Anzeige

Erstmals: Neue Folie blockiert Strahlung und Funkwellen zugleich

28. April 2026

Das russische unbemannte Versorgungsraumschiff „Progress 93“, beladen mit Abfall von der Internationalen Raumstation, startet nach siebenmonatigem Andockmanöver
Raumfahrzeuge im Erdorbit sind permanent elektromagnetischer Strahlung und Teilchenbeschuss ausgesetzt – neue Materialien sollen den Schutz künftig effizienter und leichter machen. Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com | Astronaut Provided/Nasa
Eine neu entwickelte Hightech-Folie schirmt erstmals gleichzeitig elektromagnetische Wellen und Neutronenstrahlung ab – dünn, flexibel und vielversprechend für Raumfahrt und Medizintechnik.
Anzeige
Anzeige


In vielen technischen Anwendungen wirken elektromagnetische Felder und ionisierende Strahlung gleichzeitig. In der Praxis ist das ein Problem. Denn beide lassen sich nicht mit denselben Materialien abschirmen. In der Raumfahrt, in kerntechnischen Anlagen oder in der Medizintechnik führt das zu komplexen, oft schweren Schutzsystemen.

Ein Forschungsteam des Korea Institute of Science and Technology (KIST) hat nun ein Material vorgestellt, das genau diesen Zielkonflikt adressiert. Es kombiniert beide Schutzfunktionen in einer einzigen, sehr dünnen Schicht. Noch ist das ein Laborergebnis – aber eines mit klarer Stoßrichtung.

Anzeige
Anzeige

Inhaltsverzeichnis

Zwei physikalisch unterschiedliche Herausforderungen

Elektromagnetische Strahlung – etwa Funkwellen, Mikrowellen oder Licht – wechselwirkt über elektrische Felder mit Materie. Sie lässt sich deshalb vor allem durch leitfähige Materialien abschirmen. Diese reflektieren und absorbieren die Wellen.

Teilchenstrahlung funktioniert anders. Neutronen etwa tragen keine elektrische Ladung. Sie durchdringen viele Materialien nahezu ungehindert und wechselwirken stattdessen direkt mit Atomkernen. Deshalb kommen hier häufig borhaltige Stoffe zum Einsatz, die Neutronen effektiv einfangen.

Diese unterschiedlichen Mechanismen führten bislang zu aufwendigen Mehrschichtsystemen. Das erhöht Gewicht und Komplexität – ein Nachteil, etwa bei Satelliten oder mobilen Geräten.

Anzeige
Anzeige

Eine Folie, zwei Funktionen

Das neue Material soll diese Trennung aufheben. Die Folie ist dünner als ein menschliches Haar. Dennoch erreicht sie laut Messungen eine Abschirmung von bis zu 99,999 % für elektromagnetische Wellen – abhängig von Frequenzbereich und Testaufbau. Gleichzeitig reduziert sie die Neutronenstrahlung um rund 72 %.

Für sich genommen sind beide Effekte bekannt. Entscheidend ist ihre Kombination in einer einzigen, mechanisch flexiblen Struktur.

Anzeige
Anzeige

Materialarchitektur statt Materialmix

Technisch basiert der Ansatz auf zwei Nanostrukturen:

  • Kohlenstoffnanoröhren (CNTs)
  • Bor-Nitrid-Nanoröhren (BNNTs)

Während der Herstellung entstehen verschachtelte Strukturen, bei denen sich beide Komponenten gegenseitig umhüllen. So bildet sich ein homogener Verbund, der beide Schutzmechanismen in einer einzigen Schicht vereint.

Dr. Joo Yong-ho formuliert das so: „Dieses Material stellt ein völlig neues Konzept in der Abschirmtechnologie dar – es ist dünn wie Klebeband und flexibel wie Gummi, blockiert jedoch gleichzeitig sowohl elektromagnetische Wellen als auch Strahlung.“

Mechanik wird zum Vorteil

Neben der Abschirmwirkung zeigt das Material ungewöhnliche mechanische Eigenschaften. Es lässt sich auf mehr als das Doppelte seiner Länge dehnen, ohne die Funktion zu verlieren. Gleichzeitig ist es für den 3D-Druck geeignet.

Das eröffnet neue Möglichkeiten für die Konstruktion. Denn nicht nur das Material selbst, auch seine Form beeinflusst die Wirkung. Versuche zeigen, dass eine Wabenstruktur die Abschirmleistung um bis zu 15 % steigern kann. Der Effekt entsteht durch zusätzliche Streu- und Absorptionspfade innerhalb der Struktur.

Einsatz unter extremen Bedingungen

Das Material bleibt laut Angaben der Forschenden in einem Temperaturbereich von -196 °C bis 250 °C stabil. Damit kommt es grundsätzlich für Anwendungen in extremen Umgebungen infrage – etwa in der Raumfahrt oder in kerntechnischen Anlagen.

Anwendungen – und offene Fragen

Neben Satelliten sehen die Forschenden Einsatzmöglichkeiten in der Medizintechnik, etwa bei Schutzsystemen in der Strahlentherapie. Auch in der Halbleiterfertigung könnte das Material helfen, empfindliche Prozesse besser gegen elektromagnetische Störungen abzuschirmen.

Noch handelt es sich jedoch um ein Forschungsergebnis. Für den praktischen Einsatz sind mehrere Punkte entscheidend:

  • Herstellung großer, homogener Flächen
  • Langzeitstabilität unter Strahlung und Temperaturzyklen
  • Kosten der Nanoröhrenproduktion
  • Integration in bestehende Fertigungsprozesse

Dr. Joo Yong-ho sagt: „Wir planen, die Leistungsfähigkeit durch Optimierung des strukturellen Designs weiter zu verbessern.“lters erforderlich sind. Wir planen, die Leistungsfähigkeit durch Optimierung des strukturellen Designs weiter zu verbessern und die Anwendung in der industriellen Praxis aktiv voranzutreiben.“

Fazit

Das neue Material adressiert ein grundlegendes Problem moderner Technik: die getrennte Abschirmung von elektromagnetischer und Teilchenstrahlung. Die Kombination beider Funktionen in einer ultradünnen, flexiblen Schicht ist physikalisch schlüssig und experimentell belegt.

Ob daraus eine industrielle Lösung entsteht, hängt jedoch weniger von der Idee als von der Umsetzung ab. Erst wenn sich das Material wirtschaftlich herstellen und langfristig stabil betreiben lässt, wird es klassische Abschirmkonzepte tatsächlich ersetzen können.

Hier geht es zur Originalpublikation



Ein Beitrag von:

Anzeige
Anzeige

Top Stellenanzeigen

Bauingenieur (m/w/d) Fachrichtung Tiefbau, Straßenbau oder Siedlungshydrologie
Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH)

21.09.2026
Eutin
Junior Projektingenieur Papierverarbeitung (m/w/d)
Fripa Papierfabrik Albert Friedrich KG

21.09.2026
Miltenberg
Teamleiter (m/w/d) Vertrieb und Kalkulation TGA
LIST AG

21.09.2026
Düsseldorf
Ingenieur:in Explosionsschutz als Fachleiter:in
TÜV NORD CERT GmbH

21.09.2026
Essen
Architekt (m/w/d) mit Schwerpunkt im Bereich Projektmanagement
Stadt Biberach an der Riß

21.09.2026
Biberach
EMSR Techniker (m/w/d)
VESTOLIT GmbH

22.09.2026
Marl
Bauüberwacher (m/w/d) Straßenverkehrsanlagen
Bundesagentur für Arbeit - Vössing Ingenieurgesellschaft mbH

22.09.2026
Stuttgart
Bauingenieur/-in (m/w/d)
Bundesagentur für Arbeit - Landeshauptstadt Stuttgart

22.09.2026
Stuttgart
Technische/r Projektmitarbeiter/in (m/w/d) – Bauwesen / Projektkoordination
Bundesagentur für Arbeit - Dr. Kerner GmbH & Co. KG

22.09.2026
Stuttgart
Ingenieurin / Ingenieur mit Master in Informatik / Elektrotechnik – Beamten- Ausbildung (m/w/d)
Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr

22.09.2026
deutschlandweit
Offizierin / Offizier Anwärter/in – Führungskraft Oberfähnrichmodell mit Bachelor (Master) (m/w/d)
Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr

22.09.2026
deutschlandweit
Ingenieurin / Ingenieur mit Master – Beamten- Ausbildung (m/w/d)
Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr

22.09.2026
deutschlandweit
Teamleitung (w/m/d) Konstruktiver Ingenieurbau
Die Autobahn GmbH des Bundes

22.09.2026
Hamm
Teamleiter (m/w/d) Vertrieb und Kalkulation TGA
LIST Ingenieure GmbH & Co. KG

22.09.2026
Bielefeld
Senior Projektingenieur (m/w/d) – EMSR-Technik – Projektmanagement
REUTERS INGENIEUR GmbH

22.09.2026
Hofheim
Technische*r Angestellte*r (Techniker*in oder Ingenieur*in) Werkstofftechnik, Physiktechnik, Maschinenbau
Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP)

22.09.2026
Garching
Ingenieurin (m/w/d) / Techniker (m/w/d) der Mess- und Regelungstechnik für Gebäudeautomation
Gebäudemanagement Schleswig-Holstein (GMSH)

22.09.2026
Eutin, Lübeck
Leitung Entwicklung (w/m/d) Mechatronische Systeme / Industrielle Sicherheits- und Automatisierungstechnik
Bernstein AG

22.09.2026
Porta Westfalica
Planungsingenieur (w/m/d) und Projektsteuerung – Verkehrsinfrastruktur und Gleisplanung
Ruhrbahn GmbH

22.09.2026
Essen
Gruppenleiter:in Automatisierungstechnik
TraveNetz GmbH

22.09.2026
Lübeck

Weitere Artikel



Anzeige
Anzeige