710 Meter Durchmesser und extrem schnell 08.01.2026, 19:17 Uhr

Rotationsrekord im All: Dieser Asteroid trotzt der Fliehkraft

710 Meter Durchmesser und extrem schnell: Asteroid 2025 MN45 stellt die Astronomie vor Rätsel. Er ist einfach zu schnell für einen Geröllhaufen.

Diese künstlerische Darstellung zeigt 2025 MN45 – den am schnellsten rotierenden Asteroiden

Diese künstlerische Darstellung zeigt 2025 MN45 – den am schnellsten rotierenden Asteroiden mit einem Durchmesser von über 500 Metern, den Wissenschaftler jemals gefunden haben.

Foto: NSF–DOE Vera C. Rubin Observatory/NOIRLab/SLAC/AURA/P. Marenfeld

Forschende haben mit dem neuen Vera C. Rubin Observatorium den am schnellsten rotierenden Asteroiden entdeckt, der größer als 500 Meter ist. Das Objekt mit der Bezeichnung 2025 MN45 benötigt nur 1,88 Minuten für eine volle Umdrehung. Diese Geschwindigkeit stellt die physikalische Integrität des Körpers vor Herausforderungen: Er kann kein loser „Geröllhaufen“ sein, sondern muss aus solidem Material mit hoher innerer Festigkeit bestehen.

Rubin entdeckt ein außergewöhnliches Objekt

Die Astronomie stützt sich oft auf lange Beobachtungsreihen. Doch manchmal genügen wenige Stunden, um bestehende Annahmen über unser Sonnensystem herauszufordern. Forschende, die Daten des NSF–DOE Vera C. Rubin Observatoriums auswerten, meldeten nun die Entdeckung eines außergewöhnlichen Objekts. Es handelt sich um den schnellsten bisher beobachteten Asteroiden mit einem Durchmesser von mehr als 500 Metern.

Dieser Fund gelang während einer frühen Testphase des Observatoriums im April und Mai 2025. Das Projekt wird von der US-amerikanischen National Science Foundation (NSF) und dem US-Energieministerium (DOE) finanziert. In nur sieben Nächten erfasste das System Tausende von Asteroiden. Unter diesen identifizierte ein Team 19 Objekte, die extrem schnell rotieren.

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Ein Gigant im Schleudergang

Das auffälligste Objekt trägt die Bezeichnung 2025 MN45. Mit einem Durchmesser von 710 Metern ist es größer als sieben Fußballfelder. Für eine komplette Rotation um die eigene Achse benötigt dieser Gesteinsbrocken lediglich 1,88 Minuten. Für die Astronomie ist dieser Wert eine wichtige Kennzahl. Er gibt Aufschluss über die innere Beschaffenheit und die Entstehungsgeschichte des Körpers.

„Das NSF–DOE Rubin-Observatorium wird Dinge entdecken, von denen niemand wusste, dass man danach suchen muss“, sagt Luca Rizzi, Programmdirektor für Forschungsinfrastruktur bei der NSF. Er ergänzt: „Wenn Rubins Legacy Survey of Space and Time beginnt, wird dieser riesige rotierende Asteroid von einer Lawine neuer Informationen über unser Universum begleitet, die jede Nacht erfasst werden.“

Festes Gestein statt loser Trümmer

Die meisten größeren Asteroiden im Sonnensystem gelten als sogenannte „Geröllhaufen“ (Rubble Piles). Sie bestehen aus Gesteinsstücken und Staub, die lediglich durch die eigene Schwerkraft zusammengehalten werden. Für solche Objekte existiert eine physikalische Grenze: Im Hauptasteroidengürtel liegt das Limit für die Rotationsdauer bei etwa 2,2 Stunden. Dreht sich ein Asteroid schneller, übersteigen die Fliehkräfte die Gravitationskraft. Er würde einfach auseinanderfliegen.

Da 2025 MN45 dieses Limit deutlich unterschreitet, muss er eine hohe strukturelle Stabilität besitzen. Sarah Greenstreet, Assistenzastronomin am NSF NOIRLab und Leiterin der Studie, erklärt dazu: „Dieser Asteroid muss eindeutig aus einem Material bestehen, das eine sehr hohe Festigkeit aufweist, damit er bei seiner rasanten Rotation in einem Stück bleibt.“ Die Berechnungen des Teams zeigen, dass eine Kohäsionsfestigkeit nötig ist, die festem Gestein entspricht. Dies widerspricht der gängigen Annahme, dass fast alle großen Objekte in dieser Region nur lose Trümmerhaufen sind.

Die Technik hinter der Entdeckung

Der Erfolg dieser Beobachtung basiert auf der technischen Ausstattung des Rubin-Observatoriums in Chile. Herzstück ist die LSST-Kamera, die größte Digitalkamera der Welt. Sie ermöglicht es, alle 40 Sekunden ein neues Bild aufzunehmen und so den Himmel in einer hohen zeitlichen Auflösung zu scannen.

„Die Investition des Energieministeriums in die Spitzentechnologie des Rubin-Observatoriums, insbesondere in die LSST-Kamera, erweist sich als unschätzbar wertvoll“, sagt Regina Rameika, stellvertretende Direktorin für Hochenergiephysik im Energieministerium. Sie betont, dass solche Entdeckungen ein direktes Ergebnis der Fähigkeit sind, hochauflösende Daten im Zeitbereich zu liefern.

Neue Einblicke in den Hauptgürtel

Bisher fanden Astronominnen und Astronomen extrem schnelle Rotatoren vor allem in Erdnähe (Near-Earth Objects, NEOs). Im Hauptgürtel zwischen Mars und Jupiter sind solche Entdeckungen seltener. Das liegt nicht an ihrer Abwesenheit, sondern an der Entfernung. Die Objekte dort sind lichtschwächer und schwerer zu erfassen.

Mit Ausnahme eines Objekts befinden sich alle 19 neu entdeckten schnellen Rotatoren im Hauptgürtel. Das Team um Sarah Greenstreet fand neben 2025 MN45 weitere bemerkenswerte Körper:

  • 2025 MJ71: Rotationszeit 1,9 Minuten
  • 2025 MK41: Rotationszeit 3,8 Minuten
  • 2025 MV71: Rotationszeit 13 Minuten

Diese Daten stammen aus lediglich zehn Beobachtungsstunden. Aaron Roodman, stellvertretender Leiter von LSST und Professor am SLAC, sieht darin nur den Anfang: „Die Fähigkeit, in so kurzer Zeit Tausende neuer Asteroiden zu finden und so viel über sie zu erfahren, ist ein Fenster zu dem, was während der zehnjährigen Untersuchung entdeckt werden wird.“

Ausblick auf die Zehnjahres-Mission

In wenigen Monaten startet die Hauptmission des Observatoriums, der „Legacy Survey of Space and Time“ (LSST). Zehn Jahre lang wird das System den südlichen Sternenhimmel systematisch kartieren. Die Forschenden erwarten, dabei eine Vielzahl weiterer schneller Rotatoren zu identifizieren.

„Wie diese Studie zeigt, ermöglicht uns Rubin bereits in der frühen Phase der Inbetriebnahme die Untersuchung einer Population relativ kleiner, sehr schnell rotierender Asteroiden im Hauptgürtel, die zuvor nicht erreichbar waren“, fasst Sarah Greenstreet zusammen. Die gewonnenen Daten werden dabei helfen, die Kollisionsgeschichte und die Materialeigenschaften dieser primitiven Himmelskörper besser zu verstehen.

Hier geht es zur Originalpublikation

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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