Technik aus Israel 26.10.2015, 08:55 Uhr

US Navy will Soldaten nach Kampfeinsätzen mit Stromstößen heilen

Die US Navy will post-traumatische Belastungsstörungen ihrer aktiven Soldaten nach Kampfeinsätzen mit leichten Stromstößen ins Gehirn behandeln. Ein entsprechendes Gerät des israelischen Medizintechnik-Unternehmens Brainsway hat die Armee gerade bestellt. Auch gegen Depressionen, Tinnitus und Alkoholsucht soll die Behandlungstechnik wirken.

Der US-Patient Jay Martin lässt sich in einer Klinik in San Diego mit Magnetfeldern und leichten Stromstößen gegen Depression behandeln. Jetzt hat die US-Marine Geräte erworben, um ihre Soldaten nach Kampfeinsätzen zu behandeln.

Der US-Patient Jay Martin lässt sich in einer Klinik in San Diego mit Magnetfeldern und leichten Stromstößen gegen Depression behandeln. Jetzt hat die US-Marine Geräte erworben, um ihre Soldaten nach Kampfeinsätzen zu behandeln.

Foto: Brainsway

Wenn die Technik wirklich wirkt, würde das vielen Soldaten helfen, die nach Kriegseinsätzen unter Depressionen und psychischen Störungen leiden und Probleme haben, wieder ins zivile Leben zurückzukehren. Das Gerät aus Israel besteht im Wesentlichen aus einem Helm, der die Kopfbereiche umschließt, die dem Hirn am nächsten liegen.

Eine Spule erzeugt an jener Stelle des Kopfes ein Magnetfeld, die der zu behandelnden Gehirnpartie am nächsten ist. Durch Stromstöße werden kleine elektrische Impulse an die Gehirnzellen geschickt, die der Arzt behandeln und besonders anregen möchte.

Stärke der Stromstöße wird variiert

Die Stärke der Stromstöße lässt sich variabel einstellen, auch die Behandlungsdauer variiert je nach Erkrankung. Üblich sind Behandlungen von etwa 20 min. Dabei wird die Wirkung der Stromströße laufend kontrolliert. Dazu sind Elektroden des Messgeräts an eine Hand des Patienten angeschlossen. Sie registrieren kleinste Bewegungen der Hand, die auf die Stromstöße im Gehirn zurückgehen. Der Patient fühlt die Behandlung nur als eine ganz leichte Vibration.

Erzeugt werden die Magnetfelder und Stromimpulse durch die sogenannten H-coil Deep TMS-Spule zu. TMS steht für Transcranial Magnetic Simulation. Entwickelt wurde die TMS-Technik an der israelischen Bar-Llan-Universität durch ein Forschungsteam unter der Leitung von Avraham Zangen. Zangen arbeitete zugleich als Gehirnforscher in den Vereinigten Staaten. Die für die Zulassung erforderlichen Patienten-Versuche wurden an der Universität Tel Aviv durchgeführt.

Eine Spule erzeugt an den zu behandelnden Hirnpartien Magnetfelder. Zudem werden die Hirnzellen durch leichte Stromstöße angeregt.

Eine Spule erzeugt an den zu behandelnden Hirnpartien Magnetfelder. Zudem werden die Hirnzellen durch leichte Stromstöße angeregt.

Quelle: Brainsway

Das Patent für das Verfahren gehört dem National Institutes of Health in den USA. Das Institut hat die Rechte jedoch an das Medizintechnik-Unternehmen Brainsway übertragen, um die Produktion des Gerätes zu ermöglichen.

Hersteller ist Brainsway in Jerusalem

Für Brainsway-Vorstandschef Guy Ezekiel ist der Auftrag der amerikanischen Marine, die mehrere Geräte für ihre Kliniken bestellt hat, von besonderer Bedeutung. Das sei „eine Bestätigung dieses Helm-Magnetfeldsystems“. Jetzt würden sich auch zivile Märkte für die neue Technik öffnen. Durch die elektronische Behandlung würden in vielen Fällen operative Eingriffe überflüssig.

Nach Angaben des Unternehmens wirkt die Behandlung mit Strom nicht nur bei Depressionen und Belastungsstörungen. Studien hätte auch lindernde Wirkungen gezeigt bei Alzheimer, Asperger und Parkinson, Multiple Sklerose, schwere Migräne sowie Schizophrenie. Bislang wird die TMS-Therapie in 70 US-Kliniken eingesetzt. Laut Braisnway wurden bislang 6000 Patienten behandelt. In 15 medizinischen Einrichtungen wird das TMS-System auch zur Behandlung von Kettenrauchern eingesetzt.

 

Ein Beitrag von:

  • Peter Odrich

    Peter Odrich studierte Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Verkehrsbetriebe. Nach 28 Jahren als Wirtschaftsredakteur einer deutschen überregionalen Tageszeitung mit langer Tätigkeit in Ostasien kehrte er ins heimatliche Grossbritannien zurück. Seitdem berichtet er freiberuflich für Zeitungen und Technische Informationsdienste in verschiedenen Ländern. Dabei stehen Verkehrsthemen, Metalle und ostasiatische Themen im Vordergrund.

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