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Warum schweres Wasser Kleidung zum Stromgenerator macht

13. März 2026

Twistron-Garn-Array in ein handelsübliches Textil eingearbeitet
Forscher der University of Texas at Dallas haben ein Twistron-Garn-Array in ein handelsübliches Textil eingearbeitet, das bei Dehnung die Energiegewinnung aus menschlichen Bewegungen simuliert. Twistrons sind Kohlenstoffnanoröhrchen-Garne, die bei wiederholter Dehnung Strom erzeugen. Foto: University of Texas at Dallas
Neue Studie zeigt: Schweres Wasser verbessert Energy Harvesting in Textilien. Nanogarne erzeugen Strom aus Bewegung und Wärme.
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Die Idee klingt zunächst ungewöhnlich: Kleidung, die Strom erzeugt. Genau daran arbeiten Forschende der University of Texas at Dallas. Ihr Ansatz basiert auf sogenannten Twistrons – speziellen Garnen aus Kohlenstoffnanoröhren, die elektrische Energie liefern, wenn sie gedehnt oder verdreht werden.

In einer aktuellen Studie zeigen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nun, dass sich die Leistung dieser Nanogarne deutlich steigern lässt. Der entscheidende Faktor ist nicht die Faser selbst, sondern die Flüssigkeit, die sie umgibt: schweres Wasser.

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Inhaltsverzeichnis

Nanogarne erzeugen Strom aus Bewegung

Twistrons bestehen aus Garnen aus Kohlenstoffnanoröhren. Diese winzigen Zylinder aus reinem Kohlenstoff sind extrem dünn – etwa 10.000-mal dünner als ein menschliches Haar. Werden sie mechanisch belastet, etwa durch Dehnung oder Verdrehung, verändern sich elektrische Ladungen an ihrer Oberfläche. Dadurch entsteht Strom.

Solche Fasern lassen sich in Stoffe einarbeiten. Das eröffnet Anwendungen im Bereich sogenannter Energy Harvesting-Technologien – Systeme, die kleine Energiemengen aus der Umgebung gewinnen.

Typische Energiequellen sind:

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  • Körperbewegungen
  • Meereswellen
  • Vibrationen
  • Temperaturänderungen

Gerade Bewegungen des Menschen laufen meist mit niedrigen Frequenzen ab. Genau hier liegt eine der größten Herausforderungen: Die Energieausbeute solcher Systeme ist oft begrenzt.

Schweres Wasser erhöht die Energieausbeute

Das Forschungsteam testete daher verschiedene Elektrolyte – also leitfähige Flüssigkeiten, die die Fasern umgeben. Dabei zeigte sich ein deutlicher Effekt, als gewöhnliches Wasser durch schweres Wasser ersetzt wurde.

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Schweres Wasser unterscheidet sich chemisch nur geringfügig von normalem Wasser. Der Unterschied liegt im Wasserstoffatom: Es wird durch Deuterium ersetzt, ein Wasserstoffisotop mit einem zusätzlichen Neutron im Atomkern.

Diese scheinbar kleine Änderung beeinflusst das Verhalten der geladenen Teilchen im Elektrolyten. Laut Studienautorin Dr. Mengmeng Zhang führte das zu einem deutlichen Leistungssprung: „Im Vergleich zu normalem Wasser zeigte das Schwerwasser-System bei niedrigen Frequenzen eine bis zu 2,5-mal höhere elektrische Spitzenleistung.“

Auch die erzeugte Energiemenge pro Dehnungszyklus stieg deutlich. Der Wirkungsgrad der Energieumwandlung erreichte 9,5 %. Für Twistron-Systeme in neutralen Elektrolyten ist das ein sehr hoher Wert.

Warum Deuterium die Leistung verbessert

Der Effekt hängt mit der Beweglichkeit von Ionen im Elektrolyten zusammen. In schwerem Wasser bewegen sich geladene Teilchen langsamer als in normalem Wasser. Das hat einen entscheidenden Vorteil: Elektrische Ladungen bleiben länger an der Oberfläche der Nanoröhren gespeichert.

Der Chemiedoktorand Ishara Ekanayake, Mitautor der Studie, erklärt: „Die Verwendung von Schwerwasser verlangsamt die Bewegung geladener Moleküle und reduziert die Selbstentladung. Dadurch können wir mehr Ladungen auf den Kohlenstoffnanoröhren halten.“

Mehr gespeicherte Ladung bedeutet letztlich mehr elektrische Energie pro Bewegungszyklus.

Intelligente Textilien als Stromquelle

Um den praktischen Nutzen zu zeigen, integrierten die Forschenden Twistron-Garne in ein handelsübliches Textilgewebe. Das Material wurde anschließend wiederholt gedehnt, um menschliche Bewegungen zu simulieren. Die erzeugte Energie reichte aus, um tragbare Elektronik zu versorgen.

Mögliche Anwendungen sind:

  • Sensoren in Kleidung
  • Smartwatches
  • medizinische Wearables
  • elektronische Textilien

Zhang sieht darin eine mögliche Zukunft für tragbare Technologien: „Wir können uns Stoffe der nächsten Generation vorstellen, die kontinuierlich Strom aus alltäglichen Bewegungen erzeugen.“

Energie auch aus Wärme möglich

Die Studie zeigt außerdem eine zweite Anwendung: die Nutzung von Temperaturunterschieden. Die Forschenden kombinierten Twistron-Garne mit einem polymerbasierten künstlichen Muskel. Dieser zieht sich bei Erwärmung zusammen.

Dadurch wird das Nanogarn gedehnt und erzeugt ebenfalls Strom. Solche Systeme könnten Energie aus Umgebungstemperaturen oder industrieller Abwärme gewinnen.

Grenzen und nächste Schritte

Die Technologie befindet sich noch im experimentellen Stadium. Mehrere Fragen sind offen:

  • Kosten von schwerem Wasser
  • Langzeitstabilität der Materialien
  • Skalierbarkeit der Produktion

Das Team arbeitet nun daran, das Elektrolytsystem weiter zu optimieren und die Energieausbeute zu steigern. Sollte das gelingen, könnten künftig Kleidungsstücke entstehen, die selbst Strom liefern – nicht als Ersatz für Batterien, aber als zusätzliche Energiequelle für tragbare Elektronik.

Hier geht es zur Originalpublikation



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