Innovation 24.09.2010, 19:49 Uhr

Schwäbisches Unternehmen wirkt an textiler Zukunft mit

Am Stammsitz in Albstadt-Ebingen will Groz-Beckert mit dem neu eröffneten Technologie- und Entwicklungszentrum (TEZ) die textile Zukunft mitgestalten. Textilverarbeiter und Anlagenbauer aus aller Welt können dort neue Methoden und Werkzeuge zur Verarbeitung von Textilien aller Art erproben und entwickeln.

Groz-Beckert-Produkte: Von Nylonstrümpfen bis zu faserverstärkten Flugzeugrümpfen.

Groz-Beckert-Produkte: Von Nylonstrümpfen bis zu faserverstärkten Flugzeugrümpfen.

Foto: AIRBUS

Im Schmiechatal zwischen grünen Hügeln der Schwäbischen Alb wird die Zukunft der Textilindustrie geprägt. Damit das auch so bleibt, hat dort Groz-Beckert gerade ein neues Entwicklungszentrum eröffnet. Das Unternehmen stellt Werkzeuge und Systeme zum Stricken, Wirken, Weben, Filzen, Tuften und Nähen her sowie Maschinenteile zur Herstellung textiler Flächen. In allen Kontinenten werden Textilien aller Art mithilfe von Groz-Beckert-Produkten hergestellt – von Nylonstrümpfen bis zu faserverstärkten Flugzeugrümpfen.

Vier Geschäftsführer leiten den kleinen Weltkonzern mit Produktionsstätten in Europa und Asien. Einer von ihnen ist seit 1999 der Ingenieur Thomas Kühl. In den letzten Jahren hat er das Konzept für das Technologie- und Entwicklungszentrum (TEZ) am Stammsitz der Firma in Albstadt-Ebingen mitgestaltet und leitet es jetzt. Die Investition von 70 Mio. € stemmte Groz-Beckert aus eigener Kraft. „Statt über die weltweite Krise in der Textilindustrie zu klagen, hat die Firma bewusst investiert“, stellte Kühl gegenüber den VDI nachrichten fest. Generell investiere sein Unternehmen gezielt, um kontinuierlich sein Portfolio auszubauen.

Top Stellenangebote

Zur Jobbörse
infraSignal GmbH-Firmenlogo
Projektleiter Steuerkabel (m/w/d) infraSignal GmbH
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Projektingenieur im Brückenbau für Neubau-, Ausbau- und Erhaltungsmaßnahmen (w/m/d) Die Autobahn GmbH des Bundes
Regensburg Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur (w/m/d) für die Projektleitung von Brücken und Ingenieurbauwerke Die Autobahn GmbH des Bundes
Nürnberg Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Abteilungsleiter (w/m/d) Konstruktiver Ingenieurbau, Lärmschutzbauwerke Die Autobahn GmbH des Bundes
Nürnberg Zum Job 
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Bauingenieur als Projektleiter (w/m/d) Planung Die Autobahn GmbH des Bundes
PFINDER KG-Firmenlogo
Produktentwickler (m/w/d) Zerstörungsfreie Werkstoffprüfung PFINDER KG
Böblingen Zum Job 
Hitzler Ingenieur e.K.-Firmenlogo
Projektleiter im Bau-Projektmanagement (m/w/d) Hitzler Ingenieur e.K.
Düsseldorf Zum Job 
WTM ENGINEERS GMBH-Firmenlogo
BIM-Modeler (m/w/d) für den Bereich Ingenieurwasserbau WTM ENGINEERS GMBH
Hamburg, Kiel, Rostock Zum Job 
Hamamatsu Photonics Deutschland GmbH-Firmenlogo
Master / Diplom in Physik oder Elektrotechnik als Vertriebsingenieur/in für Bereich Analytical (m/w/d) Hamamatsu Photonics Deutschland GmbH
Herrsching am Ammersee Zum Job 
Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus-Firmenlogo
Referentin/Referent (m/w/d) im Referat "Straßenbau" Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus
Mercer Stendal GmbH-Firmenlogo
Betriebsingenieur Mechanik (m/w/d) Mercer Stendal GmbH
Arneburg Zum Job 
Hamburger Hochbahn AG-Firmenlogo
Techniker / Ingenieur Elektrotechnik Wartung / Instandhaltung (w/m/d) Hamburger Hochbahn AG
Hamburg Zum Job 
Städtisches Klinikum Dresden-Firmenlogo
Ingenieur (m/w/d) Technische Gebäudeausrüstung (TGA) Städtisches Klinikum Dresden
Dresden Zum Job 
Rohde & Schwarz Österreich GesmbH-Firmenlogo
Softwareentwickler (m/w/d) Embedded Systems Rohde & Schwarz Österreich GesmbH
Singapur, Stuttgart, Berlin, München Zum Job 
Carl Zeiss Meditec AG-Firmenlogo
Applikationsingenieur (m/w/x) Carl Zeiss Meditec AG
Carl Zeiss Meditec AG-Firmenlogo
Process Engineer (m/w/x) Carl Zeiss Meditec AG
Carl ZEISS MultiSEM-Firmenlogo
Entwicklungsingenieur Elektronik (m/w/x) Carl ZEISS MultiSEM
Oberkochen Zum Job 
Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR)-Firmenlogo
Ingenieurinnen und Ingenieure (w/m/d) in den Fachrichtungen Versorgungstechnik und Gebäudeautomation Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR)
Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR)-Firmenlogo
Ingenieurinnen und Ingenieure (w/m/d) in den Fachrichtungen Elektro- bzw. Nachrichtentechnik Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR)
GEBHARDT Fördertechnik GmbH-Firmenlogo
Entwicklungsprojektleitung Robotik & Lagerfahrzeuge (m/w/d) GEBHARDT Fördertechnik GmbH
Sinsheim Zum Job 

„Innovation, Kompetenz und Partnerschaftlichkeit werden die drei Säulen des Technologie- und Entwicklungszentrums sein“, sagte Thomas Lindner, Vorsitzender der Geschäftsführung, als er das TEZ am 16. Juli vor 300 Gästen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik einweihte. Auch wenn sich die Textilproduktion immer mehr nach Asien verlagert hat, war für die Geschäftsführung klar, das TEZ am Stammsitz zu errichten. „Hier setzten wir jenen Standard, der die Firma auch im Ausland zur Erfolgsmarke gemacht hat“, erklärte Kühl. Dabei verfolgt Groz-Beckert zwei wesentliche Ziele: die Zusammenarbeit mit Anwendern und Maschinenbauern verbessern und die eigene Kompetenz erhöhen.

Dazu bietet das TEZ für das Stricken und Wirken sowie für das Weben, Filzen, Tuften und Nähen je eine eigene Abteilung. An modernen Maschinen und Anlagen können anwendungstechnische Versuche unter realen Fertigungsbedingungen hergestellt und Kleinserien gefahren werden. „Wir bieten ideale Voraussetzungen, um mit Kunden und Partnern neue Techniken zu erproben und Prozesse zu optimieren“, erklärte Kühl. Vom TEZ profitiere auch die Serviceabteilung des Unternehmens. In einem modernen Labor würden etwa Textilien auf Fehler in der Verarbeitung oder auch auf Schadstoffe untersucht.

Darüber hinaus gebe es in der modernen Lehrwerkstatt beste Bedingungen für die 145 technischen Azubis, so Kühl. Mit zusätzlichen etwa 30 kaufmännischen Azubis liegt die Ausbildungsquote in Albstadt-Ebingen bei etwa 9 %. Auch mit der Hochschule Albstadt-Sigmaringen wird verstärkt kooperiert.

Im TEZ können jetzt Mitarbeiter, Azubis und Studenten üben, Textilien herzustellen – zum einen an alten Geräten wie Handstrickmaschinen, die in der Industrie noch vor 50 Jahren eingesetzt wurden, zum anderen an hochmodernen Maschinen, etwa zum Weben. Eine heutige Luftdüsenwebmaschine bringt es dabei auf bis zu 1000 Schuss/min – Luftstöße ersetzen dabei die klassischen Weberschiffchen. Tradition und Zukunft treffen so im TEZ zusammen.

Inzwischen hat Groz-Beckert rund 70 000 verschiedene Nadeln und Produkte im Archiv. Jährlich kommen Neuentwicklungen hinzu, die abgestimmt mit Textilmaschinenbauern oder Endkunden entwickelt werden. Manche davon werden ausgezeichnet, wie jüngst die „litespeed“-Nadel, die den 3. Platz beim diesjährigen Umweltpreis des Kyocera-Konzerns belegte. Die Nadel wird speziell in Hochleistungsrundstrickmaschinen eingesetzt, mit denen in aller Welt Bekleidungs- und technische Textilien hergestellt werden.

Die Firma freute sich über die Auszeichnung. Für Kühl ist sie das Ergebnis qualitativ hochwertiger Arbeit. Er unterstrich, dass an solchen Entwicklungen mehrere Abteilungen beteiligt seien.

Das Besondere an dieser Nadel ist ihr teilweise dünner gestalteter Schaft, der sie gegenüber Vorgängermodellen auch etwas leichter macht. Nadelöl könne sich dank der Geometrie besser im Nadelkanal der Strickmaschinen verteilen. So sinke die Reibung im Nadelkanal und die Maschine braucht laut Hersteller bis zu einem Fünftel weniger Strom, um die Nadeln zu bewegen. Auch werde der Verschleiß reduziert, weniger Öl benötigt und die Maschinentemperatur gesenkt.

Zahlreiche Firmen nutzen diese Nadeln bereits. Würden alle Hochleistungsrundstrickmaschinen weltweit damit bestückt, könnten jährlich 634  Mio. kWh elektrische Energie eingespart werden und damit 457 000 t CO2-Emissionen, hat Groz-Beckert errechnet.

Das Unternehmen will sich vor allem bei technischen Textilien engagieren. Fast die Hälfte des Umsatzes werde inzwischen in diesem Bereich erzielt. Flammhemmende Schutzkleidung oder faserverstärkter Kunststoff für die Autoindustrie seien mögliche Anwendungen, ebenso wie textile Implantate oder für Textilbeton.

Textilen Visionen sind für den Entwicklungschef Kühl keine Grenzen gesetzt. Er denkt etwa an Geotextilien. Das können gewirkte Matten sein, die Wasser halten und so in der Wüste fruchtbare Böden erschließen können. Sie können auch helfen, mehr Menschen fortzubewegen, oder auch Lebensräume im Weltall zu gestalten. Er ist sich sicher, dass das traditionsbewusste und doch moderne Unternehmen mit dem TEZ dafür richtig aufgestellt ist. RALPH AHRENS

 

Ein Beitrag von:

  • Ralph H. Ahrens

    Chefredakteur des UmweltMagazins der VDI Fachmediengruppe. Der promovierte Chemiker arbeitete u.a. beim Freiburger Regionalradio. Er absolvierte eine Weiterbildung zum „Fachjournalisten für Umweltfragen“ und arbeitete bis 2019 freiberuflich für dieverse Printmedien, u.a. VDI nachrichten. Seine Themenschwerpunkte sind Chemikalien-, Industrie- und Klimapolitik auf deutscher, EU- und internationaler Ebene.

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.