Viele Verletzte, zu wenige Retter: Sensorpflaster soll Leben retten
In Katastrophenfällen müssen oft viele Verletzte gleichzeitig medizinisch versorgt werden. Ein neues Forschungsprojekt entwickelt ein Sensorikpflaster, das in Echtzeit die Vitalparameter messen soll.
Bei Großschadenslagen müssen Rettungskräfte viele Verletzte gleichzeitig versorgen. Ein intelligentes Sensorpflaster soll Vitaldaten kontinuierlich erfassen und kritische Veränderungen automatisch melden.
Foto: picture alliance / Maximilian Koch | Maximilian Koch
Wenn bei Naturkatastrophen, Großbränden oder Terroranschlägen viele Menschen gleichzeitig verletzt werden, stoßen Rettungskräfte schnell an ihre Grenzen. Ein neues Forschungsprojekt entwickelt deshalb ein intelligentes Sensorikpflaster, das Vitalparameter kontinuierlich überwacht und die medizinische Versorgung in Großschadenslagen verbessern soll.
Beteiligt sind das Institut für Rettungswesen, Notfall- und Katastrophenmanagement (IREM), die Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS), das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) und das Fraunhofer-Institut für Silicatforschung (ISC).
Inhaltsverzeichnis
Pflaster überwacht Vitalparameter in Echtzeit
Im Mittelpunkt des Projekts steht ein kostengünstiges, intelligentes Sensorikpflaster, das die wichtigsten Vitalparameter und Standortdaten verletzter Personen kontinuierlich erfasst. Dazu gehören:
- Herzfrequenz
- Atemfrequenz
- Blutdruck
- Sauerstoffsättigung
- Position der Patientin oder des Patienten
Die Messwerte werden in Echtzeit an eine zentrale Einsatzleitung übertragen. Verschlechtert sich der Gesundheitszustand einer verletzten Person, können Einsatzkräfte schneller reagieren und die Priorisierung der Behandlung entsprechend anpassen.
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Herausforderung: Viele Verletzte gleichzeitig versorgen
Großschadenslagen stellen Rettungsdienste regelmäßig vor enorme Herausforderungen. Naturkatastrophen, Extremwetter, schwere Verkehrsunfälle, Großbrände oder Terroranschläge können innerhalb kurzer Zeit zu einer Vielzahl verletzter Menschen führen. In solchen Situationen reichen Personal und medizinische Ressourcen häufig nicht aus, um die Werte aller Betroffenen kontinuierlich zu messen.
Das Sensorikpflaster „ViseKat“ soll die Einsatzkräfte deshalb bei der medizinischen Entscheidungsfindung unterstützen. Ziel ist es, den Gesundheitszustand der Verletzten durchgehend zu beobachten, die Qualität der Triage zu erhöhen und vorhandene Ressourcen gezielter einzusetzen.

Kontinuierliche Überwachung statt einmaliger Triage
Bislang basiert die Versorgung bei einem Massenanfall von Verletzten auf einer initialen Triage. Rettungskräfte beurteilen vor Ort den Schweregrad der Verletzungen und legen fest, welche Patientinnen und Patienten zuerst behandelt werden.
Anschließend ist eine dauerhafte Messung aller Betroffenen jedoch häufig nicht möglich, da Personal und medizinische Geräte fehlen. Verschlechtert sich der Zustand einer zunächst stabil eingeschätzten Person, bleibt dies unter Umständen unbemerkt.
Genau hier setzt das neue Sensorikpflaster an: Es kontrolliert die Vitalparameter und meldet kritische Veränderungen automatisch an die Einsatzleitung. Dadurch können Rettungskräfte ihre Prioritäten jederzeit an den tatsächlichen Gesundheitszustand der Verletzten anpassen.
„Mit dem Vitalsensorikpflaster wollen wir die Versorgung betroffener Personen entsprechend ihres Ist-Zustands bedarfsgerecht optimieren und so ihre Chancen auf Genesung steigern“, erklärt Projektleiter Stefan Sesselmann.
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