Heart in a box 29.10.2014, 09:37 Uhr

Sensation: Australische Ärzte verpflanzen Herzen, die schon tot waren

In Sydney ist es Herzchirurgen gelungen, Herzen zu verpflanzen, die bereits bis zu 20 Minuten nicht mehr geschlagen hatten. Die stillstehenden Herzen wurden nach ihrer Entnahme in einer neuartigen, transportablen Box reanimiert und über längere Zeit aufbewahrt, bevor sie ihren Empfängern erfolgreich implantiert wurden. 

Organspenden: Dank einer neuen Technik beim Transport von Spendenherzen, können künftig etwa 30 Prozent mehr Transplantationen vorgenommen werden.

Organspenden: Dank einer neuen Technik beim Transport von Spendenherzen, können künftig etwa 30 Prozent mehr Transplantationen vorgenommen werden.

Foto: dpa

Bis zu 20 Minuten hatten die Herzen der Spender stillgestanden, bevor sie wiederbelebt und von Ärzten im St Vincent’s Hospital in Sydney Patienten mit Herzversagen im Endstadium implantiert wurden. „Heart in a box“ nennen die Entwickler ihre neue Lösung zur Aufbewahrung und zum Transport von Spenderherzen, die bereits aufgehört hatten zu schlagen. Dank der speziellen Technik könnten 30 Prozent mehr Leben gerettet werden, heißt es in einer Pressemitteilung des Victor Chang Cardiac Research Institute im australischen Sydney. Dort haben Wissenschaftler des Institutes die Box in Zusammenarbeit mit dem St Vincent’s Hospital entwickelt.

Längere Transporte über große Distanzen sind jetzt möglich

Das neue Aufbewahrungsverfahren erlaubt es, längere Zeiträume zu überbrücken, bis das Herz dem Empfänger implantiert werden kann. In der tragbaren Herzmaschine, die als „ex vivo Organ Care System (OCS) TransmedicsTM“ bezeichnet wird, werden die Organe nach ihrer Entnahme reanimiert und warm und am Schlagen gehalten.

„Heart in a box“ nennen die australischen Entwickler ihre neue Lösung zur Aufbewahrung und zum Transport von Spenderherzen, die bereits aufgehört hatten zu schlagen. 

„Heart in a box“ nennen die australischen Entwickler ihre neue Lösung zur Aufbewahrung und zum Transport von Spenderherzen, die bereits aufgehört hatten zu schlagen. 

Quelle: Victor Chang Cardiac Research Institute

Gleichzeitig erlaubt das OCS, die Funktionalität und den Zustand des Herzens während des gesamten Transports zu überwachen.

Kühlung mit Eis im Standardverfahren kann Spenderherzen schädigen

Im bisherigen Standardverfahren werden Spenderherzen nach ihrer Entnahme auf Eis gepackt, um sie zu transportieren. In einer kritischen Phase sind die Herzen dabei inaktiv und werden nicht versorgt, was die Herzzellen schädigen kann. Beim Einsatz der neuen Technik stürben weniger Herzzellen zum Beispiel durch Sauerstoffmagel ab, die Herzfunktion sei nach der Wiederbelebung des Organs besser und sein Zustand insgesamt stabiler, informiert das Victor Chang Cardiac Research Institute.

Bislang wurden Transplantationen nur mit lebendigen Herzen von hirntoten Patienten durchgeführt. Dank der neuen tragbaren Herzmaschine können auch reanimierte Herzen von Kreislauftoten transplantiert werden. 

Bislang wurden Transplantationen nur mit lebendigen Herzen von hirntoten Patienten durchgeführt. Dank der neuen tragbaren Herzmaschine können auch reanimierte Herzen von Kreislauftoten transplantiert werden. 

Quelle: dpaOliver Berg

„Donated after circulation death (DCD)” – gespendet nach Kreislauftod, so bezeichnen die Ärzte die Herzen, die sie ihren Empfängern am St Vincent’s Hospital erfolgreich implantiert haben. Eine 57-jährige Frau hatte bereits vor ein paar Monaten das erste reanimierte Spenderherz bekommen. Kürzlich habe man zwei weiteren Patienten DCD-Herzen implantiert. Beide Patienten hätten sich bereits sehr gut erholt, informiert das St. Vincent’s Hospital.

Bislang nur Transplantationen mit Herzen hirntoter Patienten

Bislang wurden Transplantationen nur mit lebendigen Herzen von hirntoten Patienten durchgeführt. Diese müssen schnell an den Ort der Transplantation transportiert werden. Nach Angaben des Herz- und Diabetes-Zentrum NRW werden derzeit weltweit etwa 3000 Herztransplantationen pro Jahr durchgeführt. Auf Grund der begrenzten Verfügbarkeit von Spenderorganen bekommt in Deutschland und Europa nur etwa jeder zweite Mensch, der darauf wartet, ein Spenderherz.

Mit dem OCS sei ein großer Durchbruch in der Transplantationsmedizin gelungen, stellt Professor Peter MacDonald, Medizinischer Direktor der Heart Transplant Unit am St. Vincent’s Krankenhaus und Chef des Transplantation Research Laboratory am Victor Chang Institute fest. Zukünftig könnten ihr erheblich mehr geeignete Spenderherzen zur Verfügung stehen.

Von Susanne Neumann
Von Susanne Neumann

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