Traumgedächtnis 19.02.2025, 14:30 Uhr

Warum erinnern sich manche Menschen besser an ihre Träume?

Neue Studie zeigt, warum manche Menschen sich besser an Träume erinnern als andere. Schlafmuster, Alter und Tagträume spielen eine entscheidende Rolle.

Wanderin träumt auf dem Berg

Wovon diese Wanderin wohl träumt und kann sie sich danach erinnern? Eine neue Studie beschäftigt sich mit dem Traumgedächtnis.

Foto: PantherMedia / Antonio Guillen Fernández

Jeder kennt es: Manche wachen morgens auf und können detailgetreu berichten, was sie geträumt haben. Andere hingegen haben das Gefühl, die Nacht ohne einen einzigen Traum verbracht zu haben. Warum sich einige besser an ihre Träume erinnern als andere, ist eine Frage, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler seit Jahren beschäftigt.

Eine aktuelle Studie der italienischen IMT School for Advanced Studies Lucca in Zusammenarbeit mit der Universität Camerino hat sich intensiv mit den Faktoren befasst, die unsere Traumerinnerung beeinflussen. Ziel der Forschung war es, herauszufinden, welche individuellen und externen Faktoren dazu beitragen, dass Menschen nach dem Aufwachen mehr oder weniger aus ihren Träumen behalten.

Welche Faktoren spielen eine Rolle?

Die Untersuchung wurde zwischen 2020 und 2024 durchgeführt und umfasste über 200 Teilnehmende im Alter von 18 bis 70 Jahren. Diese führten für 15 Tage ein Traumtagebuch und wurden parallel psychologisch sowie schlafmedizinisch untersucht. Mithilfe tragbarer Geräte wie Aktigraphen wurde ihre Schlafdauer, Schlafqualität und mögliche Schlafstörungen dokumentiert. Zusätzlich absolvierten die Teilnehmenden psychometrische Tests, die kognitive Funktionen wie Gedächtnisleistung, Aufmerksamkeit und emotionale Verarbeitung erfassten.

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Die Forscherinnen und Forscher fanden heraus, dass die Traumerinnerung von mehreren Faktoren abhängt:

  • Persönliche Einstellung zu Träumen: Menschen, die sich intensiv mit ihren Träumen auseinandersetzen oder sich für sie interessieren, erinnern sich tendenziell häufiger daran. Wer seine Träume als bedeutend empfindet oder regelmäßig darüber nachdenkt, speichert sie im Gehirn besser ab.
  • Tendenz zum Tagträumen: Wer im Alltag häufig abschweift oder sich in Fantasien verliert, besitzt meist eine aktivere innere Vorstellungskraft. Diese kognitive Eigenschaft fördert auch die Traumerinnerung.
  • Schlafmuster: Die Schlafstruktur spielt eine entscheidende Rolle. Personen, die längere Phasen leichten Schlafs (REM-Schlaf) durchlaufen, wachen häufiger mit Erinnerungen an ihre Träume auf. In dieser Schlafphase ist die Gehirnaktivität hoch, wodurch Träume lebhafter wahrgenommen und gespeichert werden.
  • Alter: Junge Menschen erinnern sich im Durchschnitt besser an ihre Träume als ältere Personen. Mit steigendem Alter treten häufiger sogenannte „weiße Träume“ auf – das Gefühl, geträumt zu haben, ohne sich an Details erinnern zu können.
  • Jahreszeitliche Unterschiede: Die Untersuchung zeigte, dass sich im Winter weniger Menschen an ihre Träume erinnern als im Frühling. Dies könnte mit Umweltfaktoren wie Tageslicht, Temperaturen oder zirkadianen Rhythmen zusammenhängen.

Wissenschaftliche Bedeutung der Traumerinnerung

Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen, dass die Traumerinnerung nicht rein zufällig ist, sondern ein Zusammenspiel individueller Eigenschaften und biologischer Prozesse widerspiegelt. Die Forscherinnen und Forscher sehen darin nicht nur eine interessante psychologische Fragestellung, sondern auch eine Verbindung zur mentalen Gesundheit.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Fähigkeit, sich an Träume zu erinnern, von einer Vielzahl an Faktoren beeinflusst wird“, erklärt Professor Giulio Bernardi, Hauptautor der Studie. „Das vertieft nicht nur unser Verständnis des Träumens, sondern könnte auch Implikationen für die psychische Gesundheit haben.“

Erstautorin Valentina Elce ergänzt: „Die gesammelten Daten werden uns helfen, Traummuster in klinischen Populationen besser zu verstehen und könnten zukünftig zur Diagnose bestimmter psychischer Erkrankungen beitragen.“ Menschen mit Angststörungen oder Depressionen haben oft veränderte Traummuster. Ein besseres Verständnis dieser Zusammenhänge könnte helfen, Schlafstörungen und damit verbundene psychische Erkrankungen frühzeitig zu erkennen.

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Warum ist die Forschung zu Träumen wichtig?

Träume sind mehr als nur nächtliche Hirngespinste. Sie sind Ausdruck innerer psychischer Prozesse und können Hinweise auf unser emotionales und mentales Wohlbefinden geben. Forschende vermuten, dass Traumerinnerung eine Rolle bei der Verarbeitung von Erlebnissen und Emotionen spielt. Wer sich gut an Träume erinnert, könnte möglicherweise auch ein besseres Bewusstsein für unbewusste Konflikte oder unterbewusste Verarbeitungsmechanismen haben.

Darüber hinaus wirft die Forschung Fragen über das Bewusstsein auf: Welche Prozesse im Gehirn sorgen dafür, dass wir im Traum komplexe Szenarien erleben? Und warum verschwinden diese Erinnerungen oft so schnell nach dem Aufwachen? Die Studie aus Lucca gibt erste Antworten, doch es bleiben noch viele offene Fragen.

Hier geht es zur Originalpublikation

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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