Anzeige

Tintenfisch-Technik für smarte Oberflächen – Material der Zukunft?

28. Juni 2025

Langflossen-Kalmar (Doryteuthis pealeii)
Langflossen-Kalmar (Doryteuthis pealeii) im Tarnmodus: Spezialisierte Hautzellen mit Reflectin-Strukturen ermöglichen es dem Tier, blitzschnell Farbe und Sichtbarkeit zu verändern. Foto: Smarterpix / OceanPhotographer23
Von Tintenfischen inspiriert: Forschende entwickeln intelligente Tarnmaterialien, die ihr Aussehen im sichtbaren und infraroten Bereich verändern.
Anzeige
Anzeige


Ein Forschungsteam der University of California, Irvine, hat in Zusammenarbeit mit dem Marine Biological Laboratory die lichtmanipulierenden Zellen des Langflossen-Küstentintenfischs detailliert untersucht. Dabei identifizierten sie eine spezielle innere Struktur aus Reflectin-Protein, die als Vorbild für ein intelligentes Tarnmaterial dient. Der entwickelte bioinspirierte Verbundwerkstoff kann seine optischen Eigenschaften sowohl im sichtbaren als auch im infraroten Bereich dynamisch anpassen – und eröffnet neue Möglichkeiten für adaptive Tarnung, Sensorik und smarte Textilien.

Inhaltsverzeichnis

Die Idee: Von der Natur lernen

Tintenfische gelten nicht nur als Meister der Tarnung, sondern auch als Vorbilder für technische Entwicklungen. Ihre Fähigkeit, blitzschnell von transparent auf farbig umzustellen, fasziniert die Wissenschaft seit Jahren. Nun ist es einem interdisziplinären Team gelungen, die Mechanismen hinter diesem Chamäleon-Effekt detailliert zu entschlüsseln – und technisch zu adaptieren.

Anzeige
Anzeige

Forschende der University of California, Irvine, arbeiteten gemeinsam mit dem renommierten Marine Biological Laboratory in Massachusetts an der Frage: Wie verändern Tintenfische ihr Erscheinungsbild so gezielt und schnell? Die Antwort liegt tief im Gewebe ihres Mantels – genauer gesagt in spezialisierten Zellen, den sogenannten Iridophoren.

Iridophoren: Reflektoren im Miniaturformat

Iridophoren (auch Iridozyten genannt) sind lichtreflektierende Zellen, die das Aussehen der Tiere gezielt beeinflussen. Sie enthalten komplex angeordnete Strukturen aus einem Protein namens Reflectin. Diese Proteinsäulen wirken wie sogenannte Bragg-Reflektoren – ein Begriff aus der Physik, der beschreibt, wie bestimmte Strukturen Licht selektiv je nach Wellenlänge reflektieren. So kann der Tintenfisch kontrollieren, ob er Licht durchlässt oder zurückwirft – und dabei seine Farbe und Sichtbarkeit verändern.

Die Forschenden entdeckten, dass diese Reflectin-Säulen eng gewunden und sinusförmig verlaufen – eine komplexe Geometrie, die gezielt den Brechungsindex des Gewebes verändert. Der Brechungsindex beschreibt, wie stark Licht in einem Material abgelenkt wird. Diese kontrollierte Ablenkung sorgt für gezielte Farbeffekte oder Transparenz.

Anzeige
Anzeige

Blick ins Zellinnere – mit Holotomographie

Um diese Prozesse sichtbar zu machen, nutzte das Team eine moderne Mikroskopietechnik namens Holotomographie. Dabei wird Licht mit geringer Intensität durch die Probe geschickt, um eine dreidimensionale Brechungsindexkarte zu erstellen. Das Ergebnis: Die inneren Strukturen der Iridophoren konnten erstmals als komplette 3D-Modelle dargestellt werden – inklusive der gewundenen Reflectin-Plättchen.

„Die Holotomographie nutzte den hohen Brechungsindex von Reflectin-Proteinen, um sinusförmige Verteilungen in den Iridophorzellen von Tintenfischen sichtbar zu machen“, erklärte Georgii Bogdanov, Co-Autor der Studie.

Anzeige
Anzeige

Von der Biologie zur Technik: Entwicklung eines Tarnmaterials

Die genaue Analyse inspirierte das Team zur Entwicklung eines eigenen Werkstoffs. Dieser flexible Verbund besteht aus künstlichen nanoskaligen Bragg-Reflektoren, die dem natürlichen Vorbild nachempfunden sind. Ergänzt werden sie durch hauchdünne Metallfilme, die eine Reaktion auch im infraroten Spektrum ermöglichen.

„Diese bioinspirierten Materialien gehen über eine einfache statische Farbkontrolle hinaus“, so Aleksandra Strzelecka, Doktorandin an der UC Irvine. „Sie passen ihr Aussehen im sichtbaren und infraroten Bereich dynamisch an – abhängig von Umweltreizen oder mechanischen Belastungen.“

Das bedeutet: Das Material kann sich strecken, biegen oder auf Temperaturänderungen reagieren – und dabei gleichzeitig Farbe und Wärmesignatur verändern. Möglich wird das durch die gezielte Steuerung des Lichts innerhalb der künstlichen Reflectin-Strukturen.

Potenzial für viele Anwendungen

Die Vision der Forschenden reicht weit über Tarnung hinaus. Denkbar sind smarte Textilien, adaptive Oberflächenbeschichtungen, multispektrale Displays oder auch flexible Sensoren. Besonders spannend: Das Herstellungsverfahren gilt als skalierbar. Erste größere Materialflächen konnten bereits erfolgreich gefertigt werden.

Alon Gorodetsky, der das Projekt an der UC Irvine leitete, sieht langfristige Perspektiven: „Wir haben wahrscheinlich gerade erst begonnen, die Möglichkeiten von durch Kopffüßer inspirierten abstimmbaren optischen Materialien in unserem Labor zu erkunden.“

Auch in Bereichen wie Photovoltaik, Glasfasertechnologie und Lasersystemen könnte das Prinzip zum Einsatz kommen. Denn überall dort, wo Licht gezielt gelenkt oder gefiltert werden soll, bieten diese Strukturen neue Lösungen.

Hier geht es zur Originalmeldung



Ein Beitrag von:

Anzeige
Anzeige

Top Stellenanzeigen

CAD-Konstrukteur (m/w/d)
Boyd Weiler GmbH & Co. KG

13.09.2026
Weiler-Simmerberg
Senior Ingenieur Systemintegration und KI-basierte Performancebewertung (w/m/d)
TransnetBW GmbH

13.09.2026
Stuttgart
Ingenieur Systemführung Operative Betriebsplanung (w/m/d)
TransnetBW GmbH

13.09.2026
Stuttgart
Bauprojektleiter (m/w/d)
Allbau Managementgesellschaft mbH

13.09.2026
Essen
Ingenieur* im Anforderungsmanagement
DFS Deutsche Flugsicherung GmbH

13.09.2026
Langen
Bauingenieur / Bautechniker Kommunaler Tiefbau (m/w/d)
WipflerPLAN Planungsgesellschaft

13.09.2026
Donauwörth, Nördlingen, Pfaffenhofen an der Ilm, Lauf an der Pegnitz
Information Security Manager (all genders)
VINCORION Advanced Systems GmbH

13.09.2026
Wedel
Professur „Wirtschaftsinformatik und Datenbanken mit dem Schwerpunkt IT-Venture-Design, Digital Enterprise und innovativer Lehre in Makerspace-Settings (W2)“
Hochschule Düsseldorf University of Applied Sciences

13.09.2026
Düsseldorf
Senior-Ingenieur Auftragsengineering (m/w/d)
Mehrer Compression GmbH

13.09.2026
Balingen
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Hamm
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Hamm, Münster
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Dillenburg
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Dillenburg
BIM-Manager (w/m/d) Niederlassung Westfalen
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Hamm, Münster, Gelsenkirchen
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Netphen
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Netphen
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Bochum
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Bochum
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Osnabrück
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Osnabrück
BIM-Manager (w/m/d) Außenstelle Hagen
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Hagen
Bauleiter (m/w/d) im Bereich schlüsselfertigen Wohnungsbau
SCHEIDL

13.09.2026
Moosburg/Landshut
Projektingenieur Fachplanung Versorgungstechnik (m/w/d)
INGENIEURBÜRO ZAMMIT GmbH

13.09.2026
Achim, Celle, Salzgitter, Wolfsburg
Meister (m/w/d) für die mechanische Fertigung
Montanhydraulik GmbH

13.09.2026
Gelsenkirchen
Bauingenieur (w/m/d)
Die Autobahn GmbH des Bundes

13.09.2026
Bayreuth

Weitere Artikel



Anzeige
Anzeige