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Wie bei der Polizei: Alkoholtestgerät für Jedermann misst präzise

28. Juli 2016

Betrunkener als die Polizei erlaubt? Diese Frage lässt sich neuerdings exakt klären: Mit einem Alkoholtestgerät, das die Lübecker Firma Dräger speziell für den privaten Nutzer entwickelt hat. Eine gute oder schlechte Nachricht für den Verkehr?
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Dräger kennt sich aus mit Promille: Seit mehr als sechs Jahrzehnten stattet das Unternehmen die Polizei mit Technik für Alkoholkontrollen aus. Und gewährt nun dem Autofahrer einen Wissensvorsprung. Mit dem Alcotest 3820 kann er vor Fahrtantritt überprüfen, ob er zu tief ins Glas geschaut hat – und den Wagen besser stehen lässt.

„Wer trinkt, sollte nicht fahren“

Das Gerät erinnert optisch an einen Rasierapparat, enthält aber laut Dräger die gleiche elektrochemische Sensortechnologie wie sie von der Polizei verwendetet wird. Der Messwert ist also identisch. Somit kann sich jeder mit dem Alcotest 3820 nach einem Kneipenabend hinsichtlich der Promillegrenze souverän absichern. „Wir meinen, es ist günstiger, sich unser Messgerät für 290 Euro ins Auto zu legen, als es darauf ankommen zu lassen“, sagt Daniel Budde, Marketing-Manager und Ingenieur für Sicherheitstechnik bei Dräger. Die Analyse einer Atemprobe mit dem Alcotest 3820 dauert zwischen drei und zehn Sekunden. „Die genaue und schnelle Messung zeichnet uns gegenüber anderen Messgerätehersteller aus“, betont Budde.

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Geht es nach Dräger-Projektmanager Mirco Spitzbarth gehört der neue Alkoholtester überall dorthin, wo gefeiert wird: „Man kann auch 20 Mundstücke kaufen und zum Beispiel an seine Gäste verteilen, wenn man eine Party hat oder so.“ Automobilverbände hingegen sind entsetzt: „Es kann nicht in Ordnung sein, wenn man selbst die Kontrollfunktion der Polizei übernimmt“, wettert Ulf Evert, ADAC-Sprecher für Schleswig-Holstein. Für ihn gilt pauschal: „Wer trinkt, sollte nicht fahren.“

Seit 1953 wird gepustet

„Pusten Sie bitte hier hinein!“ Diese Aufforderung wird seit Jahrzehnten von vielen gefährdeten Autofahrern gefürchtet: Alkoholkontrolle! 1953 kam mit der Grenze von 1,5 Promille für die absolute Fahruntüchtigkeit das erste Dräger-Alkoholtestgerät in die Streifenwagen der deutschen Polizei. Mehr als 30 Millionen der Röhrchen, die über eine chemische Reaktion eine charakteristische Farbveränderung für die Kontrolle des Alkoholgehaltes erzeugen, hat Dräger produziert.

Im Februar 2016 liefen die letzten 9.000 Glas-Alcotest-Röhrchen in Lübeck vom Band. „Das Röhrchen war mit einem Preis von über fünf Euro pro Stück vergleichsweise teuer“, begründet Spitzbarth diesen Schnitt. „Die Enden des Röhrchens mussten abgebrochen werden, dabei bestand immer eine gewisse Verletzungsgefahr. Und dann musste man noch einen Beutel aufstecken. Alles recht aufwendig.“

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Elektrochemischer Sensor im Inneren

Moderne Atemalkohol-Messgeräte sind mit einem aufsteckbaren Plastikmundstück ausgestattet und verbergen im Inneren einen elektrochemischen Sensor, der den Ethanolgehalt im Atem erfasst. Im Sensor befindet sich eine mit Elektrolyt getränkte Membran, die die Messelektrode und die Gegenelektrode trägt. Dabei sind Elektrolyt und Elektrodenmaterial so gewählt, dass der zu analysierende Alkohol an der Katalysatorschicht der Messelektrode oxidiert. So entsteht mit dem spezifischen Sensorstrom das Kontrollmaß für den Alkoholgehalt.

In den ersten vier Monaten 10.000 Geräte verkauft

Ob nun die Polizei oder der Privatmann selbst einen Alkoholtest durchgeführt. Letztlich spielt das keine Rolle. Am sichersten ist es, das eigene Auto nicht mehr zu benutzen, wenn Alkohol getrunken wurde. Die Zahlen sprechen für sich: 2014 lag die Zahl der alkoholbedingten Unfälle bei 13.612, nahezu jeder 13. Verkehrstote war auf einen Unfall unter Alkoholeinfluss zurückzuführen.

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Offenbar ist aber nicht jeder bereit, komplett auf Alkohol zu verzichten oder das Auto mal stehen zu lassen: In den ersten vier Monaten hat Dräger bereits 10.000 der Alcotests 3820 an den Privatmann oder die Privatfrau gebracht ­ – vor allem in Skandinavien. „Schon das Vorgängermodell haben wir dort 70.000- bis 80.000-mal verkauft“, nennt Dräger-Projektmanager Spitzbarth Zahlen. Das liegt wohl an der dortigen besonders strengen Gesetzgebung im Bezug auf Alkohol im Straßenverkehr.

In Japan wurde sogar ein Fahrradschloss gebaut, das den Alkoholpegel misst und bei zu viel Promille einen Alarm auf das Smartphone des Lebenspartners schickt. Und die Universität Würzburg hat ein Lasersystem entwickelt, das kleinste Spuren von Alkohol in der Luft eines Autos auch während der Vorbeifahrt misst. Der Laser kann zudem in Raffinerien die bei der Destillation von Rohölen entstehenden Gase in Echtzeit analysieren.

 



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