Anzeige

Wann gab es die erste Impfung?

29. Juni 2024

Impfung
Von den Grundlagen zur mRNA- und KI-Revolution: Die Zukunft der Impfstoffentwicklung. Foto: PantherMedia / Mihai Barbu
Die Entwicklung von Impfungen hat die Medizin revolutioniert. Von den ersten Versuchen im alten China bis zur modernen mRNA-Technologie haben Impfstoffe zahlreiche Leben gerettet – doch wann gab es die erste Impfung?
Anzeige
Anzeige


Impfungen gehören zu den größten Errungenschaften der Medizin und haben weltweit unzählige Leben gerettet. Der Schutz vor Krankheiten durch gezielte Immunisierungsmaßnahmen ist jedoch kein Thema der Moderne, sondern reicht bis in die Antike zurück. Bereits in China und Indien wurden vor etwa 1.000 Jahren Methoden wie die Variolation entwickelt, um Menschen gegen Krankheiten zu immunisieren.

Der entscheidende Durchbruch kam jedoch im späten 18. Jahrhundert mit Edward Jenner, der die erste echte Impfung gegen Pocken entwickelte. Jenners Methode, Kuhpockenviren zur Immunisierung gegen die tödlichen Pocken einzusetzen, legte den Grundstein für die moderne Impfstoffentwicklung. Diese Fortschritte haben nicht nur Epidemien eingedämmt, sondern auch den Weg für die Entwicklung zahlreicher weiterer Impfstoffe geebnet. Doch alles der Reihe nach. Unsere Reise beginnt im Osmanischen Reich, mit der englischen Schriftstellerin und Lyrikerin Lady Mary Wortley Montagu, zu Beginn des Jahres 1716.

Anzeige
Anzeige

Ein langer Weg: Von der Variolation zur Vakzination

Bereits im 10. Jahrhundert entwickelten Menschen diverse Methoden, um sich vor Krankheiten zu schützen. Die frühesten Formen der Immunisierung lassen sich in alten chinesischen und indischen Kulturen finden. Dort wurde die sogenannte Variolation praktiziert, bei welcher beispielsweise Pockenkrusten zu Pulver verarbeitet und durch die Nase eingeatmet wurden, um eine milde Infektion hervorzurufen und damit Immunität zu erzeugen.

Diese Vorgehensweise verbreitete sich später nach Indien und weiter Richtung Westen, wo ähnliche Methoden Anwendung fanden. Eine Schlüsselfigur bei der Einführung der Variolation in Europa war Lady Mary Wortley Montagu. Während ihres Aufenthalts im Osmanischen Reich, wo ihr Mann als britischer Botschafter tätig war, beobachtete sie die dortigen Variolationspraktiken und studierte diese.

Beeindruckt von der Wirksamkeit dieser Methode, ließ sie 1718 ihren Sohn in Konstantinopel variolieren. Nach ihrer Rückkehr setzte sie sich vehement für die Verbreitung dieser Technik in England ein, indem sie ihre Tochter impfen ließ und die Praxis auch am britischen Königshof vorstellte. Trotz der Fortschritte, die durch die Variolation erzielt wurden, galten diese Verfahren stets als rudimentär und risikobehaftet.

Anzeige
Anzeige

Edward Jenner: Der Mann hinter der ersten Impfung

Edward Jenner, geboren am 17. Mai 1749 in Berkeley, England, war ein englischer Landarzt und Wissenschaftler. Nach seiner Ausbildung als Chirurg in London kehrte er in seine Heimatstadt zurück, wo er seine Praxis eröffnete. Jenner war ein aufmerksamer Beobachter und Forscher, was ihn schließlich zur Entdeckung der ersten Impfmethode führte.

Im späten 18. Jahrhundert wüteten die Pocken, eine der tödlichsten Krankheiten der damaligen Zeit. Jenner bemerkte, dass Melkerinnen, die an den vergleichsweise harmlosen Kuhpocken erkrankt waren, scheinbar eine Immunität gegen die tödlichen Pocken aufwiesen. Er schloss daraus, dass eine Infektion mit Kuhpocken vor den tödlichen Pocken schützen könnte. Am 14. Mai 1796 führte Jenner sein entscheidendes Experiment durch. Er entnahm Flüssigkeit aus einer Kuhpockenpustel einer infizierten Melkerin und verabreichte diese einem 8-jährigen Jungen als Impfung. Dieser erkrankte darauf hin leicht an Kuhpocken, erholte sich jedoch schnell wieder. Später setzte Jenner den Jungen den menschlichen Pocken aus, aber dieser zeigte keine Symptome der Krankheit.

Anzeige
Anzeige

1798 veröffentlichte der britische Landarzt seine Ergebnisse in An inquiry into the causes and effects of the variolae vaccinae, a Disease discovered in some of the western counties of England, particularly Gloucestershire and known by the name of the Cow-Pox. Seine methodischen Aufzeichnungen und die erfolgreiche erste Anwendung der Impfung fanden Anerkennung in der wissenschaftlichen Gemeinschaft, überzeugten aber bei Weitem noch nicht alle. Die Methode verbreitete sich rasch in Europa und weltweit, und Jenners Entdeckung rettete letztendlich Millionen von Leben.

Von ursprünglicher Skepsis zur weitflächigen Akzeptanz

Obwohl Jenners Methode bald große Anerkennung fand, stieß seine Entdeckung zunächst auf Widerstand und Skepsis. Einige Ärzte zweifelten an der Wirksamkeit und Sicherheit der neuen Methode. Es dauerte einige Zeit und erforderte zahlreiche erfolgreiche Impfungen, bis die Methode von der Mehrheit der Wissenschaftler akzeptiert wurde. Religiöse und kulturelle Bedenken spielten ebenfalls eine Rolle, da eine Impfung ihrerzeit auch als Eingriff in den göttlichen Willen betrachtet wurde.

Dazu kommt, dass die Menschen im 18. und 19. Jahrhundert nur über begrenztes Wissen zu den Ursachen von Krankheiten und der Funktionsweise des Immunsystems verfügten. Neuen medizinischen Verfahren wurde daher oft mit Misstrauen begegnet und die Idee, absichtlich eine Krankheit zu übertragen, um Schutz zu bieten, war für viele Menschen als Paradoxon nur schwer nachzuvollziehen.

Trotz dieser Hindernisse bewiesen Jenners sorgfältige Dokumentation und die steigende Zahl erfolgreicher Impfungen die Wirksamkeit seiner Methode. Bald wurde die Pockenimpfung in vielen Ländern verpflichtend eingeführt, sodass nicht nur kontinuierlich die weltweite Akzeptanz wuchs, sondern zum Beispiel die Pocken im Jahr 1980 als ausgerottet galten.

Fortschritte im 19. und 20. Jahrhundert

Nach Jenners Erfolg inspirierten seine Methoden weitere wissenschaftliche Durchbrüche. Einer der bedeutendsten Pioniere in der Impfstoffforschung des 19. Jahrhunderts war Louis Pasteur, ein französischer Chemiker und Mikrobiologe. Dieser entwickelte in den 1880-er Jahren den ersten Impfstoff gegen Tollwut. Seine Forschungen zu Mikroorganismen und Krankheiten führten zu mehreren bahnbrechenden Erkenntnissen über die Ursachen von Infektionskrankheiten und die Möglichkeit, sie durch Impfungen zu verhindern.

Im frühen 20. Jahrhundert wurden gleich mehrere weitere bedeutende Impfstoffe entwickelt. Der deutsche Arzt Emil von Behring stellte Ende des 19. Jahrhunderts einen Impfstoff gegen Diphtherie her, wofür er im Jahr 1901 den ersten Nobelpreis für Medizin erhielt. In den folgenden Jahrzehnten wurden Impfstoffe gegen Tetanus und Polio erfolgreich getestet und angewendet – und seitdem passiert die rasante Entwicklung kontinuierlich und ungebremst neue Meilensteine.

Impfstoffentwicklung der Moderne

Während Jenners Arbeit den Grundstein für die moderne Immunologie legte, inspirierte sein Erfolg zahlreiche Wissenschaftler und führte folgend zur Erforschung und Entwicklung von weiteren Impfstoffen. Jenners Prinzipien und seine wissenschaftliche Methodik sind bis heute von wesentlicher Bedeutung in der Impfstoffforschung, wobei sich die Abläufe in der Entwicklung mit den technologischen Fortschritten des 21. Jahrhunderts erheblich beschleunigen.

Eine der bedeutendsten Innovationen ist die mRNA-Technologie, die beispielsweise bei der Bekämpfung von COVID-19 eine Schlüsselrolle spielte. Diese Technologie ermöglicht eine schnellere und präzisere Impfstoffentwicklung, indem dabei der genetische Code eines Virus genutzt wird, um eine Immunantwort zu erzeugen. Der Erfolg und die Wirksamkeit der mRNA-Methode konnten ferner das Potenzial für die Entwicklung weiterer Impfstoffe, etwa gegen Krankheiten wie Krebs und HIV, deutlich steigern.

Impfstoffe der Zukunft: Genomsequenzierung und KI-Revolution

Forschungseinrichtungen und Pharmaunternehmen weltweit arbeiten kontinuierlich an der Verbesserung bestehender und der Entwicklung neuer Impfstoffe. Moderne Technologien wie die Genomsequenzierung ermöglichen es, die genetische Struktur von Krankheitserregern schnell und präzise zu entschlüsseln. Diese Informationen beschleunigen die Entwicklung zielgerichteter Impfstoffe erheblich. Künstliche Intelligenz trägt dazu bei, neue Pathogene schneller zu identifizieren und effektive Impfstoffe zu entwickeln.

Der Blick in die Zukunft zeigt, dass diese Technologien weiterhin eine Schlüsselrolle spielen werden. Neue Methoden der Genomsequenzierung könnten es ermöglichen, individuelle genetische Profile zu nutzen, um personalisierte Impfstoffe zu entwickeln, die spezifisch auf einzelne Bevölkerungsgruppen oder sogar Individuen zugeschnitten sind. Dies würde die Effizienz und Wirksamkeit der Impfungen weiter steigern.

Zudem könnte die Integration von künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen in den Forschungsprozess dazu führen, dass neue Impfstoffe in einem Bruchteil der bisher benötigten Zeit entwickelt werden können – inklusive einer detaillierten Erkennung potenzieller Nebenwirkungen und Wechselwirkungen.

Trotz dieser technologischen Fortschritte bleiben gleich mehrere Herausforderungen bestehen. Fragen zur globalen Verteilungsgerechtigkeit müssen dringend gelöst werden, um sicherzustellen, dass lebensrettende Impfstoffe allen Menschen weltweit zur Verfügung stehen. Und last but not least bleibt auch die ständige Überwachung der Wirksamkeit und Sicherheit neuer Impfstoffe eine zentrale Aufgabe der Wissenschaft und Pharmazie.



Ein Beitrag von:

Anzeige
Anzeige

Top Stellenanzeigen

Bauingenieur (m/w/d) Fachrichtung Tiefbau, Straßenbau oder Siedlungshydrologie
Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH)

21.09.2026
Eutin
Junior Projektingenieur Papierverarbeitung (m/w/d)
Fripa Papierfabrik Albert Friedrich KG

21.09.2026
Miltenberg
Teamleiter (m/w/d) Vertrieb und Kalkulation TGA
LIST AG

21.09.2026
Düsseldorf
Ingenieur:in Explosionsschutz als Fachleiter:in
TÜV NORD CERT GmbH

21.09.2026
Essen
Architekt (m/w/d) mit Schwerpunkt im Bereich Projektmanagement
Stadt Biberach an der Riß

21.09.2026
Biberach
EMSR Techniker (m/w/d)
VESTOLIT GmbH

22.09.2026
Marl
Bauüberwacher (m/w/d) Straßenverkehrsanlagen
Bundesagentur für Arbeit - Vössing Ingenieurgesellschaft mbH

22.09.2026
Stuttgart
Bauingenieur/-in (m/w/d)
Bundesagentur für Arbeit - Landeshauptstadt Stuttgart

22.09.2026
Stuttgart
Technische/r Projektmitarbeiter/in (m/w/d) – Bauwesen / Projektkoordination
Bundesagentur für Arbeit - Dr. Kerner GmbH & Co. KG

22.09.2026
Stuttgart
Ingenieurin / Ingenieur mit Master in Informatik / Elektrotechnik – Beamten- Ausbildung (m/w/d)
Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr

22.09.2026
deutschlandweit
Offizierin / Offizier Anwärter/in – Führungskraft Oberfähnrichmodell mit Bachelor (Master) (m/w/d)
Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr

22.09.2026
deutschlandweit
Ingenieurin / Ingenieur mit Master – Beamten- Ausbildung (m/w/d)
Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr

22.09.2026
deutschlandweit
Teamleitung (w/m/d) Konstruktiver Ingenieurbau
Die Autobahn GmbH des Bundes

22.09.2026
Hamm
Teamleiter (m/w/d) Vertrieb und Kalkulation TGA
LIST Ingenieure GmbH & Co. KG

22.09.2026
Bielefeld
Senior Projektingenieur (m/w/d) – EMSR-Technik – Projektmanagement
REUTERS INGENIEUR GmbH

22.09.2026
Hofheim
Technische*r Angestellte*r (Techniker*in oder Ingenieur*in) Werkstofftechnik, Physiktechnik, Maschinenbau
Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP)

22.09.2026
Garching
Ingenieurin (m/w/d) / Techniker (m/w/d) der Mess- und Regelungstechnik für Gebäudeautomation
Gebäudemanagement Schleswig-Holstein (GMSH)

22.09.2026
Eutin, Lübeck
Leitung Entwicklung (w/m/d) Mechatronische Systeme / Industrielle Sicherheits- und Automatisierungstechnik
Bernstein AG

22.09.2026
Porta Westfalica
Planungsingenieur (w/m/d) und Projektsteuerung – Verkehrsinfrastruktur und Gleisplanung
Ruhrbahn GmbH

22.09.2026
Essen
Gruppenleiter:in Automatisierungstechnik
TraveNetz GmbH

22.09.2026
Lübeck

Weitere Artikel



Firmenprofile

Ludwigshafen am Rhein
Sindelfingen 2 offene Stellen
Anzeige
Anzeige