Gravitationswellen 17.07.2026, 06:55 Uhr

Was Schwarze Löcher nach ihrer Kollision über Einstein verraten

Forscher analysieren den Nachhall kollidierter Schwarzer Löcher. Künftige Detektoren könnten damit Einsteins Relativitätstheorie präziser denn je prüfen.

Künstlerische Darstellung der Kollision zweier Schwarzer Löcher

Künstlerische Darstellung der Kollision zweier Schwarzer Löcher beim Ereignis GW250114. Die dabei erzeugten Gravitationswellen wurden von den LIGO-Detektoren der US National Science Foundation registriert.

Foto: Aurore Simonnet (SSU/EdEon), LVK, URI; LIGO Collaboration

Wenn zwei Schwarze Löcher kollidieren, endet das Ereignis nicht mit der Verschmelzung. Das neu entstandene Schwarze Loch ist zunächst stark verformt. Innerhalb kürzester Zeit nähert es sich einem stationären Zustand an. Dabei sendet es rasch abklingende Gravitationswellen aus – eine Art kosmischen Nachhall.

Genau dieser sogenannte Ringdown könnte zu einem der schärfsten Tests für Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie werden. Eine internationale Gruppe von 68 Forschenden hat nun den Stand der Schwarze-Loch-Spektroskopie in einer umfangreichen Übersichtsarbeit zusammengetragen. Der 320 Seiten starke Review ist 2026 im Fachjournal Classical and Quantum Gravity erschienen.

Beteiligt waren unter anderem Forschende der Johns Hopkins University, der Universität Birmingham und des Instituto Superior Técnico in Lissabon. Die Fachleute fassen zusammen, was bereits gemessen werden kann, welche Unsicherheiten bestehen und was die nächste Generation von Gravitationswellendetektoren leisten soll.

Schwarze Löcher schwingen in charakteristischen Moden

Während der Ringdown-Phase schwingt nicht das Schwarze Loch wie ein materieller Körper. Vielmehr verändert sich die gekrümmte Raumzeit um das Schwarze Loch. Dabei entstehen gedämpfte Schwingungen, die als quasinormale Moden bezeichnet werden.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
RHEINMETALL AG-Firmenlogo
Verstärkung für unsere technischen Projekte im Bereich Engineering und IT (m/w/d) RHEINMETALL AG
deutschlandweit Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Verkehrsingenieur (w/m/d) als Teamleitung Verkehrssteuerung und Tunnelüberwachung Die Autobahn GmbH des Bundes
Nürnberg-Fischbach Zum Job 
JET Tankstellen Deutschland GmbH-Firmenlogo
Manager Technical Operations (m/w/d) Energie / Mobilität JET Tankstellen Deutschland GmbH
Hamburg Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Teamleitung (w/m/d) Bauwerksprüfung (Hauptprüfungen) Die Autobahn GmbH des Bundes
Hamm, Münster Zum Job 
Ingenieur- und Sachverständigenbüro Lucchesi-Firmenlogo
Kfz-Prüfingenieur (m/w/d) oder Unterschriftsberechtigter (m/w/d) Ingenieur- und Sachverständigenbüro Lucchesi
Limburg an der Lahn Zum Job 
DSB Säurebau GmbH-Firmenlogo
Montageleiter In- und Ausland (m/w/d) DSB Säurebau GmbH
Königswinter Zum Job 
über EHRENBRECHT Personal- und Projektmanagement-Firmenlogo
Projektleiter / Bauleiter Tiefbau (m/w/d) im Bereich Telekommunikation über EHRENBRECHT Personal- und Projektmanagement
Schwäbisch Hall Zum Job 
EMKA Beschlagteile GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Trainee im Bereich Qualitätssicherung (m/w/d) EMKA Beschlagteile GmbH & Co. KG
Velbert Zum Job 
Höcker Polytechnik GmbH Absaug- und Entsorgungssysteme-Firmenlogo
Projektleiter & Vertriebsingenieur International / Absaug- und Filtertechnik (m/w/d) Höcker Polytechnik GmbH Absaug- und Entsorgungssysteme
deutschlandweit Zum Job 
Steuler Services GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Projekt- und Facilitymanager (m/w/d) Gebäudemanagement und Infrastruktur Steuler Services GmbH & Co. KG
Höhr-Grenzhausen Zum Job 
Firmengruppe Max Bögl-Firmenlogo
Konstrukteur (m/w/d) Firmengruppe Max Bögl
Sengenthal Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) für die Planung von Ingenieurbauwerken Die Autobahn GmbH des Bundes
NEOPERL GmbH-Firmenlogo
Ingenieur / Meister / Techniker (m/w/d) Elektrotechnik / Automatisierungstechnik NEOPERL GmbH
Müllheim Zum Job 
N-ERGIE Aktiengesellschaft-Firmenlogo
Projektplaner Versorgungsnetze Fernwärme (m/w/d) N-ERGIE Aktiengesellschaft
Nürnberg Zum Job 
Mehrer Compression GmbH-Firmenlogo
Applikationsingenieur Verfahrenstechnik (m/w/d) Mehrer Compression GmbH
Balingen Zum Job 
FERNSTEUERGERÄTE Kurt Oelsch GmbH-Firmenlogo
Montageleiter (w/m/d) FERNSTEUERGERÄTE Kurt Oelsch GmbH
Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie (Leibniz-HKI)-Firmenlogo
Projektleiter / Ingenieur (m/w/d) Technisches Gebäudemanagement - Schwerpunkt Versorgungstechnik (HKLS) Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie (Leibniz-HKI)
UKM Universitätsklinikum Düsseldorf Medical Services GmbH-Firmenlogo
Ingenieur (m/w/d) HKLS / Versorgungstechnik UKM Universitätsklinikum Düsseldorf Medical Services GmbH
Düsseldorf Zum Job 
Technische Hochschule Deggendorf-Firmenlogo
Professorin | Professor (m/w/d) für das Lehrgebiet "Nachhaltige Sanierung und Renovierung" Technische Hochschule Deggendorf
Deggendorf Zum Job 
Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH)-Firmenlogo
Bauingenieur (m/w/d) Fachrichtung Tiefbau, Straßenbau oder Siedlungshydrologie Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH)

Jede dieser Moden besitzt eine charakteristische Frequenz und eine bestimmte Abklingzeit. Unter der Annahme, dass das entstandene Schwarze Loch der Kerr-Lösung der Allgemeinen Relativitätstheorie folgt, werden diese Werte allein durch seine Masse und seine Rotation bestimmt. Die Stärke der einzelnen Moden hängt dagegen auch davon ab, wie das Schwarze Loch entstanden und angeregt worden ist.

Das Prinzip ähnelt der Spektroskopie von Atomen oder der Analyse eines Musikinstruments: Ein einzelner Ton liefert bereits Informationen. Mehrere voneinander unabhängige Töne ermöglichen jedoch einen wesentlich strengeren Test.

Zunächst lässt sich aus einer gemessenen Mode auf Masse und Rotation des Schwarzen Lochs schließen. Einsteins Theorie legt damit zugleich fest, welche Frequenzen und Abklingzeiten weitere Moden besitzen müssten. Lassen sich zusätzliche Moden messen, können Forschende prüfen, ob alle Signale zu demselben Schwarzen Loch passen.

Genau darin liegt der Kern der Schwarze-Loch-Spektroskopie. Stimmen die unabhängig gemessenen Moden nicht mit den theoretischen Vorhersagen überein, könnte dies auf eine Grenze der Allgemeinen Relativitätstheorie hinweisen.

Eine solche Abweichung wäre allerdings noch kein Beleg für neue Physik. Zunächst müssten Messfehler, statistische Schwankungen, unvollständige Signalmodelle und Einflüsse aus der Umgebung des Schwarzen Lochs ausgeschlossen werden.

Bislang besteht Einstein jeden Test

Seit dem ersten direkten Nachweis von Gravitationswellen im Jahr 2015 haben die Detektoren der LIGO-Virgo-KAGRA-Kollaboration zahlreiche Verschmelzungen kompakter Objekte registriert. Bei mehreren Ereignissen konnten Forschende auch den Ringdown des entstandenen Schwarzen Lochs untersuchen.

Besonders interessant sind Signale, in denen mehr als eine Schwingungsmode erkennbar ist. Beim Ereignis GW190521 fanden Forschende beispielsweise Hinweise auf zwei unterschiedliche Ringdown-Moden. Deren Frequenzen und Abklingzeiten stimmten mit den Vorhersagen der Allgemeinen Relativitätstheorie überein.

Bislang gibt es keinen belastbaren Ringdown-Befund, der Einsteins Theorie widerspricht. Die Übersichtsarbeit beschreibt deshalb keine bereits entdeckte Abweichung. Sie zeigt vielmehr, wie präzisere Messungen künftig nach solchen Abweichungen suchen könnten.

„Indem wir dem Ausklingen neu entstandener Schwarzer Löcher lauschen, machen wir Gravitationswellen zu einem Werkzeug, um einige der tiefgründigsten Fragen der Physik zu erforschen“, sagt Gregorio Carullo von der Universität Birmingham, einer der Leiter der Übersichtsarbeit.

Mehr als nur Grundtöne und Obertöne

Der Ringdown ist komplexer als eine einfache Folge sauber getrennter Töne. Der Review behandelt unter anderem höhere Schwingungsmoden und Obertöne, Wechselwirkungen zwischen Moden sowie nichtlineare Effekte, die unmittelbar nach der Verschmelzung auftreten können.

Hinzu kommen dynamisch angeregte Moden und lang nachlaufende Bestandteile des Gravitationswellensignals. Auch sogenannte Ausnahmepunkte werden untersucht. Dabei können sich unterschiedliche Moden annähern oder unter bestimmten Bedingungen ungewöhnlich miteinander wechselwirken.

Solche Effekte erschweren die Auswertung. Gleichzeitig enthalten sie zusätzliche Informationen über die Verschmelzung und den entstandenen Überrest. Um sie zuverlässig aus Messdaten herauszulösen, brauchen Forschende allerdings empfindlichere Detektoren und genauere theoretische Modelle.

Neue Observatorien sollen genauer hinhören

Große Erwartungen richten sich auf das geplante Einstein-Teleskop in Europa und den Cosmic Explorer in den USA. Beide bodengebundenen Observatorien sollen Gravitationswellen deutlich empfindlicher messen als die heutigen Anlagen.

Hinzu kommt LISA, eine Weltraummission der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Sie soll vor allem Gravitationswellen mit niedrigeren Frequenzen erfassen, wie sie bei der Verschmelzung sehr massereicher Schwarzer Löcher entstehen.

Mit diesen Observatorien dürften Forschende erheblich mehr Ringdown-Signale mit hoher Signalqualität messen. Mehrere Schwingungsmoden könnten dann nicht mehr nur in einzelnen günstigen Fällen, sondern regelmäßig nachweisbar sein.

Das würde präzisere Aussagen über Masse, Rotation und Entstehungsgeschichte Schwarzer Löcher ermöglichen. Gleichzeitig könnten die Daten genutzt werden, um nach modifizierten Gravitationstheorien, bislang unbekannten Teilchen, Dunkler Materie oder Quanteneffekten nahe dem Ereignishorizont zu suchen.

Noch sind das Forschungsziele, keine Entdeckungen. Bisher hält Einsteins Theorie den Messungen stand. Die nächste Generation von Detektoren könnte den Ringdown jedoch zu einem Präzisionstest machen, wie er sich in keinem Labor auf der Erde durchführen lässt. Schwarze Löcher würden damit zu natürlichen Testfeldern für die Physik unter extremsten Bedingungen.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.