verkehr & Wasser (w/m/x) Sweco GmbH
Hannover Zum Job 
Stadtwerke Strausberg GmbH-Firmenlogo
Techniker Stromnetz - Netzkoordination & Digitalisierung (m/w/d) Stadtwerke Strausberg GmbH
Strausberg Zum Job 
Logistik Stahlbau Fischer GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Technischer Vertriebsmitarbeiter (m/w/d) im Stahlbau Logistik Stahlbau Fischer GmbH & Co. KG
Karlsruhe Zum Job 
Ministerium für Schule und Bildung Nordrhein-Westfalen-Firmenlogo
Lehrkraft (m/w/d) Ministerium für Schule und Bildung Nordrhein-Westfalen
Nordrhein-Westfalen Zum Job 
Ministerium für Schule und Bildung Nordrhein-Westfalen-Firmenlogo
Lehrkraft (m/w/d) Ministerium für Schule und Bildung Nordrhein-Westfalen
Nordrhein-Westfalen Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) Konstruktiver Ingenieurbau - Außenstelle Hagen Die Autobahn GmbH des Bundes
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) konstruktiver Ingenieurbau - Außenstelle Netphen Die Autobahn GmbH des Bundes
Netphen Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) Straßenplanung und Straßenentwurf - Außenstelle Netphen Die Autobahn GmbH des Bundes
Netphen Zum Job 
HIC Consulting GmbH-Firmenlogo
Senior Projektleiter / Ingenieur Fernwärme (m/w/d) HIC Consulting GmbH
Hamburg, Linau Zum Job 
TÜV Technische Überwachung Hessen GmbH-Firmenlogo
Sachverständige/-r (m/w/d) Explosionsschutz TÜV Technische Überwachung Hessen GmbH
Frankfurt am Main-Höchst Zum Job 
VDZ Service GmbH-Firmenlogo
Auditor (m/w/d) für die Validierung von Umweltmerkmalen und für die Produktzertifizierung VDZ Service GmbH
Düsseldorf Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Experte (w/m/d) Vertrags- und Nachtragsmanagement Die Autobahn GmbH des Bundes
Fachhochschule Münster-Firmenlogo
Professur für "Antriebssysteme im Maschinenbau" (w/m/d) Fachhochschule Münster
Steinfurt Zum Job 
Pero AG-Firmenlogo
Sales Engineer (m/w/d) Pero AG
Königsbrunn, remote Zum Job 
Firmengruppe Max Bögl-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) Planung Ingenieurbau Firmengruppe Max Bögl
Sengenthal Zum Job 
EGN Entsorgungsgesellschaft Niederrhein mbH-Firmenlogo
Projektmanager (m/w/d) Anlagenbau / Umwelttechnik EGN Entsorgungsgesellschaft Niederrhein mbH
Viersen Zum Job 
INGENIEURBÜRO ZAMMIT GmbH-Firmenlogo
Senior Projektleiter TGA (m/w/d) Schwerpunkt Versorgungs-/Elektrotechnik INGENIEURBÜRO ZAMMIT GmbH
Celle, Wolfsburg, Salzgitter Zum Job 
Hamburg Wasser-Firmenlogo
Ingenieur Elektrotechnik als Projektleiter EMSR (m/w/d) Hamburg Wasser
Hamburg Zum Job 

Jindal will Direktreduktion umsetzen

Jindal hat zugesagt, den Direktreduktionsplänen des Duisburger Stahlunternehmens treu zu bleiben. TKSE hat eine Förderzusage für den Bau einer wasserstoff-fähigen Direktreduktionsanlage erhalten; der Bund und das Land NRW unterstützen das Vorhaben mit insgesamt 2 Mrd. € Subventionen.

Der indische Übernahmeinteressent hat außerdem zugesagt, in Duisburg für mehr als 2 Mrd. € Elektrolichtbogenofen-Kapazitäten zu schaffen. Mit diesem Aggregat lässt sich aus DRI (direkt-reduziertem Eisen) und Schrotten Stahl produzieren. Allerdings wäre die Installation von Elektrolichtbogenöfen eine Abkehr der bisherigen Pläne für das Duisburger Hüttenwerk. Bislang hatte es stets geheißen, man wolle die riesigen Stahlwerke intakt halten – und den Stahl wie gewohnt im Konverter produzieren.

Die Jindal-Gruppe verfügt sowohl über eigene Rohstoffe – im Konzern ist auch ein Bergbauunternehmen – als auch künftig über Möglichkeiten, auf der arabischen Halbinsel wasserstoff-basiertes DRI zu produzieren. Dieses könnte nach Deutschland verschifft werden, TKSE könnte das DRI dann in der Stahlproduktion nutzen und deutlich weniger eigenes Eisen produzieren.

Nicht der erste Übernahmeinteressent aus Indien

Jindal ist nicht der erste Übernahmeinteressent aus Indien. Die indische Nummer Eins, Tata Steel hatte Ende der 2010er-Jahre versucht, mit TKSE zu fusionieren. Dem hatten die Wettbewerbshüter in der EU-Kommission einen Riegel vorgeschoben.

Ein Beitrag von:

  • Iestyn Hartbrich

    Iestyn Hartbrich ist Ingenieur und Journalist mit den Schwerpunkten Werkstoffe, Stahlindustrie, Raumfahrt und Luftfahrt.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.