Industrie: Kaffee-Röster von Probat 31.08.2012, 11:00 Uhr

Thomas Koziorowski (Probat): “Kaffee ist für mich ein genussvolles Thema”

Wer Kaffee liebt, muss „Probat“ nicht kennen. Aber: Bei sieben von zehn Tassen, die weltweit getrunken werden, haben die Kaffeebohnen ihr Aroma in Röstern des Emmericher Traditionsunternehmens entwickelt. Thomas Koziorowski, Leiter des Bereichs Produkttechnologie bei Probat, ist nicht nur Experte rund um Rösttechnologien und -verfahren; auch privat ist Kaffee für ihn „ein genussvolles Thema, das zur Leidenschaft geworden ist.“

„Das Endprodukt soll in der Kaffeeindustrie immer gleich schmecken, obwohl der Rohstoff bei jeder Ernte anders ausfällt“, erklärt Thomas Koziorowski. Zu „seinem“ Unternehmensbereich gehört auch die Abteilung Forschung und Entwicklung. Hier ist die Weiterentwicklung der Röstprozesse das zentrale Thema: „Je mehr wir über die chemischen und physikalischen Veränderungen beim Röstvorgang wissen, desto besser können wir unsere Röster an die speziellen Eigenschaften unterschiedlichster Kaffeesorten und die verschiedenen Endprodukte anpassen. Unser Ziel ist, das Optimum aus jeder einzelnen Kaffeebohne herauszuholen und unseren Kunden dazu optimales Arbeitsgerät anzubieten.“

Nach Emmerich in die Kaffeewelt und vom Siemens-Konzern in ein Familienunternehmen gezogen habe ihn „die Aufgabe“, erzählt er, „oder genauer gesagt: die Vielfalt der Aufgaben. Ingenieurmäßig ist es hier ein sehr breites Spektrum, und Kaffee ist ein genussvolles Thema.“ Inzwischen sei es mehr als das, nämlich eine Leidenschaft: „Sie kam mit dem Beruf und beschäftigt mich auch nach Dienstschluss – die Faszination Kaffee lässt einen nicht mehr los.“

Allerdings – mit Röstmaschinen alleine lässt sich nach seiner Meinung noch keine professionelle Kaffeeveredelung betreiben: „Man muss wissen, wie man den Kaffee anzupacken hat.“ Probat biete deshalb nicht nur „Hardware“, sondern auch Schulungen an. Gegenüber der Unternehmenszentrale in Emmerich ist das Technologiezentrum untergebracht. Hier können Kunden und Interessenten Röster und Mühlen ausprobieren, mit ihren eigenen Produkten experimentieren oder von den Probat-Experten lernen, wie sich das Aroma am besten „herauskitzeln“ oder ein „Kaputtrösten“ vermeiden lässt.

Rund um Kaffee: Interdisziplinäre Teams von Probat analysieren mögliche Trends

Einmal im Monat trifft sich in Emmerich eine Forschungsgruppe – Maschinenbauingenieure, Elektro- und Verfahrenstechniker – und analysiert Trends und Entwicklungen. Eine wichtige Informationsquelle seien die Kunden, erzählt Koziorowski. „Mit ihnen stehen wir in engem Kontakt, und von ihnen bekommen wir viele Anregungen – wir wollen ja Dinge entwickeln, die am Markt gewünscht und gebraucht werden.“

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Um ein Mitglied der Forschungsgruppe herum werde dann ein Projektteam gebildet und alles herangezogen, was es im Unternehmen an ingenieurmäßigen Disziplinen gibt – Maschinen- und Anlagenbauer, Elektrotechniker, Umwelt-, Verfahrens- und Steuerungstechniker, Lebensmitteltechnologen, Wirtschaftsingenieure und Softwareentwickler.

Produktspektrum von Probat reicht vom Laborröster bis zum Großröster

Das gemeinsam entwickelte Produktspektrum reicht derzeit vom Laborröster mit einem Fassungsvermögen von 100 g bis zu Großröstern für die Industrie, die 6 t Kaffeebohnen in der Stunde verarbeiten. Zu den Kunden gehören neben nahezu allen Konzernen der Kaffeebranche auch „klassische“ mittelständische Unternehmen, die über einen oder zwei Röster verfügen und 1 t bis 3 t in der Stunde verarbeiten, sowie kleine Ladenröstereien, bei denen es 5 kg bis 25 kg pro Röstvorgang sind. Für die Probat-Ingenieure bedeutet das einerseits ganz unterschiedliche Ansprüche an die Maschinen, andererseits die immer gleiche Herausforderung, nämlich eine „reproduzierbare Röstqualität“.

Er selber trinke immer wieder andere Sorten, bringe sich von Reisen neuen „Stoff“ mit und probiere, wo immer sich die Gelegenheit biete. 2010, als Essen Kulturhauptstadt Europas war und die A40 einen Tag zur „längsten Tafel der Welt“ wurde, hatte er einen Tisch gemietet und Kaffeemuster ausgelegt: „Vor lauter Gesprächen bin ich gar nicht zum Frühstücken gekommen“, erinnert er sich.

Eine aktuelle Entwicklung im Markt ist derzeit maximale Flexibilität beim Röstprozess. „Früher hatten unsere Kunden drei oder vier Kaffeesorten im Angebot, und verarbeiteten jeden Tag eine davon“, erklärt Koziorowski. „Heute sind es um die 20 Sorten und geröstet werden täglich zwei Chargen hiervon, drei davon …“ Mit der Entwicklung eines Tangentialrösters trugen die Probat-Ingenieure dem Rechnung und erfüllten zugleich mehrere Kundenwünsche. Etwa zwölf Monate dauerte die Entwicklung des Gerätes, in dem ein Lang- und ein Kurzzeitröster miteinander kombiniert sind und mit dem sich ganz unterschiedliche Aroma- und Röstprofile erzeugen lassen. Für Koziorowski ist diese Hybridmaschine ein treffendes Beispiel dafür, „dass es immer weitere Entwicklungen gibt. Denn das ist etwas, was bislang noch nicht da war.“

Flexibler Röst-Prozess garantiert Vielfalt bei Kaffee-Sorten

Für große Röstereien, die sich auf Kaffeepads oder -kapseln spezialisiert haben, entwickelten die Probat-Ingenieure zudem eine völlig neu konstruierte Generation von Walzenmühlen. Durch die Kapselproduktion sind die Anforderungen an die Zerkleinerungstechnik enorm gestiegen verlangt werden eine akkurate Vermahlung und ein gleichmäßiges Kornspektrum. Bei den neuen Mühlen lassen sich beliebig viele Mahlwerke, die jeweils über zwei einzeln angetriebene Walzen verfügen, miteinander kombinieren. Sie bieten dadurch ein Höchstmaß an Flexibilität und Qualität für die Kaffeevermahlung und liefern Ergebnisse von filterfein bis kapselkonform.

Apropos Qualität: Im Restaurant könne es auch schon mal passieren, dass er darum bitte, die Espressomaschine sehen zu dürfen, wenn der ein gutes Essen beschließende Espresso mal nicht gut schmeckt. Und den Tipp gebe, sie vom Servicetechniker richtig einstellen zu lassen. Seiner Frau sei das manchmal ein bisschen peinlich, bekennt Koziorowski, „aber ein gutes Essen mit einem schlechten Kaffee abzuschließen – das ist doch schade.“ Und die Gastronomen schätzten den Tipp durchaus. „Es kam auch schon vor, dass ich beim nächsten Besuch schon zur Begrüßung einen Espresso serviert bekommen habe.“

Energieverbrauch von Kaffee-Röstern um 20 Prozent gesenkt

Auch in puncto Energieeffizienz, dem Megathema im Maschinen- und Anlagenbau, haben Koziorowski und sein Team eine intelligente Lösung gefunden: Inzwischen wird die Abluft des Röstprozesses zum Vorwärmen der nächsten Charge genutzt. Das verkürze die Röstzeit, spare 20 % Energie und bringe 20 % Leistungssteigerung. „Insoweit sind wir Vorreiter“, betont Koziorowski. „Unser Anspruch als Marktführer ist es, die Technologie- und Qualitätsführerschaft zu haben.“

Realisieren lässt sich das natürlich nur mit hochqualifiziertem Personal. Probat bildet aus diesem Grund über Bedarf aus und kooperiert zudem mit mehreren Hochschulen in der Region, auch als Ausbildungsbetrieb im Rahmen der Kooperativen Ingenieur-Ausbildung (KIA). Dabei wird parallel zum technischen Studium eine Facharbeiterlehre absolviert. 40 – 45 der insgesamt 400 Beschäftigten in Emmerich sind Auszubildende. Ein Teil davon wird später an Zulieferer, die selbst nicht ausbilden, weitervermittelt. Thomas Koziorowski wiederum vermittelt sein Wissen als Lehrbeauftragter an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften weiter.

 

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