Anzeige

Wenn Pilze Häuser bauen – Myzel als Werkstoff der Zukunft

27. Oktober 2025

Wenn sich im Herbst Pilze durch feuchtes Laub schieben, richtet sich das Interesse vieler Menschen auf die Fruchtkörper. Für Dr. Henrik-Alexander Christ und Dr. Steffen Sydow vom Fraunhofer WKI liegt das eigentliche Forschungsfeld jedoch unter der Erde. Dort bilden Pilze mit ihren fadenförmigen Zellen – den sogenannten Hyphen – ein…
Anzeige
Anzeige


Wenn sich im Herbst Pilze durch feuchtes Laub schieben, richtet sich das Interesse vieler Menschen auf die Fruchtkörper. Für Dr. Henrik-Alexander Christ und Dr. Steffen Sydow vom Fraunhofer WKI liegt das eigentliche Forschungsfeld jedoch unter der Erde. Dort bilden Pilze mit ihren fadenförmigen Zellen – den sogenannten Hyphen – ein dichtes Netzwerk, das als Myzel bezeichnet wird.

Dieses Geflecht besitzt Eigenschaften, die es für die Materialforschung besonders interessant machen. Es kann organische Stoffe zersetzen, sich selbst organisieren und in Form bringen lassen. Die beiden Wissenschaftler erforschen, wie sich diese Fähigkeiten für den Bau und die Entwicklung nachhaltiger Werkstoffe nutzen lassen.

„Die Vielfalt und Biodiversität im Reich der Pilze ist enorm: Pro Pflanzenart kommen in einem Gebiet etwa sechs Pilzarten vor. Bisher wurden jedoch nur etwa zehn Prozent aller Pilzarten auf der Welt entdeckt und beschrieben. Nicht nur viele Pilzarten, sondern auch viele Funktionsweisen des Myzels sind noch unbekannt. Als Chemiker und Materialforscher mit einer zusätzlichen Ausbildung im Bereich Mykologie fasziniert mich die vielfältige Einsatzmöglichkeit von Myzel in Werkstoffen. Wir haben hier die Chance, ökologisch unbedenkliche und recyclingfähige Materialien zu entwickeln und damit Gutes zu bewirken“, erklärt Dr. Henrik-Alexander Christ, Wissenschaftler am Fraunhofer WKI.

Mit Mikroben zum grünen Ethylen – ein Enzym öffnet neue Wege für nachhaltige Kunststoffe

Biologischer Klebstoff mit Potenzial

Das Myzel entsteht, wenn Pilze organische Materialien wie Holzpartikel oder Pflanzenfasern zersetzen. Während dieses Prozesses bildet sich ein dreidimensionales Netzwerk, das zu einer stabilen, selbsttragenden Struktur aushärtet. „Das Myzel hat sozusagen die Funktion eines biologisch gewachsenen Klebstoffs“, fasst Dr. Henrik-Alexander Christ zusammen. Auf diese Weise entsteht ein weiches, schwammartiges Verbundmaterial, das sich in beliebige Formen bringen lässt. Die Forschenden nutzen diese Eigenschaft, um neuartige, vollständig biobasierte Werkstoffe herzustellen – eine Verbindung von Naturstoff und Ingenieurwissen.

Baustoff aus Elefantengras und Pilzmyzel

Im Fraunhofer WKI entstehen derzeit Materialien, die herkömmliche Baustoffe ersetzen könnten. „Durch die Verwendung von organischen Substraten wie Fasern aus Elefantengras können wir Reststoffe nutzen, um einen zu 100 % biobasierten, abbaubaren, nachwachsenden und energiearmen Baustoff herzustellen. Mithilfe verschiedener Verfahren können die gewünschten Eigenschaften und Leistungsmerkmale des Baustoffs, wie Textur, Festigkeit, Elastizität und Faserorientierung, gesteuert und gezielt erzeugt werden“, erläutert Dr. Steffen Sydow, Wissenschaftler am Fraunhofer WKI. Gemeinsam mit Partnern aus Braunschweig wurden bereits erste Anwendungen umgesetzt. So entwickelten die Forschenden Dämmstoffe für Gebäude und gestalteten ein Bühnenbild für das Staatstheater Braunschweig – gefertigt aus mit Myzel durchwachsenen Elefantengrasfasern. Auch Lampenschirme aus heißgepresstem Myzelmaterial kamen dort zum Einsatz.

„Mit den Lampenschirmen konnten wir die Kompetenz des Fraunhofer WKI auf eine weitere Weise unter Beweis stellen. Die pilzartig geformten Schirme bestehen aus teilweise heißgepresstem Myzelmaterial. Es gibt zahlreiche weitere potenzielle Einsatzmöglichkeiten für heißgepresste Myzelmaterialien, an denen wir sehr gern weiterforschen würden“, berichtet Dr. Steffen Sydow.

Birkenholz im Belastungstest – FH Aachen erforscht neue Wege im mehrgeschossigen Holzbau

Forschung zwischen Wissenschaft und Kunst

In der Natur bilden Pilzmyzele weit verzweigte Netzwerke und treten in Symbiose mit Pflanzen. Auch in der Forschung entstehen solche Netzwerke – etwa im Projekt „LuminousNetworks“, das vom Fraunhofer-Netzwerk Wissenschaft, Kunst und Design gefördert wird. „Mit dem Projekt ›LuminousNetworks‹ möchten wir die faszinierenden Möglichkeiten von myzelbasierten Materialien einer breiten Öffentlichkeit nahebringen. Der bildende Künstler Malte Taffner nutzt unser technologisches Know-how, um Skulpturen aus Holzresten und lebendigem Myzel zu erschaffen – bunt schillernd und mit natürlichem Schutzschild. In seiner künstlerischen Auseinandersetzung verknüpft Malte Taffner technologische Innovationen mit aktuellen Fragestellungen im Hinblick auf Diversität und Schutz als Überlebensstrategie für die Natur und soziale Gemeinschaften“, berichtet Dr. Henrik-Alexander Christ.

Neuer Werkzeugstahl L-40 ermöglicht großvolumige Druckgussformen aus dem 3-D-Drucker

Forschung mit Wurzeln

Nachhaltigkeit ist seit der Gründung des Fraunhofer-Instituts für Holzforschung – Wilhelm-Klauditz-Institut (WKI) im Jahr 1946 zentraler Bestandteil der Institutsphilosophie. Der Namensgeber Dr. Wilhelm Klauditz gilt als Pionier der modernen Holzwerkstoffindustrie. Heute forscht das Institut an drei Standorten – Braunschweig, Hannover und Wolfsburg – an der Entwicklung nachhaltiger Werkstoffe, Bauteile und chemischer Verfahren auf Basis nachwachsender Rohstoffe.

Schwerpunkte sind Verfahrenstechnik, Formgebung und Komponentenfertigung mit Biowerkstoffen, biobasierte Bindemittel, Brandschutz, Innenraumluftqualität, Recyclingmethoden und der Einsatz biogener Materialien im Bauwesen und in Fahrzeugen. Nahezu alle entwickelten Verfahren und Produkte finden bereits Anwendung in der Industrie.

Das Fraunhofer WKI leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Aufbau einer biobasierten Kreislaufwirtschaft – und zeigt, dass Innovation im Materialbereich auch dann gelingen kann, wenn man in den Boden schaut, nicht nur auf den Bildschirm.



Ein Beitrag von:

Anzeige
Anzeige

Top Stellenanzeigen

CAD-Konstrukteur (m/w/d)
Boyd Weiler GmbH & Co. KG

13.09.2026
Weiler-Simmerberg
Senior Ingenieur Systemintegration und KI-basierte Performancebewertung (w/m/d)
TransnetBW GmbH

13.09.2026
Stuttgart
Ingenieur Systemführung Operative Betriebsplanung (w/m/d)
TransnetBW GmbH

13.09.2026
Stuttgart
Bauprojektleiter (m/w/d)
Allbau Managementgesellschaft mbH

13.09.2026
Essen
Ingenieur* im Anforderungsmanagement
DFS Deutsche Flugsicherung GmbH

13.09.2026
Langen
Bauingenieur / Bautechniker Kommunaler Tiefbau (m/w/d)
WipflerPLAN Planungsgesellschaft

13.09.2026
Donauwörth, Nördlingen, Pfaffenhofen an der Ilm, Lauf an der Pegnitz
Information Security Manager (all genders)
VINCORION Advanced Systems GmbH

13.09.2026
Wedel
Professur „Wirtschaftsinformatik und Datenbanken mit dem Schwerpunkt IT-Venture-Design, Digital Enterprise und innovativer Lehre in Makerspace-Settings (W2)“
Hochschule Düsseldorf University of Applied Sciences

13.09.2026
Düsseldorf
Senior-Ingenieur Auftragsengineering (m/w/d)
Mehrer Compression GmbH

13.09.2026
Balingen
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Hamm
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Hamm, Münster
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Dillenburg
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Dillenburg
BIM-Manager (w/m/d) Niederlassung Westfalen
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Hamm, Münster, Gelsenkirchen
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Netphen
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Netphen
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Bochum
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Bochum
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Osnabrück
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Osnabrück
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Hagen
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Hagen
Bauleiter (m/w/d) im Bereich schlüsselfertigen Wohnungsbau
SCHEIDL

13.09.2026
Moosburg/Landshut
Projektingenieur Fachplanung Versorgungstechnik (m/w/d)
INGENIEURBÜRO ZAMMIT GmbH

13.09.2026
Achim, Celle, Salzgitter, Wolfsburg
Meister (m/w/d) für die mechanische Fertigung
Montanhydraulik GmbH

13.09.2026
Gelsenkirchen
Bauingenieur (w/m/d)
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Bayreuth

Weitere Artikel



Anzeige
Anzeige