Medizintechnik 09.10.2009, 19:43 Uhr

Ultraschall macht Entzündung von Nervenbahnen sichtbar  

Herzoperationen ohne Skalpell, Ultraschallgeräte zur Funktionsdiagnostik in der Neurologie, Proteinmuster-Detektion zur Früherkennung von chronischen Erkrankungen – dies sind Beispiele modernster Medizintechnik, die jetzt im Vorfeld der Messe Medica (18. bis 21. November in Düsseldorf) in Hamburg vorgestellt wurden. VDI nachrichten, Hamburg, 9. 10. 09, ber

Die Schärfe der Ultraschallbilder habe sich während der letzten Jahre derart verbessert, dass man mittlerweile problemlos den gesamten Verlauf eines Nerven und die ihn umgebenden Gewebestrukturen darstellen könne. „Endlich kann man sehen, auf welcher Höhe der Nerv geschädigt ist und was die Schädigung verursacht hat“, so der Mediziner.

So gelang es dem Arzt, bei einem 49-jährigen Handwerker eine fast vollständige Lähmung der rechten Hand und damit die drohende Berufsunfähigkeit abzuwenden. Per Ultraschall entdeckte er am Handgelenk ein innenliegendes „Überbein“, das um den Nerv herumgewachsen war. Keine andere Untersuchungsmethode hatte das zuvor zeigen können. Die operative Entfernung der Wucherung rettete die Nervenfunktion quasi in letzter Minute.

Ultraschall kann heute sogar die Durchflussgeschwindigkeit von Blutgefäßen messen

Die Vorteile von Ultraschall fasste Peter Eckert von Philips Healthcare so zusammen: „Im Vergleich zu anderen bildgebenden Verfahren gibt es hier keine Strahlenbelastung für den Patienten, zudem sind die Geräte extrem mobil und durchaus bezahlbar.“

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Da mittlerweile auch die Darstellung von Flüssigkeiten möglich sei, ließe sich etwa die Durchflussgeschwindigkeit bei Blutgefäßen ermitteln, so Eckert. Neue Anwendungsbereiche für die Ultraschalltechnologie ergeben sich derzeit bei der Behandlung von Prostataerkrankungen oder in der Diagnose und Behandlung eines Schlaganfalls.

Einen einfachen Test zur Früherkennung chronischer Krankheiten präsentierte Prof. Harald Mischak, Vorstand der Mosaiques diagnostics and therapeutics AG in Hannover. Mithilfe der Kapillarelektrophorese und der Massenspektrometrie erfasst er verdächtige Proteine in Körperflüssigkeiten, beispielsweise im Urin.

„Mir liegt die Früherkennung drohender Nieren- und Herzschädigungen von Diabetikern besonders am Herzen“, erklärte der Biochemiker Mischak. Mittlerweile hat er in Zusammenarbeit mit einigen Kliniken eine riesige Datenbank bekannter Proteinmuster aufgebaut. Im Abgleich mit der Probe lassen sich so ein drohender Herzinfarkt oder Schlaganfall ebenso erkennen wie Diabetes, Gefäßerkrankungen, Leukämie oder andere Erkrankungen.

Für knapp 450 € wird die Probe in einer der angeschlossenen Kliniken untersucht. Vier bis sieben Jahre vor dem drohenden Funktionsausfall der Niere kann der Biochemiker den Krankheitsbeginn erkennen. „Dies erspart dem Patienten viel Leid und dem Gesundheitssystem enorme Kosten“, so Mischak.

Eine einzigartige Herzoperation ohne Skalpell führte Prof. Joachim Schofer am Universitären Herz- und Gefäßzentrum Hamburg durch. Die unblutige Straffung einer erschlafften und damit durchlässigen Mitralklappe, die die linke Herzkammer vom Vorhof trennt, gelang mithilfe der Kathetertechnik.

Ein simpler Kunststofffaden strafft die lebensbedrohlich erschlaffte Herzklappe

Dabei führt der Arzt über die Leiste einen Katheter durch die Blutgefäße bis zum Herzen. Dort zieht er am Rand der Herzklappe einen Kunststofffaden durch mehrere zuvor platzierte Anker fest, wodurch sich das Segel wieder strafft.

„Das Verfahren schont den Patienten, der aufgrund seiner Herzschwäche ohnehin ein erhöhtes Operationsrisiko mit sich bringt“, freut sich Schofer. Immerhin leiden weltweit rund 18 Mio. Menschen an Herzmuskelschwäche. Jedes Jahr kommen 1,9 Mio. Patienten hinzu.

Neue Drug-Delivery-Systeme wird die Firma Tesa auf der Messe Medica zeigen. In Hamburg stellte Joachim Süsse, Bereichsleiter Health Markets bei Tesa, schnell lösliche orale Filme zur Abgabe von Medikamenten vor. Legt man einen solchen daumennagelgroßen Film auf die Zunge, löst der Speichel die Arznei heraus.

„Diese Form der Verabreichung eignet sich vor allem für Patienten mit Schluckbeschwerden oder für Kinder“, sagte Süsse. Eine Herausforderung für die Entwickler bei Tesa wird allerdings die Geschmacksmaskierung bitterer Medizin bleiben.

Ein Beitrag von:

  • Bettina Reckter

    Bettina Reckter ist Diplom-Ökotrophologin und langjährige Wissenschaftsjournalistin. Sie schreibt über Biotechnologie, Chemie, Medizintechnik und Umwelt.

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