Kosmischer Schneemann 06.01.2025, 17:00 Uhr

Geburt des Pluto: Neue Studie stellt bisherige Theorien infrage

Neue Forschung enthüllt: Pluto und Charon entstanden durch eine einzigartige Kollision. Erkenntnisse revolutionieren die Sicht auf Himmelskörper.

Pluto und Charon

Dieses Foto von Pluto und seinem Mond Charon wurde am 14. Juli 2015 von der Sonde New Horizons aufgenommen. Die Geburt des Duos verlief scheinbar anders, als bisher angenommen.

Foto: NASA/JHUAPL/SwRI

Eine neue Studie der University of Arizona stellt bisher das gängige Verständnis über die Entstehungsgeschichte von Pluto und Charon infrage. Statt durch eine übliche Verschmelzung soll das System durch eine einzigartige Kollision entstanden sein, die beide Körper nahezu unversehrt ließ. Die Ergebnisse werfen nicht nur ein neues Licht auf Pluto und Charon, sondern könnten auch auf andere binäre Systeme übertragbar sein.

Ein kosmischer Schneemann als Ursprung?

Vor mehreren Milliarden Jahren ereignete sich eine bemerkenswerte Kollision in den eisigen Randbereichen unseres Sonnensystems. Zwei Welten aus Eis und Gestein stießen zusammen. Anstatt sich in einer katastrophalen Explosion gegenseitig zu zerstören, verschmolzen die beiden Objekte für kurze Zeit zu einem rotierenden, schneemannförmigen Gebilde. Danach trennten sie sich wieder und blieben gravitativ gebunden. So entstanden Pluto und sein größter Mond Charon, wie wir sie heute kennen.

Dieses Szenario, das die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler als „kiss and capture“ (Kuss und Gefangennahme) beschreiben, unterscheidet sich grundlegend von den bisher akzeptierten Modellen. „Die meisten Kollisionsszenarien von Planeten werden als „Zusammenstoß und Flucht“ oder „Streifung und Verschmelzung“ klassifiziert. Was wir entdeckt haben, ist etwas völlig anderes“, erklärte Adeene Denton, NASA-Postdoktorandin und Hauptautorin der Studie. „In unserem Modell kollidieren die Körper, haften kurzzeitig aneinander und bleiben schließlich gravitativ verbunden.“

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
RHEINMETALL AG-Firmenlogo
Verstärkung für unsere technischen Projekte im Bereich Engineering und IT (m/w/d) RHEINMETALL AG
deutschlandweit Zum Job 
Forschungszentrum Jülich GmbH-Firmenlogo
PhD Position - Techno-economic assessment of geothermal plants with material co-production in energy systems Forschungszentrum Jülich GmbH
Jülich Zum Job 
Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein-Firmenlogo
Bauingenieurin / Bauingenieur (w/m/d) für den Bereich Straßenbau Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein
Kiel, Flensburg, Rendsburg, Itzehoe, Lübeck Zum Job 
Siegfried PharmaChemikalien Minden GmbH-Firmenlogo
Betriebsingenieur Mehrprodukte-Betrieb (w/m/d) Siegfried PharmaChemikalien Minden GmbH
Landeshauptstadt Wiesbaden-Firmenlogo
Teamleiter/-in Baugenehmigungsverfahren und Bauüberwachung (w/m/d) Landeshauptstadt Wiesbaden
Wiesbaden Zum Job 
Staatliches Bauamt Nürnberg-Firmenlogo
Projektleiter (m/w/d) / Projektbearbeiter (m/w/d) in der Fachrichtung Elektrotechnik Staatliches Bauamt Nürnberg
Nürnberg Zum Job 
ifp | Executive Search. Management Diagnostik.-Firmenlogo
Geschäftsführung (m/w/d) ifp | Executive Search. Management Diagnostik.
Ruhrgebiet Zum Job 
TenneT TSO-Firmenlogo
Betriebsingenieur Offshore (m/w/d) TenneT TSO
Hannover Zum Job 
Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main-Firmenlogo
Ingenieur*in Energie, Klimaschutz und Transformation (w/m/d) Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main
Frankfurt Zum Job 
Oberfinanzdirektion Baden-Württemberg Bundesbau-Firmenlogo
Elektrotechnikingenieur (w/m/d) Oberfinanzdirektion Baden-Württemberg Bundesbau
Freiburg Zum Job 
Birkenstock Productions Hessen GmbH-Firmenlogo
Ingenieur / Meister / Techniker Elektrotechnik / Automatisierungstechnik (m/w/d) Birkenstock Productions Hessen GmbH
Steinau an der Straße Zum Job 
Staatliches Baumanagement Region Nord-West-Firmenlogo
Architekten, Bau- und Elektroingenieure (m/w/d) Staatliches Baumanagement Region Nord-West
Wilhelmshaven Zum Job 
Staatliches Baumanagement Region Nord-West-Firmenlogo
Architekten / Bauingenieure (m/w/d) Hochbau Staatliches Baumanagement Region Nord-West
verschiedene Standorte Zum Job 
Staatliches Baumanagement Region Nord-West-Firmenlogo
Ingenieure (m/w/d) Versorgungstechnik bzw. Technische Gebäudeausrüstung Staatliches Baumanagement Region Nord-West
Wilhelmshaven, Bad Iburg, Oldenburg, Aurich, Meppen, Emden Zum Job 
Staatliches Baumanagement Region Nord-West-Firmenlogo
Ingenieure (m/w/d) der Fachrichtungen konstruktiver Ingenieurbau/Tiefbau/Geo-/Naturwissenschaften/Landschaftsbau Staatliches Baumanagement Region Nord-West
verschiedene Standorte Zum Job 
Staatliches Baumanagement Region Nord-West-Firmenlogo
Ingenieure (m/w/d) Elektrotechnik Staatliches Baumanagement Region Nord-West
verschiedene Standorte Zum Job 
WITTENSTEIN SE-Firmenlogo
Werkleitung (w/m/d) mit Leitwerksfunktion WITTENSTEIN SE
Igersheim-Harthausen Zum Job 
GOLDBECK SOLAR GmbH-Firmenlogo
Bauleiter (m/w/d) PV-Dachanlagen GOLDBECK SOLAR GmbH
deutschlandweit Zum Job 
Schleifring GmbH-Firmenlogo
Vertriebsingenieur Maschinenbau & Elektrotechnik (m/w/d) Schleifring GmbH
Fürstenfeldbruck Zum Job 
Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein-Firmenlogo
Bauingenieurin / Bauingenieur (w/m/d) für den konstruktiven Ingenieurbau im Geschäftsbereich 3 "Erhaltung, Kompetenzzentrum Brücken" Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein
Rendsburg, Lübeck, Kiel, Itzehoe, Flensburg Zum Job 

Bisherige Theorien auf dem Prüfstand

Bislang ging die Wissenschaft davon aus, dass Charon durch einen Prozess entstand, der dem der Mondbildung der Erde ähnelt: eine massive Kollision, bei der die beteiligten Körper durch Hitze und Masse wie Flüssigkeiten reagierten. Diese Theorie funktioniert jedoch nicht für das Pluto-Charon-System, das aus kleineren, kälteren und wesentlich festeren Materialien besteht.

„Pluto und Charon sind anders – sie sind kleiner, kälter und bestehen hauptsächlich aus Gestein und Eis“, betonte Denton. Simulationen mit Hochleistungsrechnern zeigten, dass die strukturelle Festigkeit dieser Materialien während der Kollision eine entscheidende Rolle spielte. Statt wie zähflüssige Masse zu verschmelzen, blieben die Körper während der Kollision vorübergehend miteinander verbunden, bevor sie sich in das heutige binäre System trennten.

Pluto und Charon

Dieser Schnappschuss zeigt Pluto und Charon in ihrer kiss-and-capture-Phase.

Foto: Robert Melikyan and Adeene Denton

Was macht das binäre System besonders?

Ein binäres System entsteht, wenn zwei Himmelskörper um ein gemeinsames Massenzentrum kreisen. Im Fall von Pluto und Charon ist dieses Zentrum außerhalb von Pluto, was ihr Verhältnis einzigartig macht. Durch die Kollision blieben beide Körper weitgehend intakt, ihre ursprüngliche Zusammensetzung wurde bewahrt. Dies widerspricht bisherigen Modellen, die von einer starken Verformung und Vermischung der Materialien während eines solchen Ereignisses ausgingen.

„Das Faszinierende an dieser Studie ist, dass die Modellparameter, die Charon einfangen, ihn am Ende in die richtige Umlaufbahn bringen. Man bekommt zwei Dinge auf einmal richtig hin“, erklärte Erik Asphaug, Co-Autor der Studie und Professor am Lunar and Planetary Laboratory.

Innere Wärme und geologische Folgen

Die Kollision hatte nicht nur Einfluss auf die Umlaufbahnen der Körper, sondern auch auf ihre innere Struktur. Durch die dabei freigesetzte Wärme könnte es möglich gewesen sein, einen unterirdischen Ozean auf Pluto zu erzeugen. Dieser wäre unabhängig von früheren radioaktiven Prozessen entstanden, die bisher als Hauptursache galten.

„Die Hitze des Einschlags und die anschließenden Gezeitenkräfte könnten eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung der Merkmale gespielt haben, die wir heute auf der Oberfläche von Pluto sehen“, betonte Denton. Diese Merkmale umfassen unter anderem riesige Eisberge, komplexe Gräben und vielleicht sogar Hinweise auf Kryovulkanismus.

Fragen für die Zukunft

Die Ergebnisse werfen auch neue Fragen auf. Wie beeinflussten die Gezeitenkräfte die frühe Entwicklung des Systems, als Pluto und Charon sich noch näher standen? Könnten ähnliche Mechanismen auch die Entstehung anderer binärer Systeme erklären? Das Forschungsteam plant, diese Fragen in weiteren Studien zu untersuchen.

Ein weiteres Ziel ist es, die Verbindung zwischen diesem neuen Entstehungsmodell und den aktuellen geologischen Merkmalen von Pluto besser zu verstehen. Diese könnten Aufschluss über die frühen Entwicklungsphasen des Systems geben und Hinweise auf die langfristige Entwicklung solcher Körper liefern.

Die Ergebnisse der Studie wurden in der Zeitschrift Nature Geoscience veröffentlicht.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

Themen im Artikel

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.