20 Jahre Einheit 01.10.2010, 19:49 Uhr

Maschinen und Anlagen aus Ostdeutschland haben ihren Weltruf wiedererlangt

Der Maschinenbau in Ostdeutschland hat sich konsolidiert. Die Entwicklung seit 1990 zeigt, dass es der Branche aufgrund ihrer über 150-jährigen Industriegeschichte und dank ihres Erfahrungsschatzes, qualifizierter Mitarbeiter sowie einer breiten Akzeptanz von Technik und Wissenschaft gelungen ist, diesen schwierigen Weg erfolgreich zu bewältigen.

Auf die Erfolgsspur zurückgekehrt ist der Maschinenbau in Ostdeutschland. In der ehemaligen DDR war der Maschinenbau der wichtigste Industriezweig. Ende der 1980er Jahre arbeitete jeder sechste Industriebeschäftigte in diesem Wirtschaftszweig. Dort entstand fast ein Fünftel der industriellen Wertschöpfung. Mit der Umstrukturierung nach der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion baute die ostdeutsche Maschinenbauindustrie Kapazitäten und Mitarbeiter ab: Waren 1989 noch fast 560 000 Personen im Maschinenbau beschäftigt, pegelte sich der Wert in den Jahren 2001 bis 2006 bei rund 65 000 Beschäftigten ein. Seit 2007 stieg die Zahl der Mitarbeiter wieder und liegt nun bei rund 75 000.

Der ostdeutsche Maschinenbau konnte kurz nach der Wiedervereinigung einen Umsatzbeitrag von 8,6 Mrd. € zum gesamtdeutschen Maschinenbau leisten. Privatisierung, Sanierung und Modernisierung führten von 1990 bis 1996 zu einem drastischen Rückgang der Produktion. Der Umsatzbeitrag sank bis 1996 auf ein Rekordtief von 7,6 Mrd €. Seitdem entwickelt sich der ostdeutsche Maschinenbau weiter. Der vorläufige Höchststand wurde im Jahr 2008 mit einem Umsatz von 14,3 Mrd. € erreicht.

Nach dem allgemeinen Umsatzeinbruch im letzten Jahr ist die Branche dabei, sich zu erholen. „Die ostdeutschen Maschinenbauer verzeichnen einen starken Aufwärtstrend für das Geschäftsjahr 2010, nachdem es in der Krise 2008 und 2009 Umsatzeinbrüche gab“, sagte Reinhard Pätz, Geschäftsführer des VDMA-Landesverbandes Sachsen-Thüringen.

Das bestätigt auch die letzte Konjunkturumfrage für das zweite Quartal 2010 unter den 350 Mitgliedsfirmen des VDMA-Landesverbandes Ost. Zwar ist die Nachfrage nach Investitionsgütern im Vergleich zu den Boomjahren weiterhin zaghaft, verschiedene Indikatoren ließen jedoch auf eine Fortsetzung des bisherigen positiven Trends der letzten zehn Jahre schließen. Pätz: „Unsere Unternehmen haben kontinuierlich investiert. Eine Zurückhaltung gab es 2009, und auch 2010 verhalten sich die Unternehmer noch zaghaft. Dank der Kurzarbeiterregelungen konnten viele ihre Stammbelegschaft größtenteils halten.“ Inzwischen konnten sich die Maschinenbauunternehmen in Ostdeutschland etablieren und sind weltweit wettbewerbsfähig.

Allerdings trifft das eher auf die kleinen und mittelgroßen Firmen zu. „Das Jahr 2008 war für viele Firmen das beste in ihrer Geschichte. Immerhin hatten wir bis 2008 auch das sechste Wachstumsjahr in Folge. Auftragsbestand, bessere Kapazitätsauslastungen und bessere Geschäftsaussichten lassen den Schluss zu, dass sich die Konjunktur im ostdeutschen Maschinen- und Anlagenbau zukünftig besser entwickelt als erwartet“, erklärte Pätz. Der VDMA-Verbandsvorsitzende ist daher davon überzeugt, dass die Unternehmen für die Zukunft gut gerüstet sind.

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Der positive Trend ist das Ergebnis von Produktentwicklungen, von Prozessoptimierung und Markterschließung sowie dem Engagement der Mitarbeiter. Gerade die traditionellen mittelständischen Unternehmen, die seit 150 Jahren Maschinen und Anlagen in Ostdeutschland produzieren, gelten als Keimzelle für Wachstum und Beschäftigung in der Zukunft.

Bereits im Zeitalter der industriellen Revolution gehörten Sachsen und Thüringen, Berlin und das heutige Sachsen-Anhalt zu den Zentren des Maschinenbaus in Deutschland. So steht auch Wiege des deutschen Maschinenbaus in Sachsen, wo Anfang des 18. Jahrhunderts die erste Textilmaschine konstruiert und gefertigt wurde. Auch die Werkzeugmaschinenindustrie hat hier ihren Ursprung. Sächsischer Erfindergeist und unternehmerisches Engagement ziehen sich wie ein roter Faden durch die letzten Jahrhunderte. Es ist daher nachvollziehbar, dass Sachsen heute im Vergleich zu den anderen neuen Bundesländern den höchsten Anteil der Maschinenbauproduktion liefert.

Das weltweit gute Image des sächsischen Maschinenbaus ist mit einer Exportquote von über 40 % international gefragt. Laut Pätz sind weltmarktfähige Produkte die Zukunft der Branche: „Weiteres Wachstum wird zu einem großen Teil im Export zu generieren sein. Auch müssen die Kooperation und die überregionale Zusammenarbeit – damit meine ich die Zusammenarbeit über die ostdeutschen Landesgrenzen hinweg – verstärkt werden.“

Bedeutende Branchenbetriebe des Werkzeugmaschinen-, Druckmaschinen-, Textilmaschinen- und des Anlagenbaus, wie Trumpf, StarragHeckert, Niles-Simmons, Union, Hörmann-Rawema, Schönherr Textilmaschinenbau, Koenig & Bauer, MAN Roland, produzieren heute in Sachsen. Von diesen großen, international tätigen Unternehmen abgesehen, wird der sächsische Maschinenbau aber weiterhin von kleinen und mittleren Firmen geprägt.

Nur wenige Unternehmen haben mehr als 500 Mitarbeiter. Dennoch erzielen die insgesamt etwa 34 000 Beschäftigten in den 440 überwiegend kleinen und mittleren Maschinenbauunternehmen einen Gesamtumsatz von 5,1 Mrd. € im Jahr. Dabei weist der Maschinenbau im Freistaat heute die höchste Produktivität in Ostdeutschland auf und erwirtschaftet die Hälfte des gesamten Branchenumsatzes der Ost-Bundesländer. JANETTE JUNGHANNS

 

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