Deutsche Industrie: Hoffnungsschimmer und innovativer Maschinenbau
In der kriselnden deutschen Industrie mehren sich Anzeichen für eine Erholung, namentlich im Maschinenbau. Der startet auch bei Innovationen durch.
Im Bild die Produktion im Industriepark Höchst - einem Industriecluster mit über 90 Unternehmen - findet rund um die Uhr statt. In der kriselnden deutschen Industrie mehren sich Anzeichen für eine Erholung, namentlich im Maschinenbau.
Foto: picture alliance/dpa/Andreas Arnold
Zum Jahresschluss kommt die Weihnachtszeit und damit die Zeit der Geschenke. Manche komme erst später an – wie die Zahlen, die das Statistische Bundesamtes Destatis zu den Dezemberzahlen im verarbeitenden Gewerbe vorlegt. Die Auftragseingänge legten demnach um 7,8 % saison- und kalenderbereinigt im Vergleich zum Vormonat und +13,0 % kalenderbereinigt zum Vorjahresmonat zu. Der Hersteller von Metallerzeugnissen und der gewichtige Maschinenbau seien die Haupttreiber dafür.
Der VDMA hatte schon am 4. Februar Zahlen für das letzte Jahr vorgelegt: „Leichte Erholung und ein wenig Optimismus“, wollte der der Maschinenbauverband erkennen. Der Auftragseingang im Gesamtjahr lag real auf Vorjahresniveau, Stimmungslage und der Ausblick zum Jahresauftakt aber sei „leicht verbessert“, die Mehrheit der Unternehmen erwartet eine „nominales Umsatzwachstum im laufenden Jahr“. Weiteres Bonmot: „bei den Innovationsausgaben ein Rekordniveau“, hatte der VDMA bereits am 2. Februar konstatiert.
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Deutsche Industrie: Vom „fulminanten Aufschwung“, zulegenden Zähnen und dem „Grund für Zuversicht“
In der deutschen Industrie mehren sich die Anzeichen für eine Trendwende. Die monatliche Auftragsteigerung ist mit Blick auf die Destatis-Zahlen die vierte in Folge. Analysten hatten da im Schnitt einen Dämpfer (-2,2 %) erwartet. „Die Auftragseingänge machen aus Hoffnungen harte Fakten: Die deutsche Industrie wird in den kommenden Monaten einen Zahn zulegen“, sagte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt bei der Liechtensteiner VP Bank der deutschen Presseagentur.
Die Experten scheinen da einig: Gitzel sieht den „Aufschwung“ kommen. Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung, sprach von einem fulminanten Auftragsschub für die Industrie im Dezember. „Das sieht jetzt wirklich sehr stark nach Trendwende aus. Wir haben erstmals seit längerer Zeit Grund für Zuversicht“, sagt Jens-Oliver Niklasch, Ökonom bei der Landesbank Baden-Württemberg.
Industrie: Wachstumsmotor Maschinenbau
Bei dem kräftigen Auftragsplus spielten Großaufträge eine wichtige Rolle, konkret bei der Herstellung von Metallerzeugnissen und im Maschinenbau. Aber auch mehr Bestellungen für elektronische und optische Erzeugnissen wirkten sich positiv aus. Das Auftragsvolumen habe ein Niveau wie zuletzt Anfang 2022 erreicht. „Das Quartalsplus bei den Auftragseingängen ist dabei ein weiteres Indiz, dass die steigenden Staatsausgaben im neuen Jahr die Wirtschaft ankurbeln werden“, so Dullen.
Die positive Entwicklung des Auftragseingangs im Verarbeitenden Gewerbe im Dezember 2025 ist laut Destatis zu einem großen Teil auf die deutlichen Anstiege bei der Herstellung von Metallerzeugnissen (saison- und kalenderbereinigt +30,2 % zum Vormonat) und im gewichtigen Maschinenbau (+11,5 %) zurückzuführen. „In diesen beiden Wirtschaftszweigen meldete eine Reihe von Betrieben aus unterschiedlichen Bereichen Großaufträge“, so das Amt. „Die Anzeichen auf eine konjunkturelle Bodenbildung für den Maschinen- und Anlagenbau in Deutschland verdichten sich. Das zeigt sich in der Auftragsstagnation auf Jahressicht sowie insbesondere in den wachsenden Bestellungen im vierten Quartal“, so VDMA-Chefvolkswirt Johannes Gernandt.
Maschinenbau treibt industrielle Innovationen voran

Konstruktion von Gasturbinen bei der Siemens AG in Berlin. Blick in die Montagehalle. Der Maschinenbau galt immer schon als industrieller Motor für die Exportnation Deutschland. Derzeit nährt seine Erholung die Hoffnng auf einen Aufschwung. Foo: picture alliance / Ulrich Baumgarten
Angesicht der aktuellen Innovationserhebung des ZEW Mannheim sagte Hartmut Rauen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des VDMA: „Der Innovationsmotor Maschinenbau dreht auf und erreicht bei den Innovationsausgaben ein Rekordniveau. Im Jahr 2024 sind die Aufwendungen auf 19 Mrd. € gestiegen – ein überdurchschnittlicher Zuwachs von knapp 7 % im Vergleich zum Vorjahr“. Auch für die Jahre 2025 und 2026 planten die Unternehmen zum Erhebungszeitraum weiter mit Innovationsausgaben auf diesem Rekordniveau. Angesichts der anhaltenden wirtschaftlichen Krise und mannigfacher standortpolitischer Bremsklötze sei das „beachtlich“.
Innovationsstärke gilt aufgrund der globalen Neuaufstellung für die Exportnation Deutschland als einer der Garanten für die weitere Wettbewerbsfähigkeit. Von daher sind die positiven Zahlen des deutschen Maschinenbaus eine beruhigendes Signal. „Zugelegt haben wir laut ZEW auch bei der Innovationsintensität, also dem Anteil der Innovationsausgaben am Umsatz“, so Rauen. Die habe von 5,4 % auf 5,7 % zugelegt – trotz der Krise der letzten Jahre. „Gleiches trifft zu auf den Umsatz mit Produktinnovationen“, so Rauen; der stieg um einen Prozentpunkt auf 16 %.
Industrie: Auslandsgeschäft gestiegen
Laut Destatis hätten auch die Auslandsaufträge zugelegt, im Dezember 2025 um 5,6 %. Dabei fielen die Aufträge aus der Eurozone um 0,6 % und die Aufträge von außerhalb der Eurozone nahmen um 9,7 % zu. Auch das ein positives Zeichen, dass Produkte Made in Germany weiterhin gefragt sind.
Das ist ein gegenläufiger Trend zur Jahreslage 2025, die der VDMA herausgab: Zwar habe Maschinenbauindustrie in Deutschland das Jahr 2025 mit Auftragsbüchern auf Vorjahresniveau abgeschlossen – unterm strich ein „reales Nullwachstum der Bestellungen im Vergleich zum Vorjahr“. Die positiven Beiträge seien dabei aus dem Euro-Ausland gekommen (+7 %). „Die Bestellungen aus dem Inland (-1 %) und aus dem Nicht-Euro-Ausland (-2 %) waren im Gesamtjahr 2025 dagegen rükläufig.
Industrie: Stimmung im Maschinenbau steigt
Insgesamt hat sich die Stimmung im Maschinen- und Anlagenbau zuletzt leicht aufgehellt. Laut der im Januar durchgeführten VDMA-Konjunkturerhebung hätten knapp 30 % der insgesamt 962 Unternehmen die aktuelle Lage als „sehr gut“ oder „gut“ bewertet. Weniger als ein Viertel der Unternehmen (24 %) gibt dagegen das Urteil „schlecht“ oder „sehr schlecht“ ab . Fast jedes dritte Unternehmen (30 %) ist optimistisch mit Blick auf das nächste halbe Jahr.
„Es bewerten mehr Unternehmen die aktuelle Geschäftslage als positiv im Vergleich zu den negativen Einschätzungen. Zuletzt war dies im Frühjahr 2024 der Fall. Das ist ein hoffnungsvolles Zeichen – mehr jedoch nicht“, so VDMA-Chefvolkswirt Gemandt. Die Unsicherheit bleibe hoch, die Stimmung auch mit Blick auf die fragile Entwicklung in zentralen Kundenbranchen und Absatzregionen angespannt. Dennoch bleiben die positiven Stimmungsaufheller, die die EU-Handelsabkommen mit Indien und Südamerika geschlossen haben.
Die kommende Hannover Messe dürfte ein erster Test sein: die Stimmung bei den Ausstellern ebenso wie die Anzahl und Qualität der Besucherinnen und Besucher.
Mit Material von dpa
Quellen: dpa, VDMA, Destatis
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