Angriff auf South Pars 20.03.2026, 19:00 Uhr

Iran: Drastische Umweltschäden und neue Gaspreisrisiken

Wie gefährlich ist der Iran-Konflikt für die Umwelt? Angriffe wie der auf South Pars könnte weitreichende Folgen für das Ökosystem haben.

Das Gasfeld South Pars markiert

Der Angriff auf das Gasfeld South Pars markiert eine Eskalation mit weitreichenden energiepolitischen und ökologischen Folgen.

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Foto: picture alliance / abaca | Parspix/ABACA

Mit dem Angriff auf South Pars ist im Krieg gegen den Iran ein Punkt erreicht, der weit über die unmittelbare Zerstörung von Energieinfrastruktur hinausgeht. Das Gasfeld, das der Iran gemeinsam mit Katar nutzt , gilt als das größte der Welt. Es ist nicht nur der zentrale Baustein der regionalen Energieversorgung des Iran.

Ein Angriff auf solche Anlagen wirft immer auch die Frage nach den ökologischen Folgeschäden auf. Dazu zählen Brände, Schadstoffwolken, mögliche Leckagen, Belastungen für Böden und Gewässer sowie nach langfristigen Schäden für Mensch und Umwelt. Und genau dieser Aspekt dürfte in den kommenden Wochen stärker in den Vordergrund rücken, als die erste Marktreaktion an den Börsen. Denn die Folgen könnten beträchtlich sein.

Gesundheitliche und ökologische Folgen

South Pars liegt in einem Küstengebiet am Persischen Golf. Wenn dort Gasinfrastruktur getroffen wird, beschränkt sich der Schaden nicht auf ausgefallene Förderung oder beschädigte technische Anlagen. Schon Brände an Öl- und Gasanlagen setzen große Mengen von Ruß, Feinstaub, Stickoxiden, Schwefeldioxid und weiteren Schadstoffen frei.

Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen warnt mit Blick auf den aktuellen Krieg im Nahen Osten ausdrücklich vor den gesundheitlichen und ökologischen Folgen schwerer Rauch- und Schadstoffbelastungen nach Treffern auf Energieanlagen. Solche Emissionen können lokal Atemwegserkrankungen verschärfen, die Vegetation schädigen und sich je nach Wetterlage über weite Gebiete verteilen.

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Risiko durch unkontrollierte Methan- und Kondensatfreisetzungen

Hinzu kommt bei Gasfeldern wie dem im Iran ein zweites Risiko: unkontrollierte Methan- und Kondensatfreisetzungen. Methan ist als Treibhausgas über kurze Zeiträume deutlich klimaschädlicher als Kohlendioxid. Werden Leitungen, Verdichterstationen oder Verarbeitungsanlagen beschädigt, kann nicht nur Gas verbrannt, sondern auch unverbrannt freigesetzt werden. Wie groß die tatsächliche Umweltlast am Ende ausfällt, hängt vom Ausmaß der Schäden und von der Dauer möglicher Brände ab. Und auch davon, ob es bei einzelnen Anlagen bleibt oder weitere Standorte getroffen werden.

Gesicherte Langzeitdaten liegen naturgemäß noch nicht vor. Doch aus früheren Konflikten ist bekannt, dass Brände in fossiler Infrastruktur über Wochen oder sogar Monate regionale Ökosysteme belasten können.

Moderne Anlage am Meer: So sah das Gasfeld South Pars noch 2015 aus. Foto: picture alliance / dpa | Abedin Taherkenareh
So sah das Gasfeld South Pars noch 2015 aus. Foto: picture alliance / dpa | Abedin Taherkenareh

Die Sorge vor einer Umweltkatastrophe im Iran wächst

Besonders heikel ist die Lage auch wegen der geographischen Nähe zum Persischen Golf. Dort konzentrieren sich nicht nur Förder- und Exportanlagen, sondern auch sensible marine Lebensräume. Größere Brände, Trümmer, Löschwasser, Chemikalien oder austretende Kohlenwasserstoffe können über Abflüsse und Luftdeposition auch Küsten- und Meeresökosysteme treffen.

Euractiv berichtete zuletzt über wachsende Sorgen vor einer Ölkatastrophe im Golf, weil der Konflikt den Schiffsverkehr und damit eine ohnehin stark belastete Region zusätzlich unter Druck setzt. Der Konflikt- und Umweltbeobachter CEOBS zählt inzwischen Hunderte Vorfälle mit potenziellem Umweltrisiko in der Region. Damit wächst die Gefahr, dass aus einzelnen Kriegsschäden eine kumulative ökologische Krise entsteht.

Weiteres Vorgehen im Iran entscheidend

Noch ist offen, ob der Angriff auf South Pars vor allem symbolisch bleibt oder eine neue Eskalationsstufe einläutet, bei der gezielt Energieanlagen ins Visier geraten. Genau davon hängt ab, wie gravierend die Umweltschäden am Ende werden. Denn mit jedem weiteren Treffer auf Ölterminals, Gasfelder, Raffinerien oder Tanklager steigt die Wahrscheinlichkeit großflächiger Luftverschmutzung und zusätzlicher Risiken für Boden und Wasser.

Umweltfolgen von Kriegen sind häufig schwerer zu bilanzieren als militärische Schäden, weil sie zeitverzögert sichtbar werden und sich nicht an Staatsgrenzen halten. Das gilt für Schadstofffahnen in der Atmosphäre ebenso wie für marine Belastungen oder klimawirksame Emissionen.

Preise im Energiesektor werden steigen – überall

Ebenso wichtig ist aus deutscher Sicht die Preisfrage, denn sie ist aus wirtschaftlicher Sicht hoch relevant. Für Deutschland ist nicht nur der Ölpreis wichtig, sondern vor allem die Entwicklung am Gasmarkt. Die EU-Kommission und die Mitgliedstaaten betonten zwar Anfang März, dass es nach den Störungen im Nahen Osten keine unmittelbaren Versorgungsprobleme bei Öl und Gas gebe. Gleichzeitig reagierten die europäischen Gasmärkte aber empfindlich auf jede neue Eskalation im Iran. Reuters berichtete bereits Anfang März von einem starken Anstieg der europäischen Gaspreise infolge des Konflikts; die EU berief daraufhin ihre Koordinierungsgruppe zur Gasversorgung ein.

Für Haushalte in Deutschland zeigt sich der Effekt inzwischen vor allem bei Neuverträgen. Nach Daten von Verivox verteuerten sich die günstigsten Gastarife für Neukunden binnen weniger Wochen deutlich. Das Portal meldete zuletzt rund 9,9 ct/kWh für günstige Angebote mit Preisgarantie. Bestandskunden sind kurzfristig meist besser abgeschirmt, doch der Trend macht deutlich, wie schnell geopolitische Krisen wieder auf den deutschen Energiemarkt durchschlagen können.

Ausmaß der Umweltschäden noch nicht absehbar

Dabei ist die Lage heute anders als in der Hochphase der Energiekrise 2022. Die Bundesnetzagentur bewertet die Versorgungslage weiterhin als stabil und verweist auf laufende Importe, Speicher und die verfügbare Infrastruktur. Auch die Europäische Kommission sieht derzeit keine akute physische Mangellage. Trotzdem ist die Lage in Deutschland angespannt, weil Gaspreisbewegungen im Großhandel rasch auf Beschaffungskosten, industrielle Kalkulationen und über den Strommarkt mittelbar auch auf die Strompreise wirken können.

Das wirkliche Problem liegt jedoch jenseits der Börsenkurven. Die Bombardierung eines Gasfelds wie South Pars ist nicht nur ein Angriff auf einen Energieknotenpunkt. Es ist auch ein Angriff auf Luftqualität, Küstenräume und Klima. Wie schwer die Schäden am Ende sein werden, wird sich erst nach unabhängigen Bewertungen zeigen. Schon jetzt ist aber absehbar, dass die Umweltfolgen des Krieges zu den am meisten unterschätzten Kosten dieses Angriffs und der daraus resultierenden Eskalaition gehören.

Ein Beitrag von:

  • Elke von Rekowski

    Chefredakteurin der VDI energie + umwelt und freie Redakteurin der VDI nachrichten sowie Ingenieur.de, unter anderem für die Themen Elektronik und Telekommunikation. Als langjährige Technikjournalistin arbeitete sie für verschiedene Branchenmagazine und Fachzeitschriften. Außerdem ist sie Mit-Gründerin einer E-Health Nachrichtenplattform.

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