Kosmische Spurensuche 07.02.2026, 19:20 Uhr

Gravitationswellen zeigen, wo Schwarze Löcher verschmelzen

Gravitationswellen helfen, supermassive Schwarze-Loch-Paare zu lokalisieren. Ein neues Protokoll zeigt, wie Astronomie davon profitiert.

Verschmelzende riesige schwarze Löcher in Nebeln

Verschmelzende riesige schwarze Löcher in Nebeln. Violett und rot. Gravitationswellen helfen, die Position solcher Systeme am Himmel zu bestimmen. Elemente dieses Bildes wurden von der NASA zur Verfügung gestellt.

Foto: Smarterpix / Pike-28

Gravitationswellen gelten seit einigen Jahren als neues Beobachtungsfenster ins Universum. Sie entstehen, wenn extrem massereiche Objekte beschleunigt werden – etwa dann, wenn zwei Schwarze Löcher umeinander kreisen und langsam verschmelzen. Ein internationales Forschungsteam zeigt nun, dass sich diese Wellen nicht nur nachweisen lassen. Sie können auch helfen, die Position solcher Systeme am Himmel zu bestimmen.

Im Zentrum steht ein neues Detektionsprotokoll des North American Nanohertz Observatory for Gravitational Waves (NANOGrav). Ziel ist es, kontinuierliche Gravitationswellen einzelner Quellen zu lokalisieren. Gemeint sind supermassive Schwarze-Loch-Doppelsterne, die in den Zentren verschmelzender Galaxien entstehen. Eine solche Kartierung würde die Astronomie um eine weitere Methode erweitern – ähnlich wie einst Radio- oder Röntgenastronomie.

Der Hintergrund aus tiefen Frequenzen

Bereits 2023 meldete NANOGrav den ersten direkten Nachweis eines Gravitationswellenhintergrunds. Dabei handelt es sich um ein allgegenwärtiges Rauschen sehr niedriger Frequenzen. Es entsteht vermutlich durch viele langsam verschmelzende Paare supermassiver Schwarzer Löcher im gesamten Universum. Diese Wellen sind zu lang, um sie mit klassischen Laserinterferometern wie LIGO zu messen.

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Stattdessen nutzt NANOGrav sogenannte Pulsar-Timing-Arrays. Pulsare sind extrem kompakte Überreste explodierter Sterne. Sie rotieren schnell und senden Radiosignale aus, die auf der Erde mit hoher Präzision ankommen. Verändert eine Gravitationswelle den Raum zwischen Pulsar und Erde, verschiebt sich dieses Timing minimal – aber messbar.

Von Rauschen zu einzelnen Quellen

Der neue Ansatz geht einen Schritt weiter. Statt nur den Hintergrund zu analysieren, suchten die Forschenden gezielt nach einzelnen, kontinuierlichen Quellen. Grundlage waren frühere theoretische Arbeiten, die zeigten, dass Verschmelzungen Schwarzer Löcher besonders häufig in Galaxien mit Quasaren auftreten. Quasare sind extrem helle Kerne aktiver Galaxien, gespeist durch Materie, die in ein Schwarzes Loch fällt.

Für die aktuelle Studie kombinierten die Teams Messungen des Gravitationswellenhintergrunds mit Beobachtungen solcher aktiven Galaxienkerne. Insgesamt nahmen sie 114 Kandidaten ins Visier. Der Fokus lag auf Systemen, bei denen zwei supermassive Schwarze Löcher bereits ein enges Paar bilden.

Zwei Kandidaten stechen hervor

Aus dieser Stichprobe kristallisierten sich zwei besonders interessante Objekte heraus: SDSS J1536+0411 und SDSS J0729+4008. Die Forschenden gaben ihnen die Spitznamen „Rohan“ und „Gondor“. Die Namen sind kein Zufall.

„Die Namen stammen sowohl aus der Literatur als auch aus der Popkultur“, sagte Chiara Mingarelli. „Rohan war der erste, nach Rohan Shivakumar, dem Yale-Studenten, der ihn als Erster analysierte, und Gondor war der nächste, weil – nun ja – die Leuchtfeuer entzündet wurden!“

Mingarelli ist Assistenzprofessorin an der Yale Faculty of Arts and Sciences, Mitglied von NANOGrav und korrespondierende Autorin der Studie, die in The Astrophysical Journal Letters erschienen ist. Der Vergleich mit Leuchtfeuern passt auch wissenschaftlich: Quasare markieren Regionen, in denen Gravitationswellenquellen besonders wahrscheinlich sind.

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Ein methodischer Fahrplan

Noch handelt es sich nicht um bestätigte Verschmelzungen. Doch schon eine kleine Zahl eindeutig identifizierter Systeme würde reichen, um eine erste Karte des Gravitationswellenhimmels zu erstellen. Genau hier setzt das neue Protokoll an.

„Unsere Ergebnisse liefern der wissenschaftlichen Gemeinschaft die ersten konkreten Maßstäbe für die Entwicklung und Erprobung von Detektionsprotokollen für einzelne, kontinuierliche Gravitationswellenquellen“, sagte Mingarelli.

Der Ansatz liefert damit weniger eine einzelne Entdeckung als vielmehr ein Werkzeug. Er zeigt, wie sich gezielte Suchen systematisch durchführen lassen – und wie Gravitationswellen mit klassischen astronomischen Beobachtungen verknüpft werden können.

Bedeutung über den Einzelfall hinaus

Langfristig eröffnet diese Methode neue Perspektiven. Sie hilft, Galaxienverschmelzungen besser zu verstehen. Sie liefert Daten zur Entwicklung supermassiver Schwarzer Löcher. Und sie schärft Modelle, die beschreiben, wie Gravitationswellen entstehen und sich ausbreiten.

„Unsere Arbeit hat einen Fahrplan für einen systematischen Rahmen zur Erkennung von supermassiven Doppel-Schwarzen Löchern vorgelegt“, sagte Mingarelli. „Wir haben eine systematische, gezielte Suche durchgeführt, ein strenges Protokoll entwickelt – und zwei Ziele stachen als Beispiele hervor, die zu weiteren Untersuchungen motivieren.“

Hier geht es zur Originalpublikation

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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