Pläne der neuen Bundesregierung 11.04.2025, 16:00 Uhr

Aktivrente: Hohe Freibeträge und Rente um bis zu 6 % pro Jahr steigern

CDU/CSU und SPD haben sich auf die Einführung einer Aktivrente geeinigt. So viel können Rentner damit sparen, wenn sie berufstätig bleiben.

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Mit 66 Jahren ist noch lange nicht Schluss. Die Aktivrente soll Anreize für eine Berufstätigkeit über das Renteneintrittsalter hinaus schaffen.

Foto: panthermedia.net / photographee.eu

Als ein Mittel gegen den Fachkräftemangel haben sich CDU/CSU und SPD in ihrem Koalitionsvertrag auf die Einführung einer Aktivrente geeinigt. Wörtlich heißt es: „Wer das gesetzliche Rentenalter erreicht und freiwillig weiterarbeitet, bekommt sein Gehalt bis zu 2000 € im Monat steuerfrei.“

Dieses Vorhaben muss erst noch in ein Gesetz formuliert und dieses wiederum von Bundestag und Bundesrat beschlossen werden, doch die Regel könnte schon im kommenden Jahr in Kraft treten. Für Menschen, die kurz vor dem Renteneintrittsalter stehen, gilt es jetzt also abzuwägen: Lohnt es sich, ein paar Jahre länger zu arbeiten und dafür 24.000 € im Jahr steuerfrei zu beziehen? Oder ist Ihnen die Freizeit im Ruhestand wichtiger als ein bisschen mehr Geld?

Die Antwort auf diese Frage hängt nicht unwesentlich davon ab, wie viel Geld Sie durch die Aktivrente tatsächlich zusätzlich verdienen können. Länger als bis zur Regelaltersgrenze zu arbeiten, hat auch jetzt schon Vorteile, die mit der neuen Aktivrente kombiniert werden. Sie verdienen dabei auf drei Arten Extra-Geld:

  • Durch die Aktivrente selbst sparen Sie Steuern. So wie es im Koalitionsvertrag formuliert ist, würde sich Ihr zu versteuerndes Einkommen um 2000 € pro Monat, also 24.000 € pro Jahr reduzieren. Das ist enorm. Wenn Sie bedenken, dass das durchschnittliche Einkommen in Deutschland vergangenes Jahr bei rund 52.000 € brutto pro Jahr lag, macht der Freibetrag der Aktivrente fast die Hälfte davon aus.
  • Wer nach Erreichen der Regelaltersgrenze nicht in Rente geht und weiterarbeitet, muss nur noch Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge wie bisher bezahlen. Den Beitrag zur Arbeitslosenversicherung von 1,3 % Ihres Bruttogehalts sparen Sie sich. Er wird somit Ihrem Nettogehalt aufgeschlagen.
  • Wenn Sie keine Rente beziehen, müssen Sie weitere Rentenversicherungsbeiträge bezahlen. Statt weiterer Rentenpunkte bekommen Sie jetzt aber einen Bonus von 0,5 % auf Ihre Rente für jeden Monat, den Sie über die Altersgrenze hinaus noch arbeiten. Pro Jahr sind das also 6 % mehr Rente.

Ein Rechenbeispiel

So weit die Theorie. Nun ein Rechenbeispiel, was das konkret in Euro bedeutet. Dabei gehen wir von einem Arbeitnehmer aus, der 50.000 € brutto im Jahr verdient – also in etwa das Durchschnittseinkommen – und in seinem Arbeitsleben bisher 45 Beitragsjahre zum jeweiligen Durchschnittslohn vorzuweisen hat, also 45 Rentenpunkte besitzt.

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Als Single in Steuerklasse I würde er derzeit rund 7165 € Einkommensteuer pro Jahr bezahlen. Durch die Aktivrente würde sich sein zu versteuerndes Einkommen allerdings auf rund 15.500 € verringern. Das liegt nur noch knapp über dem Grundfreibetrag von 12.096 €, womit sich die Steuerlast auf nur noch 587 € pro Jahr reduziert. Der Beispielrentner würde also allein dadurch 6578 € mehr Geld pro Jahr verdienen.

Der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung liegt aktuell bei 1,3 % des Bruttoeinkommens, in diesem Fall also bei rund 650 € pro Jahr. Diese würden ebenfalls eingespart und dem Nettoeinkommen zugerechnet. Dieses erhöht sich also um 7228 € für jedes Jahr, in dem der Beispielrentner über die Altersgrenze hinaus arbeitet.

Sobald der Beispielrentner dann seinen Ruhestand antritt, erhöht sich seine Rente um 6 % für jedes zusätzliche Arbeitsjahr. Beim aktuellen Stand von 45 Rentenpunkten würde er 1769 € Rente pro Monat bekommen. Für jedes extra gearbeitete Jahr wären es also 106 € mehr pro Monat oder 1274 € mehr Rente pro Jahr. Nach zwei zusätzlichen Arbeitsjahren erhöht sich die spätere Rente also um 2548 €, nach drei Jahren um 3820 € und so weiter.

So sieht es für Sie aus

Wie die Summen für andere Gehaltsklassen aussehen, können Sie der beistehenden Tabelle entnehmen. Die Berechnung geht dabei jeweils davon aus, dass jemand 45 Beitragsjahre hinter sich hat und dabei so viele Rentenpunkte gesammelt hat, wie es dem aktuellen Verhältnis seines Einkommens zum Durchschnitt entspricht. Bei 50.000 € Bruttoeinkommen wären das also die im Beispiel erwähnten 45 Punkte, bei 100.000 € 90 Rentenpunkte und so weiter.

Die Tabelle zeigt, dass die Ersparnis abnimmt, je höher Ihr Bruttogehalt ist. Bei 40.000 € Bruttoeinkommen läge der Einkommensbonus durch die Aktivrente bei rund 13 %, bei 120.000 € sind es nur noch etwa 10 %. Das liegt daran, dass der zusätzliche Freibetrag von 24.000 € pro Jahr einen immer geringeren Anteil Ihres Einkommens ausmacht. Irgendwann landen Sie auch mit der Aktivrente im Spitzensteuersatz. Die Zahlen gelten für kinderlose Singles in Steuerklasse I. Wenn Sie als Paar zusammenveranlagt werden und/oder Kinderfreibeträge geltend machen können, liegen die Boni noch etwas höher. Die Extra-Rente, die Sie sich mit zusätzlichen Arbeitsjahren erwerben, wächst hingegen mit dem Einkommen an, weil sie prozentual berechnet wird und nicht mit einem Pauschalwert wie die Aktivrente.

Ein Beitrag von:

  • Christoph Sackmann

    Christoph Sackmann, geboren 1983 in Dortmund, studierte Geschichte und Soziologie und absolvierte von 2010 bis 2012 ein Volontariat bei Hubert Burda Media an der Journalistenschule in München.

    Davor, währenddessen und danach schrieb er unter anderem für die „WAZ“, die „Neue Westfälische“, „Chip“, den „FOCUS“ und „FOCUS Online“. Zudem entwickelte er das Lifestyle-Magazin „treat“ und leitete ein Jahr lang das Portal „Finanzen100.de“.

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