Energie- und Klimabilanz 2025 für Deutschland 07.01.2026, 14:00 Uhr

Klimaziel 2025 erreicht – trotzdem Alarmstufe Gelb

Einer Studie zufolge erreicht Deutschland das Klimaziel 2025. Erneuerbare liefern, aber Gebäude und Verkehr bremsen. Wie weiter mit dem Klimaschutz in Deutschland?

Symbolbild Wärmepumpe: Einer Studie zufolge erreicht Deutschland das Klimaziel 2025. Erneuerbare liefern, aber Gebäude und Verkehr bremsen, auch weil die Wärmepumpeninstallationen schwächeln. Foto: Smarterpix / NANCYPAUWELSPHOTO

Symbolbild Wärmepumpe: Einer Studie zufolge erreicht Deutschland das Klimaziel 2025. Erneuerbare liefern, aber Gebäude und Verkehr bremsen, auch weil die Wärmepumpeninstallationen schwächeln.

Foto: Smarterpix / NANCYPAUWELSPHOTO

Schon zu Jahresbeginn war klar: Photovoltaik überholt Braunkohle im Jahre 2025 bei der öffentlichen Stromerzeugung, insgesamt lieferte 2025 den höchsten Beitrag. Die Studie der Agora Energiewende „Die Energiewende in Deutschland: Stand der Dinge 2025“ ordnet das weiter ein. De facto kriecht der Klimaschutz im Schneckentempo voran, auch wenn die aktuellen Ziele pro forma noch erreicht werden.

In diesem Beitrag lesen Sie:

  • warum 640 Mio. t CO2-Äquivalente an Treibhausgasemissionen keine Entwarnung sind
  • welche Sektoren 2025 die Bilanz stützen – und welche sie belasten
  • warum Unsicherheit in der Politik bereits heute Investitionen für Klimaschutzmaßnahmen verhindert
  • welche Stellschrauben 2026 über das 2030-Ziel entscheiden

Problem: Deutschland erreicht Klimaschutzziel 2025 – warum die Erfolgsmeldung eine trügerische Falle ist

Pro forma ist alles in Ordnung: Deutschland hat sein nationales Jahresemissionsziel 2025 erreicht, das bestätigt auch die Studie der Agora Energiewende. Die Emissionen liegen demnach bei 640 Mio. t CO2-Äquivalenten, das sind -1,5 % bzw. 9 Mio. t weniger als 2024.

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Der Absatz klimafreundlicherer Wärmepumpen und Elektroautos zieht an, allerdings laut Agora nicht ausreichend zur Erreichung der Klimaziele. So seien im vergangenen Jahr mit rund 300.000 Stück erstmals mehr Wärmepumpen als Gasheizungen verkauft worden, der Anteil elektrischer Pkw an den Neuzulassungen sei auf knapp ein Fünftel gestiegen. Dabei bremsten aber hohe Investitionskosten. Je kleiner ein Auto sei, desto eher sei ein Verbrenner die günstigere Wahl, erklärt die Denkfabrik.

Das Problem taucht auf, wenn wir in die Zukunft blicken. Die Agora Energiewende warnt, dass die 2030-Marke (Forderung: 65 % weniger gegenüber 1990) bei diesem Tempo der Verringerung der Treibhausgasemissionen außer Reichweite gerät. Ab 2026 müssten im Schnitt pro Jahr 36 Mio. t CO2-Äquivalente weniger emittiert werden – umgerechnet etwa viermal so viel weniger wie von 2024 auf 2025.

Nicht in allen Bereichen sind Daten bereits für das gesamte Jahr 2025 verfügbar. Zum Teil griff Agora Energiewende deshalb auf Hochrechnungen zurück.

Klimaschutzbilanz 2025 Deutschland: Wer liefert und reicht das?

Wie das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg schon am Neujahrstag meldete: Strom und die Energiewirtschaft bleiben der Stabilisator für den Klimaschutz in Deutschland. Wind und Solar werden ausgebaut, ihre Anteile steigen. Es waren 2025 die Nettoquellen für die Strombereitstellung mit den beiden größten Anteilen: Wind mit 27 % und Solar mit 18 % vor Erdgas (16 %) und Braunkohle (14 %). Eine gute Nachricht. Dabei bleibt der Stromverbrauch mit insgesamt 495 TWh auf Vorjahresniveau.

Der Knackpunkt: Sowohl im Wind- als auch im Solarbereich hinkt der Neubau von Anlagen den gesetzlich festgelegten Zielen hinterher. Laut BSW Solar sind 17,7 GW Nennleistung neu hinzugekommen. Rund 20 GW seien nötig gewesen. Es reicht also perspektivisch nicht.

Auch im Gesamtpaket stimmt es nicht: Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen lag 2025 bei 278 TWh, der politische Zielwert bei 346 TWh. Auch wenn Wind an Land in Teilen Rekordzahlen für 2025 verzeichnet – wie der Landesverband Erneuerbare Energien NRW das für Nordrhein-Westfalen betont: Wind hat verglichen mit den Zielkorridoren unzureichende Zubauraten.

Klimaschutzbilanz 2025 Deutschland: Wer bremst?

Gebäude und Verkehr sind die Bremsklötze beim Klimaschutz in Deutschland – 2025 so deutlich, dass „der schleppende Umstieg auf Klimatechnologien in Gebäuden und Verkehr erstmals auf die Gesamtbilanz“ durchschlage, so die Agora Energiewende. Ein kalter Jahresbeginn 2025 trieb den Öl- und Erdgasverbrauch fürs Heizen in die Höhe, die Emissionen steigen entsprechend der Agora-Studie um 3 Mio. t CO2-Äquivalente (+3,2 %).

Im Verkehr sorgt höherer Kraftstoffverbrauch für +2 Mio. t CO2-Äquivalente (+1,4 %). Diese Lücken kann der Klimaschutz nur mit seinem zunehmend defossilisierten Stromsektor dauerhaft nicht mehr schließen. Die Treibhausgasemissionen Deutschlands laufen perspektivisch aus dem Ruder.

Sondereffekte: Warum weniger CO2-Emissionen nicht automatisch mehr Klimaschutz bedeuten

Warum aber sind die Treibhausgasemissionen trotzdem gesunken? Ein relevanter Teil der Minderung kommt aus Sondereffekten wie Konjunktur und Weltmärkten, nicht aus struktureller Transformation. Das ist wie die große CO2-Emissionsminderung durch die Wiedervereinigung: Das Abschalten der ineffizienteren Kraftwerke und Anlagen der ehemaligen DDR brachten deutlich etwas für den Klimaschutz, hatten aber nichts mit Klimaschutzmaßnahmen an sich zu tun.

So ist das derzeit auch, nur nicht so abrupt. Die CO2-Emissionen der deutschen Industrie sinken laut Agora 2025 um 11 Mio. t CO2-Äquivalente (-7,2 %), weil vor allem die energieintensive Produktion generell und wirtschaftlich unter Druck steht. Sascha Samadi vom Wuppertal Institut erinnerte bereits Mitte Dezember laut Science Media Center daran, dass der starke Rückgang der Vorjahre nur „in Teilen auf Klimaschutzmaßnahmen zurückzuführen“ war – etwa den Ökostromausbau. Ein Gutteil habe sich durch Sondereffekte angesammelt, so Samadi. Wenn die Sondereffekte auslaufen und die großen Nachfragesektoren wie Verkehr und Gebäude nicht endlich umschalten beim Klimaschutz, schrumpft der durch die Sondereffekte aufgebaute Puffer schnell.

„Die Spannungen an den Weltmärkten verschärfen den Handlungsdruck: Die deutsche Industrie braucht dringend Impulse für Investitionen in die klimaneutrale Modernisierung ihrer Produktion“, sagt Julia Bläsius, Direktorin von Agora Energiewende Deutschland. „Umso wichtiger ist es, dass sich akute Krisenhilfe, wie der Industriestrompreis, auch langfristig auszahlen kann. Dazu gehört auch die Schaffung grüner Leitmärkte, also einer zuverlässigen Nachfrage nach Grünstahl und emissionsarmem Zement, etwa über Ausgaben des Sondervermögens. Das hilft sowohl der Wettbewerbsfähigkeit als auch dem Klimaschutz.“

Warum Stromimporte den Klimaschutz stärken

„Deutschland ist seit 2023 ein Nettostromimporteur“, weist Samadi auf einen weiteren Sondereffekt hin. „Dass Deutschland also mittlerweile – anders als noch 2021 – mehr Strom aus dem Ausland bezieht, als es Strom ins Ausland verkauft, ist neben dem Ausbau erneuerbarer Energien ein wichtiger Grund, warum in Deutschland weniger Strom aus Gas- und Kohlekraftwerken produziert wurde als noch 2021.“

Dabei wurde gerne viel geklagt wird, wenn der Saldo des grenzüberschreitenden Stromaustausches Deutschland als Nettoimporteur outet. 2025 lag der Saldo um 22,6 % niedriger – bei 21,9 TWh Nettoimport. 6,4 TWh weniger als 2024. Eine Besserung? Der falsche Ansatz: Strom-Nettoimport heißt nicht, dass Deutschland nicht in der Lage wäre, diesen Strom selbst zu erzeugen. Es besagt vielmehr, dass er im europäischen Ausland preiswerter angeboten wird – und da er vor allem hiesigen Strom aus Kohlekraftwerken verdrängt, nutzt das der Klimabilanz.

Es wäre aber auch grob unwirtschaftlich, das nicht zu nutzen. Das gilt vor allem im Hinblick auf die deutsche Industrie, die dringend niedrigere Strompreise braucht. Warum sank aber der Import? Europaweit lagen die Börsenstrompreise höher als 2024, niedrigere Gaspreise begünstigten in Deutschland die heimische Strombereitstellung aus Gaskraftwerken.

Weshalb wirkt politische Unsicherheit schon heute wie ein Emissionsprogramm?

Niklas Höhne, Gründer und Chef des New Climate Institute, wies bereits Mitte Dezember darauf hin, dass allein das Erwartungsmanagement der Bundesregierung ausschlaggebend für den Klimaschutz sein kann, ohne dass sich eine einzige gesetzliche Grundlage ändere. „Jede Investitionsentscheidung ist eine Wette auf die Zukunft. Mit der hohen medialen Präsenz der Pläne der Bundesregierung für weniger Förderung für erneuerbare Energien, Abschwächung der Regeln für Emissionen von Autos, Ersetzen des Gebäudeenergiegesetzes beeinflusst sie schon jetzt Investitionsentscheidungen, bevor überhaupt irgendetwas beschlossen ist.“

So sei der Verkauf von Heizungen (jeglicher Art) 2025 eingebrochen, da Verbraucherinnen und Verbraucher verunsichert sein, wie es mit der Heizungsförderung weitergeht. Zwar will die Bundesregierung das Gebäudeenergiegesetz reformieren, bisher aber liegt nichts vor.

Damit der Klimaschutz in Deutschland auf Kurs bleibe, so Samadi, benötige die Industrie „in besonderem Maße eine ausreichende Planungssicherheit für potenzielle Investitionen in klimafreundliche Produktionsrouten. Denn neue Anlagen in der Industrie haben häufig eine Nutzungsdauer von mehreren Jahrzehnten und sind mit sehr hohen Investitionen verbunden. Das kommende Klimaschutzprogramm sollte daher insbesondere der energieintensiven Industrie zuverlässige Perspektiven für klimafreundliche Investitionen geben.“

Sollten vom kommenden Klimaschutzprogramm der Bundesregierung keine starken neuen Impulse für die Elektrifizierung im Verkehr, im Gebäudesektor und in der Industrie ausgehen und gleichzeitig der Ausbau von Windenergie und Photovoltaik gebremst werden, „so wäre dies ein sicheres Rezept für das Verfehlen der Klimaziele“, mahnte der Wissenschaftler.

Mit Material von dpa

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Ein Beitrag von:

  • Stephan W. Eder

    Stephan W. Eder

    Stephan W. Eder ist Technik- und Wissenschaftsjournalist mit den Schwerpunkten Energie, Klima und Quantentechnologien. Grundlage hierfür ist sein Studium als Physiker und eine anschließende Fortbildung zum Umweltjournalisten.

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