Klimaforschung 27.03.2025, 16:25 Uhr

Wälder könnten als CO2-Speicher teilweise ausfallen

Wälder nehmen jedes Jahr fast 8 Mrd. t CO₂ auf. Doch diese Fähigkeit ist zunehmend gefährdet, wie eine neue Studie des PIK zeigt.

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Wälder nehmen jedes Jahr fast 8 Mrd. t CO2 auf. Doch diese Fähigkeit ist zunehmend gefährdet, wie eine neue Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) zeigt.

Foto: PantherMedia / kwasny222

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts (Destatis) absorbierten die Wälder in Deutschland im Jahr 2021 netto 52,5 Mio. t CO2 – das waren in jenem Jahr 6 % der gesamten Treibhausgasemissionen hierzulande. Weltweit, so das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), hätten Wälder jedes Jahr rund 7,8 Mrd. t des Treibhausgases CO2 aufgenommen – das sei etwa ein Fünftel der menschengemachten Emissionen. Doch ihre Fähigkeit, Kohlenstoff zu speichern, sei zunehmend durch den Klimawandel und menschliche Eingriffe wie Abholzung gefährdet, das zeige eine neue Studie des PIK im Wissenschaftsmagazin Nature Communications.

Das ist wichtig, weil die Fähigkeit der Wälder, CO2 zu binden – der Wald ist eine sogenannte Kohlenstoffsenke –, in die globalen wie länderspezifischen Klimastrategien eingeht. Diese müssten eine möglicherweise abnehmende Fähigkeit der Wälder, CO2 zu binden, berücksichtigen. Andernfalls, so das PIK in einer Mitteilung, könnte das Erreichen der Pariser Klimaziele erheblich schwieriger, wenn nicht unmöglich werden – und deutlich teurer.

Die Klimaschutzfunktion der Wälder wird genau durch den Effekt gefährdet, gegen den sie schützen soll – den Klimawandel

„Wer Klimaschutz auf die lange Bank schiebt, muss mit unverhältnismäßig höheren Kosten rechnen“, erklärt Michael Windisch, Hauptautor der Studie und derzeit Gastwissenschaftler am PIK. Derzeit setzten unsere Klimastrategien darauf, dass Wälder nicht nur erhalten blieben, sondern ihre Fläche sogar zunehme. „Doch angesichts von immer mehr Waldbränden wie in Kalifornien und der anhaltenden Abholzung im Amazonasgebiet ist das ein riskantes Spiel. Zudem gefährdet der Klimawandel selbst die enormen Kohlenstoffspeicher der Wälder“, erläutert Windisch. Würden Maßnahmen zum Schutz und zur Überwachung der Wälder hinausgezögert werden, dann könnte es immer teurer – und möglicherweise unmöglich – werden, das Wegbrechen der CO2-Senke Wald noch durch andere Maßnahmen zu kompensieren.

Das PIK untersuchte, wie denn die Klimaschutzziele auch mit einer geringeren CO2-Aufnahme durch Wälder erreicht werden könnten. Die Forscher analysierten laut PIK, „wie natürliche Störungen und menschliche Eingriffe in Wälder die Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen beeinflussen. Das Forschungsteam verglich eine vorausschauende Klimapolitik mit verschiedenen verzögerten und wenig nachhaltigen Strategien.“

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Fällt der Wald als Klimaschützer aus, wird Nichtstun teurer als ohnehin schon

Würden notwendige Maßnahmen nur fünf Jahren verzögert, würden sich die erforderlichen Maßnahmen zur Kompensation des verlorenen Kohlenstoffs deutlich verschärfen und die Kosten etwa verdoppeln: schnellerer Emissionsabbau im Energiesektor, fast doppelt so viel negative Emissionen. „Am Ende würden die Gesamtkosten erheblich ansteigen und die Wirtschaft fast doppelt so stark betroffen sein wie bei sofortigem Handeln“, so das PIK.

„Es reicht nicht, einfach zu hoffen, dass Wälder intakt bleiben, wenn wir die Erderwärmung begrenzen wollen“, ergänzt Alexander Popp, Leiter des PIK-Labs für Landnutzungswandel und Studienautor. „Neben dem Schutz der Wälder ist eine nachhaltige Landnutzung entscheidend – nicht nur, um die Biodiversität zu erhalten, sondern auch, um massive wirtschaftliche Schäden zu vermeiden und eine lebenswerte Zukunft zu sichern.“ Jürgen Bauhus, der Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirats für Waldpolitik der Bundesregierung, mahnte schon im November 2021 in VDI nachrichten: „Wir müssen uns daher jetzt rasch anpassen, wenn wir nicht wollen, dass die Leistungen des Waldes, die wir alle in Anspruch nehmen, zusammenbrechen.“ Gemeint war damals auch die Klimaschutzfunktion.

Aktuelle Modelle seien möglicherweise zu optimistisch, was die zukünftige CO2-Speicherung in Wäldern angeht, resümiert das PIK. Sie berücksichtigten Störungen nicht ausreichend, überschätzten den Düngeeffekt von CO2 und unterschätzten die Abholzung. „Wälder sind keine unerschöpfliche Ressource. Es ist wichtig, frühzeitig zu erkennen, wenn ihre Speicherfähigkeit nachlässt“, erklärt PIK-Forscher Florian Humpenöder.

Ein Beitrag von:

  • Stephan W. Eder

    Stephan W. Eder ist Technik- und Wissenschaftsjournalist mit den Schwerpunkten Energie, Klima und Quantentechnologien. Grundlage hierfür ist sein Studium als Physiker und eine anschließende Fortbildung zum Umweltjournalisten.

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