Was Emojis wirklich bedeuten und warum wir sie oft missverstehen😊🤔🥰
05. November 2026

Ein Smiley soll eine Nachricht freundlicher machen. Doch nicht jeder versteht ihn so. Forschende haben untersucht, welche Bedeutungen Menschen in Deutschland mit 107 Gesichts-Emojis verbinden. Eine aktuelle Umfrage zeigt zudem, wie verbreitet Missverständnisse sind.
Ein leichtes Lächeln kann freundlich gemeint sein. Es kann aber auch das Gegenteil ausdrücken. Gerade beim Emoji 🙂 gehen die Meinungen auseinander. Manche verstehen es als nette Geste, andere empfinden es als passiv-aggressiv. Das haben Forschende der Ruhr-Universität Bochum und der Charité Berlin herausgefunden.
Emojis helfen uns dabei, Gefühle auszudrücken, Witze zu kennzeichnen oder einer kurzen Nachricht einen freundlichen Ton zu geben. Allerdings funktioniert das nicht immer. Eine Bitkom-Umfrage vom Juli 2026 zeigt, dass 43 % der Menschen in Deutschland nicht immer verstehen, was einzelne Emojis bedeuten. Und das, obwohl 89 % der Befragten die kleinen Bildzeichen verwenden.
Warum kommt ein und dasselbe Emoji so unterschiedlich an? Und welche Gesichter werden besonders häufig verschickt?
Inhaltsverzeichnis
- Forschende untersuchen 107 Gesichts-Emojis
- Welche Emojis werden am häufigsten verwendet?
- Warum manche Emojis leichter zu verstehen sind
- Warum ein freundliches Lächeln passiv-aggressiv wirken kann
- Was bedeuten die wichtigsten Emojis?
- 89 % der Menschen in Deutschland nutzen Emojis
- Fast jeder Zweite versteht manche Emojis nicht
- Gehören Emojis auch in berufliche Nachrichten?
- Warum Emojis nicht immer sagen, was wir meinen
Forschende untersuchen 107 Gesichts-Emojis
Die Linguistin Prof. Dr. Tatjana Scheffler von der Ruhr-Universität Bochum und Dr. Ivan Nenchev von der Charité Universitätsmedizin Berlin wollten genauer wissen, was Menschen mit den verschiedenen Gesichts-Emojis verbinden.
Für ihre 2024 veröffentlichte Studie untersuchten sie 107 Gesichts-Emojis. Zunächst nahmen 153 Personen an einer Online-Befragung teil. In die Auswertung flossen schließlich die Angaben von 138 Personen ein, deren Erstsprache Deutsch war.
Die Teilnehmenden mussten nicht sämtliche Emojis bewerten. Jede Person bekam eine zufällig zusammengestellte Teilmenge von 21 oder 22 Gesichtern gezeigt. Anschließend sollten die Befragten unter anderem einschätzen, wie vertraut ihnen die Symbole waren, wie eindeutig sie deren Bedeutung fanden und welche Gefühle sie damit verbanden.
Außerdem konnten sie jedes Emoji mit bis zu drei Begriffen beschreiben. „Diese Beschreibungen haben wir mit computerlinguistischen Methoden analysiert“, erklärt Scheffler in einer Pressemitteilung der Ruhr-Universität Bochum vom 19. August 2024.
Die Untersuchung liefert damit mehr als eine Sammlung offizieller Emoji-Bezeichnungen. Sie zeigt, welche Bedeutungen deutschsprachige Menschen tatsächlich mit den Gesichtern verbinden.
Welche Emojis werden am häufigsten verwendet?
Die Forschenden wollten nicht nur wissen, wie Menschen Emojis verstehen. Sie untersuchten auch, welche Gesichter in digitalen Nachrichten besonders oft vorkommen.
Dafür werteten sie mehr als 280 Millionen deutschsprachige Tweets aus dem Jahr 2022 aus. Ergänzend betrachteten sie einen deutlich kleineren Datensatz mit privaten WhatsApp-Nachrichten.
Das Ergebnis dürfte viele nicht überraschen: Besonders beliebt waren lachende Gesichter.
Die drei Spitzenreiter der damaligen Auswertung:
- 😂 – Gesicht mit Freudentränen
- 🤣 – Sich vor Lachen auf dem Boden rollen
- 😉 – Zwinkerndes Gesicht
Deutlich seltener tauchten das entsetzte Gesicht 😦, das Gesicht in Wolken 😶🌫️ und das Gesicht mit gepunkteter Linie 🫥 auf.
Warum manche Emojis leichter zu verstehen sind
Beim Vergleich der Befragung mit den Nachrichtendaten fiel den Forschenden ein Zusammenhang auf: Häufig verwendete Emojis waren den Teilnehmenden meist vertrauter. Bekannte Gesichter wurden zudem tendenziell positiver bewertet und ihre Bedeutung als klarer eingeschätzt.
Komplizierter gestaltete Symbole schnitten bei Bekanntheit und Verständlichkeit dagegen häufig schlechter ab. Auffällig war auch die unterschiedliche emotionale Wirkung. Negative Gesichts-Emojis wurden im Durchschnitt als emotional intensiver empfunden als positive.
„Negative Emojis sind darüber hinaus emotional intensiver als positive“, berichtet Scheffler in der Pressemitteilung der Ruhr-Universität Bochum.
Warum das so ist, lässt sich aus der Untersuchung nicht eindeutig ableiten. Die Forschenden halten es für möglich, dass häufig verwendete positive Emojis mit der Zeit an emotionaler Wirkung verlieren. Nachgewiesen ist diese Erklärung allerdings nicht.
Warum ein freundliches Lächeln passiv-aggressiv wirken kann
Besonders interessant sind die unterschiedlichen Bedeutungen, die Menschen ein und demselben Gesicht zuschreiben.
Das leicht lächelnde Emoji 🙂 ist dafür ein gutes Beispiel. Einige Teilnehmende beschrieben es als freundlich, andere als passiv-aggressiv. Eine Nachricht mit diesem Smiley kann deshalb anders ankommen, als der Absender es beabsichtigt hat.
„Emojis sind im Unicode definiert, aber ihre Verwendung und Interpretation in der Praxis weicht stark von den dort aufgeführten Bedeutungen ab“, erklärt Ivan Nenchev in der Bochumer Pressemitteilung.
Unicode ist der internationale Standard, der unter anderem festlegt, welche Zeichen und Emojis auf digitalen Geräten verwendet werden können. Die standardisierten Namen beschreiben die Zeichen, legen aber nicht fest, wie Menschen sie in jeder Gesprächssituation verstehen müssen.
Beim Gesicht mit Freudentränen 😂 ist die Hauptbedeutung vergleichsweise klar. Es steht meist für Lachen oder etwas Lustiges. Bei anderen Gesichtern sind die Interpretationen deutlich vielfältiger.
Auch der Zusammenhang spielt eine Rolle. Ein Zwinkern kann einen Scherz kennzeichnen, aber ebenso ironisch oder flirtend gemeint sein. Ohne die vorherige Nachricht und das Verhältnis zwischen den Gesprächspartnern lässt sich das nicht immer sicher erkennen.
Was bedeuten die wichtigsten Emojis?
Viele Gesichts-Emojis haben eine verbreitete Grundbedeutung. Daneben können weitere Interpretationen auftreten. Die folgende Tabelle bietet eine Orientierung für häufig verwendete Symbole. Sie ist keine vollständige Wiedergabe der Bochumer Studiendaten und beschreibt keine verbindlichen Bedeutungen.
| Emoji | Häufige Bedeutung | Mögliche weitere Deutung |
| 😂 | Lautes Lachen, etwas sehr lustig finden | Übertreibung, ironisches Lachen |
| 🤣 | Sich vor Lachen kaum halten können | Besonders starke Belustigung |
| 😉 | Zwinkern, Scherz | Ironie, Flirt, Andeutung |
| 🙂 | Freundliches, leichtes Lächeln | Passiv-aggressiver Unterton |
| 😊 | Freundlichkeit, Freude | Dankbarkeit, Zufriedenheit |
| 😍 | Begeisterung, Verliebtheit | Bewunderung |
| 🥰 | Zuneigung, liebevolle Freude | Dankbarkeit, Wertschätzung |
| 😘 | Kuss, Zuneigung | Freundlicher Gruß |
| 😅 | Nervöses Lachen, Erleichterung | Verlegenheit, Unsicherheit |
| 🤔 | Nachdenken | Zweifel, Skepsis |
| 🙄 | Augenrollen, Genervtheit | Ungeduld, Ironie |
| 😬 | Unbehagen, Anspannung | Peinlichkeit, Nervosität |
| 😢 | Traurigkeit | Mitgefühl, Enttäuschung |
| 😭 | Heftiges Weinen | Übertrieben dargestellte Freude oder Rührung |
| 😎 | Coolness, Gelassenheit | Selbstbewusstsein |
| 😇 | Unschuld, gutes Gewissen | Gespielte Unschuld, Ironie |
| 🫥 | Sich unsichtbar fühlen | Rückzug, Verlegenheit |
| 😶🌫️ | Verwirrung, Benommenheit | Unklarheit, gedankliche Abwesenheit |
Entscheidend ist deshalb nicht allein das Symbol. Erst zusammen mit dem Text und der jeweiligen Situation wird deutlich, was jemand ausdrücken möchte. Bei manchen Emojis gelingt das problemlos, bei anderen bleibt die Bedeutung offen.
89 % der Menschen in Deutschland nutzen Emojis
Wie selbstverständlich Emojis inzwischen geworden sind, zeigt eine repräsentative Bitkom-Befragung aus dem Frühjahr 2026. Dafür wurden 1004 Menschen ab 16 Jahren in Deutschland telefonisch befragt. 89 % gaben an, Emojis zu verwenden. 26 % nutzen sie sogar in jeder Nachricht, weitere 36 % in der Mehrzahl ihrer Nachrichten.
Besonders verbreitet sind die Bildzeichen unter jüngeren Menschen. Von den 16- bis 29-Jährigen verwenden 36 % Emojis in jeder Nachricht und weitere 43 % in den meisten Nachrichten.
Unter den Menschen ab 65 Jahren ist die Nutzung deutlich zurückhaltender. In dieser Altersgruppe verzichten 26 % vollständig auf Emojis. Gefragt nach ihren Lieblingsmotiven nannten die Emoji-Nutzenden am häufigsten Lachen und Freude. Danach folgten Herzen und Liebe sowie Handgesten.
Die Ergebnisse sind nicht direkt mit der Bochumer Untersuchung vergleichbar. Während die Forschenden die Bedeutung einzelner Gesichts-Emojis und deren Verwendung in Nachrichtendaten analysierten, fragte Bitkom nach persönlichen Vorlieben und Nutzungsgewohnheiten.
Fast jeder Zweite versteht manche Emojis nicht
Die aktuelle Umfrage macht zugleich deutlich, dass Emojis keineswegs eine Sprache sind, die alle problemlos verstehen. 43 % der Befragten gaben an, dass ihnen die Bedeutung einzelner Emojis nicht immer klar ist. Unter den Menschen ab 75 Jahren waren es sogar 52 %.
„Emojis können Missverständnisse verhindern, oder auch neue schaffen“, erklärt Dr. Sebastian Klöß, Experte für Consumer Technology beim Bitkom, in der Pressemitteilung vom 16. Juli 2026.
Ein Bildzeichen kann einer kurzen Nachricht einen freundlicheren Ton verleihen. Es kann aber auch eine zusätzliche Bedeutung hineinbringen, die der Empfänger anders versteht.
Die Untersuchung aus Bochum liefert dafür eine wissenschaftliche Erklärung: Selbst bei scheinbar einfachen Gesichtsausdrücken können sich die Deutungen unterscheiden. „Es zeigt, dass die Bedeutungen von Emojis nicht trivial und teilweise sogar widersprüchlich sind“, fasst Scheffler die Ergebnisse der Studie in der Mitteilung ihrer Universität zusammen.
Gehören Emojis auch in berufliche Nachrichten?
Privat sind Emojis für viele längst selbstverständlich. Im Berufsleben gehen die Meinungen stärker auseinander. Laut Bitkom finden 39 % der Befragten, dass Emojis dort nichts verloren haben.
Ob ein Smiley passend ist, hängt vor allem davon ab, wer die Nachricht erhält und worum es geht. In einer lockeren Unterhaltung unter Kollegen kann er anders wirken als in einer geschäftlichen E-Mail an einen unbekannten Kunden.
Auch dazu gibt es Untersuchungen und praktische Empfehlungen. Wie sich Bildzeichen auf die Wirkung beruflicher Nachrichten auswirken können, erläutert unser Beitrag „Emojis in E-Mails: Knigge für die Geschäftskommunikation“.
Dass die Bedeutung eines Emojis sogar rechtlich relevant werden kann, zeigt ein Fall vor dem Oberlandesgericht München. Dabei ging es unter anderem um die Auslegung einer WhatsApp-Nachricht und eines verwendeten Smileys. Mehr dazu lesen Sie im Beitrag „Sind WhatsApp-Nachrichten rechtsverbindlich?“.
Gerade bei wichtigen Absprachen sollte deshalb nicht allein ein Emoji vermitteln, ob jemand zustimmt, etwas ablehnt oder eine Aussage ironisch meint.
Warum Emojis nicht immer sagen, was wir meinen
Emojis erleichtern die digitale Verständigung. Sie können einen Scherz erkennbar machen, Zuneigung ausdrücken oder eine kurze Antwort persönlicher erscheinen lassen.
Die Bochumer Untersuchung zeigt aber auch ihre Grenzen. Ein Gesicht, das für den einen freundlich aussieht, wirkt auf den anderen möglicherweise kühl oder sogar spöttisch.
Die aktuellen Bitkom-Zahlen bestätigen, dass solche Unsicherheiten im Alltag weitverbreitet sind. Wer eine Nachricht eindeutig formulieren möchte, sollte deshalb nicht voraussetzen, dass sein Gegenüber jedes Emoji genauso versteht wie er selbst.
Quellen
- Scheffler/Nenchev (2024): Affective, semantic, frequency, and descriptive norms for 107 face emojis – Wissenschaftliche Originalstudie in Behavior Research Methods, mit Methodik, Stichprobe und Ergebnissen.
- Ruhr-Universität Bochum: Was Emojis den Deutschen bedeuten – Pressemitteilung vom 19. August 2024 mit den unverändert übernommenen deutschen Zitaten.
- Bitkom: Freude ist beliebtestes Emoji-Gefühl – Repräsentative Befragung, veröffentlicht am 16. Juli 2026. Quelle der aktuellen Nutzungszahlen und der Zitate von Sebastian Klöß.
- Unicode Consortium: Unicode Emoji, Version 18.0 – Technischer Standard, aktualisiert im August 2026.
































