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Mondtriebwerk auf Vollgas: NASA testet RS-25 bei 111 % Leistung

27. Juni 2025

RS-25-Triebwerk im Test
RS-25-Test am 20. Juni 2025: Das Triebwerk zündet mit 111 % Leistung auf dem Fred-Haise-Teststand der NASA in Mississippi – über 8,9 MN Schub für Artemis. Foto: NASA
NASA testet RS-25-Triebwerk mit 111 % Leistung für Artemis-Mission. Der Schub soll Menschen zum Mond bringen – und später zum Mars.
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Die NASA hat am 20. Juni 2025 ihr neu produziertes RS-25-Triebwerk erfolgreich mit 111 % Schubleistung getestet. Der Test simulierte exakt die Brenndauer eines realen Artemis-Mondstarts. Damit ist das Antriebssystem bereit für die kommenden Missionen des Space Launch Systems. Das RS-25 basiert auf dem Shuttle-Antrieb, wurde jedoch umfassend modernisiert. Neue Produktionstechnologien sollen Kosten senken und die Effizienz steigern.

Testlauf über volle Flugzeit

Am 20. Juni 2025 zündete die NASA das neu produzierte RS-25-Triebwerk mit der Seriennummer 20001 für 500 Sekunden. Das entspricht exakt der Dauer, die das Triebwerk beim Start einer Artemis-Mission leisten muss. Ort des Tests war der Fred-Haise-Teststand im Stennis Space Center in Mississippi. Der Motor erreichte dabei 111 % seiner Nennleistung – eine Einstellung, die über das hinausgeht, was das Space Shuttle jemals im Betrieb lieferte.

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Laut NASA-Ingenieuren erzeugte das Triebwerk dabei rund 8,9 Meganewton (MN) Schub – genug, um das Space Launch System (SLS) und die Raumkapsel Orion Richtung Mond zu bringen. „Es war der erste Heißtest der neuen RS-25-Reihe über die volle Missionsdauer“, hieß es aus dem Testteam.

Was 111 % Leistung bedeutet

Schon während der Shuttle-Ära betrieben Techniker*innen das Triebwerk mit mehr als 100 % der ursprünglich definierten Leistung. Die Angabe ist historisch bedingt: 100 % bezog sich auf den Standardwert zum Zeitpunkt der Entwicklung. Spätere Leistungssteigerungen wurden in Prozenten darüber angegeben. Das Space Shuttle flog mit bis zu 104,5 %, getestet wurde damals bis zu 109 %.

Für das SLS steigerten die Ingenieurinnen und Ingenieure die Leistung weiter – auf bis zu 111 %. Bei den aktuellen Tests wurde das Triebwerk sogar mit 113 % gefahren, um Sicherheitsmargen zu prüfen. Die vier RS-25-Triebwerke zusammen erzeugen bei vollem Schub über 35 MN – rund das Zehnfache eines großen zivilen Düsentriebwerks.

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RS-25-Triebwerk auf einen Blick

• Treibstoff: Flüssiger Wasserstoff (LH₂) und flüssiger Sauerstoff (LOX)

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• Schubkraft bei 111 % Leistung: ca. 8,9 MN (Meganeutron) pro Triebwerk

• Triebwerksanzahl im SLS: Vier RS-25 in der Kernstufe

• Gesamtschub beim Start: über 35 MN

• Brenndauer pro Start: ca. 500 Sekunden

• Brennkammertemperatur: rund 3.300 °C

• Maximaldruck in Treibstoffleitungen: bis 450 bar

• Antriebskonzept: Treibstoffreiches Hauptstromverfahren

• Hersteller: L3Harris Technologies (vormals Aerojet Rocketdyne)

• Einsatzgebiete: Space Shuttle (bis 2011), Artemis-Programm (ab 2022)

 

Neue Fertigung, gleiche Power

Die aktuelle Generation des RS-25 entsteht nicht mehr in den alten Shuttle-Werkhallen. L3Harris Technologies – ehemals Aerojet Rocketdyne – übernahm die Fertigung und setzt dabei auf moderne Produktionsmethoden. Eine Schlüsselrolle spielt dabei das selektive Laserschmelzen (SLM). Mit dieser Technik werden Bauteile direkt aus Metallpulver per Laser erzeugt. Das spart Zeit, Material und senkt die Fehleranfälligkeit.

Die neue Baureihe ist nicht mehr auf Wiederverwendbarkeit optimiert, sondern auf Zuverlässigkeit und reduzierte Produktionskosten. Jeder Motor durchläuft vor dem Einsatz einen Heißtest. Für Artemis V und folgende Missionen der SLS-Variante Block 1B sollen die neuen Triebwerke erstmals verwendet werden.

Die lange Geschichte des RS-25

Die Ursprünge des RS-25 reichen bis in die 1970er-Jahre zurück. Entwickelt wurde es für das Space Shuttle – als Space Shuttle Main Engine (SSME). Es war eines der ersten wiederverwendbaren Flüssigkeitstriebwerke überhaupt. Schon früh galt das RS-25 als besonders leistungsfähig und effizient – allerdings auch als technisch anspruchsvoll.

Der erste Testlauf fand im Oktober 1975 statt. Die Entwicklungsphase war von Rückschlägen geprägt. Bei einem Test explodierte ein Triebwerk und zerstörte die Anlage. Doch mit jeder Verbesserung stieg die Zuverlässigkeit. Das RS-25 wurde zu einem festen Bestandteil der amerikanischen Raumfahrt. Zwischen 1981 und 2011 absolvierte es 135 Shuttle-Missionen – ohne schwerwiegende Zwischenfälle im Triebwerk selbst.

Vom Shuttle zur Neuauflage

Ursprünglich war das RS-25 für einen Schub von 100 % ausgelegt, wurde aber regelmäßig mit bis zu 104,5 % betrieben. Während Tests erreichte es sogar 109 %. Die Triebwerke konnten theoretisch bis zu 55-mal verwendet werden – in der Praxis wurde diese Zahl aber nie erreicht, auch wegen der aufwendigen Wartung.

Nach dem Ende des Shuttle-Programms standen 16 vollständig funktionstüchtige Triebwerke zur Verfügung. Anstatt sie stillzulegen, entschied sich die NASA, sie in das neue Space Launch System (SLS) zu integrieren. Für die Anforderungen der Artemis-Missionen reichte der bestehende Schub jedoch nicht aus. Die Ingenieurinnen und Ingenieure passten daher Steuerungen und Komponenten an und führten zwischen 2015 und 2019 eine umfangreiche Testreihe durch.

Das Space Launch System (SLS) der NASA

• Trägerrakete: Superschwerlastrakete für bemannte Mond- und Marsmissionen

• Haupttriebwerke: 4 × RS-25 (flüssig) in der Kernstufe

• Zusätzlicher Antrieb: 2 Feststoffbooster

• Nutzlastkapazität (Block 1): bis zu 27 t zum Mond

• Nutzlastkapazität (Block 1B): bis zu 38 t

• Geplante Nutzlastkapazität (Block 2): bis zu 43 t

• Startplattform: Kennedy Space Center, Launch Complex 39B

• Missionen: Artemis I (2022), Artemis II und folgende bemannte Flüge

• Ziel: Transport von Orion, Besatzung und Fracht zum Mond und darüber hinaus

 

Was das Space Launch System leisten muss

Das SLS gilt als aktuell leistungsstärkste Trägerrakete der Welt. In der Variante Block 1 besteht es aus einem zentralen Kern mit vier RS-25-Triebwerken und zwei Feststoffboostern. Damit kann es rund 27 Tonnen Nutzlast zum Mond befördern. Spätere Varianten – Block 1B und Block 2 – sollen diese Kapazität auf bis zu 43 Tonnen erhöhen.

Die Kombination aus bewährter Technik und neuen Produktionsprozessen macht das SLS zu einem flexiblen System für unterschiedliche Missionen – von der Mondlandung bis zur Marsvorbereitung.

Ein Blick in die Zukunft

Insgesamt sollen 24 neue RS-25-Triebwerke entstehen. Der Vertrag hat ein Gesamtvolumen von rund 3,5 Milliarden US-Dollar. Der erste neu gebaute Motor ist fertig, fünf weitere befinden sich in Produktion. Mit jeder neuen Triebwerksgeneration sollen Produktionsaufwand und Fehlerrate weiter sinken.

Gleichzeitig behalten die Ingenieurinnen und Ingenieure die Flugleistung im Blick. Beim Artemis-I-Flug im November 2022 arbeiteten alle vier Triebwerke innerhalb minimaler Toleranzen. Die Innendrücke, Temperaturen und Ventilstellungen entsprachen nahezu exakt den Simulationswerten.



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