Alzheimer Forschung 13.11.2013, 10:34 Uhr

Wirkstoff hält Absterben von Gehirnzellen auf

Britische Wissenschaftler glauben einen „historischen Durchbruch” auf der Suche nach einem Medikament gegen Alzheimer geschafft zu haben. Die Forscher der Universität Leicester haben in Experimenten mit Mäusen einen Wirkungsstoffkandidaten getestet, der das Absterben von Gehirnzellen zum ersten Mal aufhält und das Potenzial besitzt, im Kampf gegen Alzheimer bei Menschen eingesetzt zu werden. 

Britischer Wissenschaftler arbeiten an einer Alzheimer-Pille, die das Absterben von Gehirnzellen verhindern soll.

Britischer Wissenschaftler arbeiten an einer Alzheimer-Pille, die das Absterben von Gehirnzellen verhindern soll.

Foto: dpa/Jan-Peter Kasper

Auch wenn eine Pille gegen Alzheimer noch in ferner Zukunft zu liegen scheint, so gilt die jetzt im britischen Fachmagazin Science Translational Medicine veröffentlichte Studie doch als vielversprechender neuer Weg für künftige Behandlungen der Krankheit. Die neue Arzneimittel-Kombination ist dabei in der Lage ein fehlerhaftes Signal in denjenigen Gehirnen, die von neurodegenerativen Erkrankungen betroffen sind und die die Produktion wichtiger Proteine abschalten, zu blockieren. Das Medikament sorgt damit dafür, dass die Eiweißproduktion im Gehirn unbehindert fortgesetzt werden kann.

Erfolge in Versuchen mit Mäusen

Das neue Medikament wurde bisher an 29 mit Prionen infizierten Mäusen getestet. Die Wissenschaftler sind aber zuversichtlich, dass das gleiche Prinzip bei einem menschlichen Gehirn mit einer schwerwiegenden Krankheit wie Alzheimer oder Parkinson ebenfalls gilt. „Es handelt sich um einen großen Schritt nach vorne. Zum ersten Mal wurden Mäuse mit einer Substanz zur Verhinderung von Gehirnkrankheiten behandelt,“ erläutert Professor Giovanna Mallucci aus der Abteilung für Toxikologie des Medical Research Council (MRC) in Leicester.

„Diese Erkenntnisse könnten sich in Zukunft als ein wichtiger Wendepunkt bei der Suche nach einem Medikament zur Kontrolle und der Verhinderung der Alzheimer Krankheit herausstellen,“ erklärte Professor Roger Morris vom Kings College in London.

Gehirnzellen sterben nicht mehr ab

Bei Krankheiten wie Alzheimer wird die Produktion von neuen Proteinen im Gehirn durch den Aufbau von falsch gefalteten Eiweißmolekülen verhindert. Diese Ansammlung von fehlgeformten Eiweißablagerungen führt zu einer Überreizung des natürlichen Abwehrsystems und verhindert die Bildung von essentiellen Proteinen. Ohne diese überlebenswichtigen Proteine sterben Gehirnzellen ab, was zu Symptomen wie dem Verlust der Erinnerungsfähigkeit führt.

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Es wird angenommen, dass dieser Prozess in vielen Formen der Neurodegeneration stattfindet. Das in den Tests eingesetzte neue Medikament behindert ein Enzym, genannt PERK, das eine Schlüsselrolle in der Aktivierung der Schutzmechanismen im Gehirn spielt. Bei den mit Prionen infizierten Mäusen, die mit dem Medikament behandelt wurden, wurde kein Gedächtnisverlust festgestellt. Untersuchungen des Gehirns zeigten außerdem, dass keine Gehirnzellen abgestorben waren.

Noch Nebenwirkungen

Auch wenn das neue Arzneimittel zu Nebenwirkungen, wie beispielsweise Gewichtsverlust sowie leichter Diabetes führte, schließen die britischen Wissenschaftler keineswegs aus, dass sie in Zukunft eine „Pille“ entwickeln können, die das Gehirn auch ohne die genannten Nebenwirkungen vor der Krankheit schützen kann. Die britische Alzheimer-Gesellschaft warnte jetzt allerdings vor allzu großer Euphorie. Ergebnisse von Tierversuchen könnten nicht direkt auf den Menschen übertragen werden und mehr  Forschung sei notwendig.

 

Ein Beitrag von:

  • Peter Odrich

    Peter Odrich studierte Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Verkehrsbetriebe. Nach 28 Jahren als Wirtschaftsredakteur einer deutschen überregionalen Tageszeitung mit langer Tätigkeit in Ostasien kehrte er ins heimatliche Grossbritannien zurück. Seitdem berichtet er freiberuflich für Zeitungen und Technische Informationsdienste in verschiedenen Ländern. Dabei stehen Verkehrsthemen, Metalle und ostasiatische Themen im Vordergrund.

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