ISS-Experiment: Wettrüsten zwischen Viren und Bakterien
Ein US-Team hat in Experimenten untersuchen lassen, wie Bakterien und Viren im Weltraum interagieren. Die Antwort: In der Mikrogravitation auf der Internationalen Raumstation rüsten beide auf.
Der Nasa-Astronaut Mike Fincke, aufgenommen während eines Experiments auf der Internationalen Raumstation ISS.
Foto: NASA
Bakterien und Viren interagieren im Weltraum anders als auf der Erde. Zu diesem Schluss kommt ein Forschungsteam der US-Universität Wisconsin-Madison in einer neuen Studie. „Im Weltraum verändert sich die Wechselwirkung von Bakterien und Phagen (Viren, die Bakterien angreifen, Anm. d. Red.): Die Infektion der Bakterien vollzieht sich langsamer und beide Organismen entwickeln sich mit anderen Geschwindigkeiten als auf der Erde“, schreibt das Team um den Forscher Phis Huss.
Wettrüsten im All
Die Wechselwirkungen zwischen Phagen und Bakterien bilden eine Grundlage des mikrobiellen Ökosystems. Bakterien können Widerstandskräfte gegen die Phagen ausbilden und Phagen neue Angriffsmethoden. Auf der Erde sind dazu viele studien durchgeführt worden – anders als im Weltall, wo die Abwesenheit starker Gravitation die Wechselwirkung verändert.
Huss und sein Team haben zwei Proben des Bakteriums E. coli mit zwei verschiedenen Proben mit T7-Phagen infiziert. Eine davon wurde auf der Erde erzeugt und die zweite an Bord der ISS. In beiden Fällen infizierten die Phagen die Bakterien. Die ISS-Phagen brauchten dafür allerdings mehr Zeit.
Mutationen bei Phagen und Bakterien
Per Ganzgenomsequenzierung haben die Forschenden anschließend Mutationen sowohl bei den Phagen als auch bei den Bakterien festgestellt. Die Phagen haben der Studie zufolge neue Fähigkeiten entwickelt, an den Rezeptoren der Bakterienzellen anzudocken. Die Bakterien im Gegenzug hätten ihre Widerstandsfähigkeit im Hinblick auf die Mikrogravitation optimiert.
Huss und sein Team werten die Experimente als Grundlage für weitere Phagenforschung in Mikrogravitation. Die Ergebnisse könnten sowohl für die medizinische Forschung auf der Erde als auch für die astronautische Exploration des Weltraums relevant sein.
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