Boot stoppt bayerische Rakete: Startabbruch bei Isar Aerospace
Startabbruch bei Isar Aerospace: Ein Boot in der Sicherheitszone stoppt den Countdown der Spectrum-Rakete am Andøya Spaceport in Norwegen.
Die Startrampe des deutschen Unternehmens Isar Aerospace auf dem Weltraumbahnhof Andøya Space Port. Das im Jahr 2018 gegründete Unternehmen mit Sitz in Ottobrunn bei München entwickelt Trägerraketen für den Transport kleiner und mittlerer Satelliten.
Foto: picture alliance/dpa | Soeren Stache
Eigentlich sollte es der nächste Schritt werden. Doch die 28 Meter lange Trägerrakete „Spectrum“ blieb am Mittwochabend am Boden des norwegischen Andøya Spaceport. Nicht wegen eines technischen Problems. Ein unbefugtes Boot in der Sicherheitszone stoppte den Start.
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Sicherheitszone verletzt – Countdown gestoppt
Die Vorbereitungen für die Mission „Onward and Upward“ liefen planmäßig. Der Countdown näherte sich der Zündung, der Livestream lief. Rund 20 Minuten vor dem geplanten Start bemerkte das Sicherheitsteam ein Boot, das in die abgesperrte Zone rund um die Startanlage eingedrungen war.
Diese Zone ist kein formaler Puffer. Sie ist zentral für die Sicherheit. Bei einem Fehlstart können Trümmerteile mit hoher Geschwindigkeit über große Distanzen verteilt werden. Schon ein einzelnes Objekt im Sperrbereich reicht aus, um das Risiko nicht mehr kontrollieren zu können.
Das Unternehmen erklärte dazu: „Nach einer Unterbrechung des Countdowns aufgrund einer Verletzung der Sicherheitszone durch ein unbefugtes Boot überschritt der Neustart des Countdowns unser Startfenster.“
Ein Neustart wäre technisch möglich gewesen. Zeitlich jedoch nicht. Raketenstarts sind an enge Startfenster gebunden, die durch Flugbahnen, Wetterbedingungen und Sicherheitsvorgaben definiert werden. Wird dieses Zeitfenster verpasst, muss der Versuch abgebrochen werden.
Kein Technikproblem – aber verlorene Zeit
Der Abbruch ist in einem Punkt eindeutig: Die Rakete selbst zeigte keine bekannten technischen Probleme. Anders als beim verschobenen Start im Januar, als ein defektes Druckventil die Ursache war, lag der Fehler diesmal außerhalb des Systems.
Für Isar Aerospace bedeutet das dennoch einen Rückschlag. Nicht, weil etwas kaputt ist, sondern weil Daten fehlen. Jeder nicht durchgeführte Flug verzögert die Auswertung, die Weiterentwicklung und den nächsten Test.

Zweiter Versuch nach frühem Absturz
Der aktuelle Start wäre der zweite Flug der „Spectrum“ gewesen. Der Erstflug im März 2025 endete bereits nach wenigen Sekunden im Meer. Das Unternehmen bewertete diesen Test dennoch als Fortschritt.
CEO Daniel Metzler sagte damals: „Jede Sekunde, die wir fliegen, ist gut, weil wir damit Daten und Erfahrung sammeln.“ Genau diese Daten fehlen nun. Der zweite Versuch hätte zeigen sollen, ob die Anpassungen seit dem Erstflug greifen.
Was die „Spectrum“ leisten soll
Die Rakete gehört zur Klasse der sogenannten Microlauncher. Sie ist darauf ausgelegt, kleinere Satelliten flexibel in niedrige Erdumlaufbahnen zu bringen.
Die technischen Eckdaten zeigen, worauf das System ausgelegt ist:
| Merkmal | Details |
| Länge | 28 Meter |
| Nutzlast | bis zu 1.000 kg |
| Treibstoff | Propan und flüssiger Sauerstoff |
| Klasse | Microlauncher |
Das Ziel: häufige, vergleichsweise kostengünstige Starts für kleine Nutzlasten. Ein Markt, der stark wächst.
Strategische Bedeutung für Europa
Das Interesse an dem bayerischen Unternehmen ist riesig. Bundeskanzler Friedrich Merz besuchte erst Mitte März gemeinsam mit dem norwegischen Regierungschef Jonas Gahr Störe das Gelände in Andøya. Der Grund ist die geopolitische Lage. Europa will sich von Anbietern wie SpaceX unabhängig machen. Microlauncher wie die „Spectrum“ sollen flexibel kleine Satelliten in eine erdnahe Umlaufbahn bringen.
Neben Isar Aerospace arbeiten auch Firmen wie die Rocket Factory Augsburg (RFA) oder HyImpulse an solchen Systemen. Die Konkurrenz aus den USA und Asien ist jedoch groß. Um hier mitzuhalten, fordern Branchenvertretende wie Marie-Christine von Hahn vom Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie deutliche Investitionen: „Europa müsse seine Unabhängigkeit im All sichern. Elon Musks Starlink ist nicht alternativlos – und darf es auch nicht sein.“

Wie es jetzt weitergeht
Ein neuer Starttermin steht noch nicht fest. Isar Aerospace arbeitet gemeinsam mit den Betreibern des Spaceports an einem neuen Zeitfenster. Parallel läuft die Entwicklung weiter. Eine dritte Rakete befindet sich bereits im Bau.
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