Projekt GalvanoFusion 07.04.2026, 11:30 Uhr

Kernfusion: Deutsche Forscher wollen ein Problem lösen, an dem die Welt bisher scheitert

Wolfram soll die Innenwände von Fusionsreaktoren schützen. Doch das Metall lässt sich nicht in dünnen Schichten auftragen: Bis jetzt hat das kein Labor geschafft. Ein Stuttgarter Forschungsteam will das ändern.

Blick in das Plasmagefäß des Fusionsexperiments ASDEX Upgrade in Garching. Die gesamte Innenwand ist mit metallisch glänzenden Wolfram-Ziegeln ausgekleidet, in der Mitte ragt die zentrale Säule des Tokamaks auf.

Das Innere des ASDEX Upgrade am Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Garching: Die Wände sind mit wolfram-beschichteten Ziegeln ausgekleidet. Sie müssen Belastungen von bis zu 10 MW/qm² standhalten.

Foto: MPI für Plasmaphysik/V. Rohde

Die Innenwände eines Fusionsreaktors müssen Belastungen aushalten, die in der Technik ihresgleichen suchen: Bis zu 10 MW/m² treffen auf die Fläche, die dem über 100 Mio. °C heißen Plasma am nächsten ist. Kein gewöhnliches Material überlebt das. Eines der wenigen, das infrage kommt, ist Wolfram. Sein Schmelzpunkt liegt bei über 3000 °C.

Allerdings ist es schwer zu verarbeiten und selten: Gerade einmal ein Millionstel der Erdkruste besteht daraus. Ganze Bauteile aus dem Metall zu fertigen, wäre weder wirtschaftlich noch praktikabel. Die Lösung liegt in einer dünnen Schutzschicht auf einem einfacher handhabbaren Trägermaterial, wie sie seit Januar das Fraunhofer IPA, das Max-Planck Institut für Plasmaphysik (IPP) und der Spezialelektrolyt-Hersteller IoLiTec im Projekt „GalvanoFusion“ entwickeln.

Warum bisherige Verfahren an Wolfram scheitern

Klassische galvanische Verfahren, wie sie etwa beim Verchromen eingesetzt werden, funktionieren bei Wolfram nicht. Der Grund ist dessen sehr geringe Wasserstoffüberspannung. In wässrigen Elektrolyten wird kein Wolfram abgeschieden, stattdessen entsteht Wasserstoff. „Es existiert weltweit kein Verfahren zur elektrochemischen Abscheidung von reinem Wolfram – weder industriell noch im Labor“, so Projektleiter Andreas Waibel vom Fraunhofer IPA in einer Pressemeldung vom 2. April.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
Technische Universität Graz-Firmenlogo
Professur für Fahrzeugsicherheit mit Fokus auf Einsatz neuer Biomaterialien Technische Universität Graz
Graz (Österreich) Zum Job 
Oncotec Pharma Produktion GmbH-Firmenlogo
Head of Project Engineering (m/w/d) Oncotec Pharma Produktion GmbH
Dessau-Roßlau Zum Job 
Oncotec Pharma Produktion GmbH-Firmenlogo
Projektingenieur (Investitionsprojekte) (m/w/d) Oncotec Pharma Produktion GmbH
Dessau-Roßlau Zum Job 
Oncotec Pharma Produktion GmbH-Firmenlogo
HSE-Manager (m/w/d) Oncotec Pharma Produktion GmbH
Dessau-Roßlau Zum Job 
DYNOS GmbH-Firmenlogo
Leiter Technik (m/w/d) DYNOS GmbH
Troisdorf Zum Job 
Stadt Ratingen-Firmenlogo
Planung / Bauleitung Siedlungswasserwirtschaft (m/w/d) Stadt Ratingen
Ratingen Zum Job 
KLN Ultraschall AG-Firmenlogo
Strategischer Einkäufer im Sondermaschinenbau (m/w/d) KLN Ultraschall AG
Heppenheim (Bergstraße) Zum Job 
Max Bögl Transport und Geräte GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Prozesskoordinator (m/w/d) - Produktionstechnik Max Bögl Transport und Geräte GmbH & Co. KG
Sengenthal Zum Job 
Hochschule Emden/Leer-Firmenlogo
Professur (m/w/d) für Elektrische Energietechnik Hochschule Emden/Leer
Beckhoff Automation GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Technischer Redakteur (m/w/d) für Maschinenbau Beckhoff Automation GmbH & Co. KG
Herzebrock-Clarholz Zum Job 
Hochschule Bielefeld (HSBI)-Firmenlogo
W2-Professur Konstruktionsmethoden in der Mechatronik Hochschule Bielefeld (HSBI)
Bielefeld Zum Job 
Hamburger Hochbahn AG-Firmenlogo
Bauingenieur / Projektingenieur Ingenieurbau (w/m/d) Hamburger Hochbahn AG
Hamburg Zum Job 
RHEINMETALL AG-Firmenlogo
Verstärkung für unsere technischen Projekte im Bereich Engineering und IT (m/w/d) RHEINMETALL AG
deutschlandweit Zum Job 
Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein-Firmenlogo
Bauingenieurin / Bauingenieur (w/m/d) für den Bereich Straßenbau Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein
Kiel, Flensburg, Rendsburg, Itzehoe, Lübeck Zum Job 
Siegfried PharmaChemikalien Minden GmbH-Firmenlogo
Betriebsingenieur Mehrprodukte-Betrieb (w/m/d) Siegfried PharmaChemikalien Minden GmbH
ifp | Executive Search. Management Diagnostik.-Firmenlogo
Geschäftsführung (m/w/d) ifp | Executive Search. Management Diagnostik.
Ruhrgebiet Zum Job 
HYDRO Systems GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Teamlead Shopfloor Service Station Norderstedt (m/w/d) HYDRO Systems GmbH & Co. KG
Norderstedt Zum Job 
GVG Immobilien Service GmbH-Firmenlogo
Projektassistenz (m/w/d) Baumanagement GVG Immobilien Service GmbH
München Zum Job 
Kreis Dithmarschen-Firmenlogo
Brandschutzingenieur/in (m/w/d) Kreis Dithmarschen
Steuler Services GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Projektmanager (m/w/d) Gebäudemanagement und Infrastruktur Steuler Services GmbH & Co. KG
Höhr-Grenzhausen Zum Job 

Der Stuttgarter Forschungsverbund betritt also wissenschaftliches Neuland. Statt wässriger Elektrolyte setzen die Forscher auf wasserfreie Elektrolyte auf Basis ionischer Flüssigkeiten und organischer Lösungsmittel. Damit wollen sie die physikalische Hürde umgehen, an der bisherige Versuche gescheitert sind.

Das IPP in Garching definiert die Anforderungen an die Wolframschichten und prüft sie unter fusionsrelevanten Bedingungen. Das Fraunhofer IPA entwickelt den Beschichtungsprozess mit dem Ziel einer späteren industriellen Skalierung, während IoLiTec das Know-how zur Formulierung der speziellen Elektrolyte beisteuert.

Wolfram-Beschichtungen gibt es schon – aber nicht so

Wolfram kommt in Fusionsanlagen bereits zum Einsatz. Im Plasmagefäß des ASDEX Upgrade am Max-Planck-Institut in Garching sind die Innenwände mit wolframbeschichteten Ziegeln ausgekleidet. Diese Schichten werden allerdings per Plasmaspritzen aufgebracht, wobei geschmolzene Wolframpartikel auf die Oberfläche geschleudert werden.

Die Ergebnisse sind laut den Forschern brauchbar, aber nicht perfekt: Plasmagespritztes Wolfram ist porös und enthält Verunreinigungen. Auch am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) wurden funktional graduierte Wolfram-Stahl-Schutzbeschichtungen entwickelt, die inzwischen industriell gefertigt werden und laut dem Industrieverband Pro-Fusion einen Technologie-Reifegrad (TRL) von 3 erreicht haben. Für den Einsatz in einem kommerziellen Kraftwerk müssten sie aber auf TRL 5 oder höher gebracht werden.

Ein elektrochemisches Verfahren könnte dagegen dichtere, reinere und gleichmäßigere Schichten erzeugen. Darüber hinaus wäre es potenziell einfacher zu skalieren als thermische Verfahren.

Milliarden für die Kernfusion

Die Kernfusion entwickelt sich aktuell zum weltweiten Hype-Thema. Die Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag und im Aktionsplan Kernfusion vom Oktober 2025 das Ziel formuliert, das erste Fusionskraftwerk der Welt in Deutschland zu errichten. Allein in dieser Legislaturperiode will sie dafür über 2 Mrd. € bereitstellen, davon rund 1,7 Mrd. € für Forschungsförderung und bis zu 755 Mio. € aus dem Infrastruktur-Sondervermögen für Technologiedemonstratoren und Forschungsinfrastrukturen.

Weltweit arbeiten laut Aktionsplan rund 53 Unternehmen am Bau eines Fusionskraftwerks, vier davon in Deutschland. Der Industrieverband Pro-Fusion beziffert das bisher eingesammelte private Kapital auf über 9 Mrd. €. Die Regierung sieht sich dabei auch wegen der deutschen Forschungslandschaft auf einem guten Weg. Der Stellarator Wendelstein 7-X in Greifswald soll beispielsweise neue Maßstäbe für den Dauerbetrieb von Fusionsanlagen setzen.

GalvanoFusion wird übrigens im Rahmen des Förderprogramms „Fusion 2040″ des BMFTR finanziert – also jenem Programm, über das der Großteil der neuen Fördermittel fließen soll.

Vom Labor zur Kraftwerkswand

Das Projekt läuft bis Ende 2028. In dieser Zeit soll zunächst der grundlegende Nachweis gelingen, dass sich reines Wolfram elektrochemisch abscheiden lässt – und dass die entstehenden Schichten den extremen Bedingungen in einem Reaktor standhalten.

Gelingt das, wäre dies ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum ersten deutschen Fusionskraftwerk. Denn an der ersten Wand, die mit dem Wolfram beschichtet werden soll, entscheidet sich, ob ein Reaktor dauerhaft und wirtschaftlich betrieben werden kann. Am Ende könnten also ein paar Mikrometer Wolfram darüber entscheiden, ob die Milliardenförderung für Kernfusion erfolgreich war.

Ein Beitrag von:

  • Magnus Schwarz

    Magnus Schwarz schreibt zu den Themen Wasserstoff, Energie und Industrie. Nach dem Studium in Aachen absolvierte er ein Volontariat und war mehrere Jahre als Fachredakteur in der Energiebranche tätig. Seit Oktober 2025 ist er beim VDI Verlag.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.