Neues Material als Glasersatz 20.12.2025, 19:29 Uhr

Energielecks stoppen: Ersetzt Mochi künftig Fensterglas?

Ein neues Nanomaterial isoliert besser als Glas und bleibt transparent. Welche Rolle Mochi für die Fenster der Zukunft spielen kann.

Zwei Mädchen blicken aus dem Fenster

Fenster sind große Energielecks. Ein neues Material aus den USA könnte das ändern – durchsichtig, leicht und stark dämmend.

Foto: Smarterpix / moodboard

Fenster gelten seit Jahrzehnten als energetische Schwachstelle von Gebäuden. Wände lassen sich dick dämmen, Dächer ebenfalls. Doch Fenster müssen transparent bleiben. Genau hier setzt ein neues Material an, das Forschende aus den USA entwickelt haben. Es heißt MOCHI – kurz für Mesoporous Optically Clear Heat Insulator. Die Frage liegt nahe: Könnte dieses Material Fensterglas eines Tages ersetzen oder zumindest grundlegend verändern?

Warum Fenster das Energieproblem verschärfen

Gebäude verursachen weltweit rund 40 % des Energieverbrauchs. Ein großer Teil davon entfällt auf Heizen und Kühlen. Fenster nehmen dabei eine Sonderrolle ein. Sie machen im Schnitt nur etwa 8 % der Gebäudehülle aus, sind aber für rund die Hälfte des Wärmeverlusts verantwortlich. Selbst moderne Zwei- oder Dreifachverglasung kann das Problem nur begrenzen, nicht lösen.

Der Zielkonflikt ist bekannt: Je besser ein Material dämmt, desto schlechter lässt es meist Licht durch. Klassische Dämmstoffe sind opak. Glas ist transparent, leitet Wärme aber vergleichsweise gut weiter. Genau diese Lücke wollen die Forschenden schließen.

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Ein Material, das Licht durchlässt und Wärme stoppt

Das Team um Amit Bhardwaj von der University of Colorado Boulder verfolgt dafür einen Ansatz aus der Materialphysik. Mochi besteht im Kern aus einem Silikongerüst, das von extrem kleinen, gleichmäßig verteilten Luftporen durchzogen ist. Diese Poren haben Durchmesser zwischen 2 und 50 Nanometern.

Das ist entscheidend. Sichtbares Licht hat größere Wellenlängen. Es wird deshalb kaum gestreut oder reflektiert und kann nahezu ungehindert passieren. Wärme hingegen wird durch Teilchenbewegung transportiert. In den winzigen Poren stoßen die Luftmoleküle so häufig an die Wände, dass sie kaum Energie weitergeben können.

Das Ergebnis ist ungewöhnlich: eine Transparenz von über 99 %. Normales Fensterglas kommt auf unter 92 %. Gleichzeitig liegt die Wärmeleitfähigkeit bei etwa 10 Milliwatt pro Meter und Grad Temperaturunterschied. Zum Vergleich: Ruhende Luft, wie sie etwa zwischen Scheiben von Isolierglas eingeschlossen ist, erreicht rund 27 Milliwatt.

Wie aus Tensiden ein Dämmstoff wird

Der Herstellungsprozess erinnert eher an Chemielabor als an Glasfabrik. Die Forschenden setzen Tenside ein – Moleküle, die man auch aus Waschmitteln kennt. Diese ordnen sich in einer Flüssigkeit selbst zu feinen, röhrenförmigen Strukturen an. Silikon lagert sich außen an diese Strukturen an.

In einem späteren Schritt werden Tenside und Lösungsmittel entfernt und durch Luft ersetzt. Zurück bleibt ein extrem leichtes Material, dessen Volumen zu mehr als 90 % aus eingeschlossener Luft besteht. Ivan Smalyukh, Mitautor der Studie, beschreibt die innere Struktur bildhaft als einen „Albtraum für Klempner“.

„Um den Wärmeaustausch zu blockieren, kann man die Wände stark isolieren, aber Fenster müssen transparent sein“, sagt Smalyukh. „Es ist wirklich schwierig, transparente Isoliermaterialien zu finden.“

Warum Aerogele bisher nicht ausreichten

Mochi steht in einer Linie mit Aerogelen. Diese gelten seit Jahren als sehr gute Dämmstoffe und kommen etwa in der Raumfahrt zum Einsatz. Das Problem: Ihre Poren sind zufällig verteilt und unterschiedlich groß. Licht wird dadurch stark gestreut. Aerogele wirken milchig oder trüb und eignen sich kaum für Fenster.

Der neue Ansatz setzt auf Kontrolle. Die Porengrößen liegen bewusst unterhalb der relevanten Lichtwellenlängen. Damit wird Streuung minimiert. Fachleute sprechen hier von einem Übergang zu sogenannten Metamaterialien, bei denen Struktur und Eigenschaften gezielt aufeinander abgestimmt sind.

Ein Kommentar in Science fasst das so zusammen: „Das von Bhardwaj et al. vorgestellte Konzept stellt einen Übergang von herkömmlichen Aerogelen mit ungeordneten Porenstrukturen zu Metamaterialien dar, die mit geordneten Nanostrukturen ausgestattet sind.“

Glasersatz oder Zusatzschicht?

Trotz der vielversprechenden Daten ist Mochi derzeit kein Fensterglas im klassischen Sinn. Aktuell stellen die Forschenden Folien oder Platten mit einer Fläche von bis zu einem Quadratmeter her. Ursache ist der aufwendige Trocknungsprozess. Serienfertigung oder großformatige Scheiben sind noch nicht möglich.

Wahrscheinlicher ist daher ein anderer Weg. Mochi könnte als zusätzliche Schicht auf bestehenden Fenstern eingesetzt werden, etwa auf der Innenseite. Schon wenige Millimeter würden den Wärmeaustausch deutlich reduzieren, ohne die Sicht zu beeinträchtigen. Denkbar sind auch Kombinationen mit heutiger Isolierverglasung.

Ein einfacher Test zeigt das Potenzial: Mit einer nur 5 mm dicken Mochi -Folie lässt sich laut den Forschenden kurzzeitig eine Flamme über der Handfläche halten, ohne dass starke Hitze durchdringt. Für den Alltag ist das kein Anwendungsszenario, verdeutlicht aber die Dämmwirkung.

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Eignet sich nicht nur für Gebäude

Die Forschenden sehen Einsatzmöglichkeiten weit über den Bau hinaus. Genannt werden Gewächshäuser, Tageslichtsysteme oder auch Schutz- und Wärmedämmkleidung. Selbst Anwendungen in der Raumfahrt stehen zur Diskussion, überall dort, wo Transparenz und Isolation zusammenkommen müssen.

Smalyukh denkt zudem an aktive Energiesysteme: „Selbst an einem etwas bewölkten Tag könnte man noch viel Energie gewinnen und diese dann zum Erwärmen von Wasser und Innenräumen nutzen.“ Hier würde Mochi nicht nur Verluste reduzieren, sondern solare Gewinne gezielt nutzbar machen.

Die Hürden bleiben

So klar die physikalischen Vorteile sind, so offen sind die praktischen Fragen. Der Herstellungsprozess ist derzeit langsam. Die Langzeitstabilität unter UV-Strahlung, Feuchtigkeit und mechanischer Belastung muss sich erst zeigen. Auch Brandschutz, Recyclingfähigkeit und Kosten spielen eine Rolle.

Die Forschenden verweisen darauf, dass die eingesetzten Materialien vergleichsweise günstig sind. Ob daraus ein marktfähiges Produkt wird, hängt jedoch von Skalierung und industrieller Umsetzung ab.

Hier geht es zur Originalpublikation

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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