Kolumne 27.08.2025, 12:00 Uhr

Im Maschinenbau überlebt nur, was unter Druck stark bleibt

Zölle, Kosten, Wettbewerb: Warum nur starke Marken im Maschinenbau auch unter Druck überzeugen.

Donald Trump und Ursula von der Leyen

Die von US-Präsident Trump verhängten Zölle auf Einfuhren in die USA werden immer mehr zur Belastung für deutsche Maschinenbauer. In einem Brief an EU-Kommissionschefin von der Leyen bitten sie um Hilfe. Unser Kolumnist Jürgen Schmid hat da noch eine andere Idee.

Foto: picture alliance /AP Photo/Jacquelyn Martin

In guten Zeiten wirken viele Maschinen souverän. Doch erst im Stress zeigt sich ihre wahre Stärke. Zölle, Handelskonflikte, Kostendruck und neue Wettbewerber sind die Belastungstests, die sofort offenlegen, ob eine Marke trägt oder ins Wanken gerät.

Die Stunde der Wahrheit

Eine Maschine zu konstruieren, die technisch funktioniert, ist heute Standard. Doch die Stunde der Wahrheit schlägt, wenn Kunden entscheiden, ob sie investieren – auch dann, wenn die Bedingungen schwieriger werden. In solchen Momenten reicht Technik allein nicht mehr. Maschinenbauer, die nur über Funktionen argumentieren, geraten schnell in den Preiskampf. Wirklich belastbar sind nur Maschinen und Marken, bei denen strategisches Maschinendesign Effizienz, Klarheit, Innovationskraft und Vertrauen sichtbar macht. Wenn Klarheit stärker wirkt als Kosten.

Ein Beispiel liefert unser Kunde Held Technologie aus Trossingen, ein hoch spezialisierter Hersteller von Hochleistungsdoppelbandpressen. Diese Anlagen werden in Deutschland produziert und auch in die USA exportiert. Die Herausforderung lag auf der Hand: Zölle und Preissteigerungen hätten leicht dazu führen können, dass US-Kunden zurückhaltend reagieren. Doch das Gegenteil trat ein. Der Geschäftsführer Till Held berichtete uns kürzlich: Für die Kunden in den USA gibt es schlicht keine Alternative. Vergleichbare Maschinen sind dort nicht im Angebot. Seine Kunden kaufen deshalb weiterhin und akzeptieren die höheren Preise.

Der entscheidende Punkt: Die neueste Generation der Hochleistungsdoppelbandpressen wurde strategisch gestaltet und in ihrer Wirkung konsequent abgesichert. In der Anwendung überzeugt die Anlage durch Effizienz, Nutzerfreundlichkeit und Robustheit. Die Resonanz war so eindeutig, dass die Geschäftsführung rückblickend sagen konnte: „Wir hatten hohe Erwartungen – und sie wurden übertroffen!“ Dieses Beispiel zeigt: Eine starke Marke wirkt wie ein Brennglas. Sie bündelt Technik und Innovation zu einem Bild, das auch unter Druck Bestand hat. Kunden spüren diese Klarheit sofort – und bleiben überzeugt, selbst wenn Preise steigen oder äußere Faktoren schwieriger werden. In den USA führte genau diese Wirkung dazu, dass nicht nur Bestandskunden kauften, sondern auch neue Interessenten aufmerksam wurden. Der Markt hat die Botschaft verstanden: Hier tritt ein Unternehmen auf, das seine Identität kennt und konsequent lebt.

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Markenwirkung im Stresstest

Unter Druck zeigt sich, ob eine Marke trägt. Wer in guten Zeiten Kompromisse macht, wird in Stresssituationen entlarvt. Wer seine Maschinen konsequent als Träger der Marke versteht, gewinnt Vertrauen, selbst wenn Märkte schwanken. Strategisches Maschinendesign sorgt genau für diese Brennglaswirkung: Es macht die Identität sichtbar, verleiht der Marke Schärfe und Stärke und verhindert, dass sie im Ernstfall zerbricht. Marken, die dieses Fundament nicht haben, verlieren in Stresssituationen ihre Preishoheit. Dann entscheiden nicht mehr Argumente, sondern Rabatte und der Abstieg ins Mittelmaß beginnt.

Gerade in diesen Zeiten wird sichtbar, dass selbst renommierte Hersteller vom Markt verschwinden. Nicht wegen schlechter Technik, sondern weil ihre Marke keine Kraft entfaltet, wenn es ernst wird. Umso bemerkenswerter ist das Beispiel Held: ein Unternehmen, das weltweit seine Hochleistungsdoppelbandpressen verkauft, aber in seiner Struktur ein mittelständisches Familienunternehmen bleibt. Belastbare Marken sind kein Privileg der Großen. Es ist keine Frage riesiger Investitionen, sondern der Klarheit, die richtige Linie zu ziehen und konsequent zu halten. Jetzt ist der Moment zu handeln. Die aktuelle wirtschaftliche Lage ist selbst schon ein Belastungstest. Höhere Zölle, steigende Kosten, unsichere Märkte. Wer heute keine belastbare Marke hat, wird beim nächsten Druck endgültig ins Wanken geraten.

Die Unternehmen, die frühzeitig in strategisches Design investiert haben, stehen heute stabiler da. Sie halten Preise, sichern Margen und wirken als Marktführer auch unter Druck. Die anderen geraten in den Preiskampf. Sie verlieren nicht, weil die Produkte schlecht sind, sondern weil ihre Marke keine Kraft entfaltet, wenn es ernst wird. Und dann ist es zu spät. Märkte verzeihen nicht, wenn Vertrauen einmal verloren ist.

Was im Maschinenbau zählt, wenn es ernst wird

Für Entscheider im Maschinenbau stellt sich deshalb eine zentrale Frage: Ist meine Marke so stark, dass sie auch unter Druck trägt? Denn Märkte ändern sich, Kosten steigen, politische Rahmenbedingungen schwanken. Doch Kunden investieren nicht in die billigste Lösung, sondern in die sicherste. Sie kaufen dort, wo sie spüren: Dieses Unternehmen, diese Maschine verkörpert Verlässlichkeit, Premiumqualität und Zukunftsfähigkeit.

Die eigentliche Frage

Sind Ihre Maschinen und Ihre Marke belastbar genug, um die aktuellen und die kommenden Stresstests zu bestehen? Nicht die Normalität entscheidet über Marktführerschaft, sondern der Moment, in dem es ernst wird.

Ein Beitrag von:

  • Jürgen Schmid

    Jürgen Schmid ist Inhaber von Jürgen Schmid Maschinendesign. Seine Kunden kommen aus der ganzen Welt. Sein Unternehmen ist mit 200 internationalen Awards ausgezeichnet worden. Zu Schmids Innovationen gehören die Erfindung des Mini-Akkuschraubers und d…

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