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Bau

Smarte Laternen sollen Energie sparen, doch der Plan hat einen Haken

20. Mai 2026

Mehrspurige Straße mit Beleuchtung bei Dämmerung
Die Helligkeit zu reduzieren, wenn kein Verkehr ist, kann Geld sparen und Lichtverschmutzung reduzieren. Foto: Smarterpix/camaralenta
Städte setzen auf offene Standards für smarte Außenbeleuchtung, um digitale Souveränität, Klimaschutz und Datensicherheit in Smart-City-Projekten zu stärken.
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Anfang 2026 hat die Technische Universität Berlin das Verbundprojekt „IgeL_x“ gestartet. Im Zentrum des vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderten Vorhabens steht die Entwicklung eines offenen, nicht-kommerziellen Kommunikationsstandards für die Außen- und Straßenbeleuchtung. Während bestehende Leuchten und Steuerungen heute oftmals isoliert arbeiten und nicht miteinander kompatibel sind , soll die neue Architektur Komponenten verschiedener Hersteller durchlässig machen.

Inhaltsverzeichnis

Heike Schumacher, Projektkoordinatorin am Fachgebiet Lichttechnik der TU Berlin, fasst die Motivation zusammen: „Ein offener Standard ist die zentrale Voraussetzung dafür, dass Kommunen ihre Beleuchtungsinfrastruktur sicher, effizient und zukunftsfähig weiterentwickeln können. Mit IgeL_x schaffen wir die Basis für das reibungslose Zusammenspiel verschiedener Systeme, weniger Abhängigkeiten und neue kommunale Handlungsspielräume.“

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Hinter dem Vorhaben stehen jedoch weit mehr als rein informationstechnische Fragestellungen. Das Projekt adressiert implizit drei zentrale Konfliktlinien der aktuellen Smart-City-Entwicklung, die für den künftigen Umgang mit kommunaler Infrastruktur prägend sein werden.

Digitale Souveränität vs. Industrie-Oligopol

Bislang scheitern selbst einfache Maßnahmen wie eine bedarfsabhängige Dimmung häufig an Hürden bei der Beleuchtungssteuerung. Vor allem größere Kommunen verzichten auf dynamische Funktionen, da bei zeitversetzten Ausschreibungen meist Leuchten unterschiedlicher Hersteller installiert werden. Die daraus resultierende Abhängigkeit von herstellereigenen Steuerungsservern birgt zudem erhebliche Risiken für die IT-Sicherheit und die Resilienz kritischer Infrastruktur.

Der Ansatz von IgeL_x ist hierbei eine direkte Antwort auf die Marktdynamik: Obwohl es mit Protokollen und Schnittstellen wie DALI, Zhaga oder dem TALQ-Standard bereits etablierte Lösungsansätze für smarte Beleuchtung gibt, sind diese stark von der Industrie getrieben. IgeL_x positioniert sich explizit als nicht-kommerzieller Standard. Hier zeigt sich der Konflikt zwischen den proprietären oder zertifizierungspflichtigen Systemen großer Technologiekonzerne und dem Wunsch der öffentlichen Hand nach echter digitaler Souveränität. Durch die Beteiligung von Anwenderbündnissen wie dem OCA (Open Traffic Systems City Association e. V.) wird der Versuch unternommen, einen echten Vendor-Lock-in aufzubrechen und Hard- sowie Software künftig entkoppelt ausschreiben zu können.

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Klimaschutz vs. Rebound-Effekt bei IoT-Infrastruktur

Eine intelligente Steuerung kann durch konkrete Maßnahmen wie eine bedarfsabhängige Dimmung maßgeblich dazu beitragen, den Energieverbrauch der Beleuchtung zu senken und unnötige Lichtemissionen zu vermeiden. Dadurch kann eine intelligente Straßenbeleuchtung einen Beitrag zum Klima- und Immissionsschutz leisten.

Aus technischer Perspektive entsteht hier jedoch ein potenzieller Zielkonflikt: Die Transformation der Straßenlaterne vom einfachen Leuchtmittel zum komplexen IoT-Knotenpunkt erfordert zusätzliche Hardware. Wenn Lichtmasten künftig über umfangreiche Sensorik, lokale Datenvorverarbeitung (Edge-Computing) und ständige Cloud-Kommunikation verfügen, steigt der Grundlast-Stromverbrauch dieser IT-Komponenten. Der Konflikt besteht darin, sicherzustellen, dass die technologisch aufwendige Sensorik die durch adaptive Dimmung gewonnenen Energieeinsparungen nicht durch ihren eigenen Strombedarf (Rebound-Effekt) wieder zunichtemacht.

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Digitale Vernetzung entlang einer Straße

Gemeinwohlorientierte Datenökonomie vs. Überwachungsrisiken

Straßenbeleuchtungsmasten bieten als flächendeckend vorhandene, stromversorgte Infrastruktur ein enormes Potenzial für weitere Smart-City-Anwendungen. Das Projektteam nennt hierbei perspektivisch Anwendungen in der Parkraumbewirtschaftung oder datenbasierte Lösungen zur Vorhersage von Großwetterereignissen. Ziel ist es, mit IgeL_x den Grundstein für ein ,gemeinwohlorientiertes Daten-Ökosystem‘ zu legen.

Dies führt unweigerlich zur dritten Konfliktlinie: der Datengovernance. Wenn Laternen beispielsweise für die Parkraumbewirtschaftung den Straßenrand optisch oder per Radar erfassen, scannen sie permanent den öffentlichen Raum. Dies wirft komplexe datenschutzrechtliche Fragen auf: Wie wird verhindert, dass Kennzeichen oder Passanten systematisch getrackt werden? Und wie lässt sich ein sogenannter ,Function Creep‘ ausschließen – also die schleichende Zweckentfremdung von anonymen Wetter- und Verkehrsdaten zur weitreichenden Überwachung?

Das Forschungsprojekt will dem begegnen, indem es von Beginn an Anforderungen wie Datenkontrolle und IT-Sicherheit in den Fokus rückt und ein Betreiberkonzept entwickelt, das die Zusammenarbeit der Akteure regelt. Wer am Ende die Hoheit über die gesammelten Echtzeitdaten besitzt – städtische Betriebe oder externe Softwareanbieter – wird über den Erfolg dieses gemeinwohlorientierten Ansatzes entscheiden.

Um die Anforderungen aus der Praxis frühzeitig zu integrieren, lädt das Verbundprojekt derzeit Fachleute aus Betrieb, Industrie und Softwareentwicklung dazu ein, sich über eine laufende Umfrage in die Entwicklung des Standards einzubringen.

Hier finden Sie die Umfrage zum IgeL_x-Projekt für intelligente Straßenbeleuchtung.

Hinweis: Dieser Artikel wurde mit Hilfe von künstlicher Intelligenz erstellt.



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