Hilfe gegen Herzstillstand 08.09.2025, 17:30 Uhr

Rettung aus der Luft: Drohne liefert Defibrillator

Schnelle Hilfe ist besonders in Notsituationen der entscheidende Faktor. Eine Studie aus Großbritannien zeigt, wie der Einsatz von Drohnen dabei helfen kann. Sie sollen Defibrillatoren schneller zu Patientinnen und Patienten bringen, noch bevor Rettungskräfte vor Ort eintreffen können. Das Ziel: mehr Menschenleben retten.

Drohne fliegt über ein ländliches Gebiet

Drohnen können Gegenstände transportieren. Forschende wollen sie nun sogar als Lebensretter einsetzen.

Foto: smarterPix / windjunkie

Jedes Jahr erleiden in Großbritannien mehr als 40.000 Menschen einen plötzlichen Herzstillstand. Das Problematische daran: Die genannten Fälle ereignen sich außerhalb von Krankenhäusern. Das bedeutet, die Überlebenschancen sind gering. Weniger als jeder Zehnte überlebt ein solches Ereignis.

Frühzeitige Wiederbelebung und der Einsatz eines automatisierten externen Defibrillators (AED) können die Chancen auf ein Überleben mindestens verdoppeln. Diese Geräte sind so konzipiert, dass auch medizinisch nicht geschulte Personen sie sicher einsetzen können. Entscheidend bleibt jedoch, ob ein AED im Ernstfall rechtzeitig am Einsatzort verfügbar ist, und genau daran scheitert es oft. Ein solches Geräts rasch zu finden, stellt Angehörige, Passantinnen und Passanten oder Ersthelfende in vielen Notfällen vor eine kaum zu überwindende Hürde – insbesondere in ländlichen Regionen, wo Rettungsdienste zusätzliche Anfahrtswege einplanen müssen.

Drohne bringt Defibrillator: Machbarkeit im Test

Um an dieser entscheidenden Stelle Verbesserung zu schaffen, entwickelte die University of Warwick gemeinsam mit dem Welsh Ambulance Services University NHS Trust und dem Drohnenspezialisten SkyBound ein neues System. Ziel des Projektes, das vom National Institute for Health and Care Research (NIHR) gefördert wird, ist die praktische Erprobung, ob eine Drohne Defibrillatoren direkt an einen Notfallort liefern kann. Dazu simulierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Rettungseinsätze in einem abgelegenen Gebiet, in dem Rettungskräfte normalerweise erheblich verzögert eintreffen würden.

„Rettungsdienste arbeiten so schnell wie möglich, um Betroffene mit Herzstillstand zu erreichen. Manchmal ist es jedoch schwierig, schnell vor Ort zu sein. AEDs können von Personen eingesetzt werden, bevor der Krankenwagen eintrifft, doch das passiert nur selten“, erklärt Christopher Smith, klinischer Dozent für Notfallmedizin an der Universität von Warwick. Das neu entwickelte Drohnensystem soll genau hier ansetzen und den lebensrettenden Kontakt zwischen Gerät und Betroffenem drastisch beschleunigen.

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Drohne kommt – Anweisungen vom Rettungsdienst

Die Ergebnisse der ersten Tests bestätigten, dass die eingesetzten Drohnen in der Lage waren, zuverlässig über größere Distanzen hinweg zu fliegen, während parallel eine direkte Kommunikation zwischen Notfalldienst, Pilot und anwesenden Personen stattfand. So konnte gewährleistet werden, dass die Hilfsmittel nicht nur an Ort und Stelle ankamen, sondern sie auch sinnvoll in den Rettungsablauf integriert werden konnten.

Das Team zeigte, dass sich Abläufe mit standardisierter Technik automatisieren lassen, wodurch die Geräte künftig für den regulären Einsatz in Betracht gezogen werden könnten. Damit ist die Grundlage gelegt, um die Nutzung dieser Technologie in die nächste Erprobungsphase zu überführen. Die Forschenden sind sich sicher, dass dieses System sich für den Einsatz in ganz Großbritannien eignen könne. Das entwickelte System besteht aus einer DIJ M300 Drohne, die nach dem Notruf einen AED über eine Winde befestigt ausliefert.

Drohne liefert Defibrillator: Erfahrungen von Betroffenen

Praktisch erlebbar wurde die Bedeutung dieser Neuheit durch die Aussagen von Menschen, die selbst von einem Herzstillstand betroffen waren. So berichtete Steve Holt, ein 74-jähriger pensionierter Chirurg, wie er während eines Wanderurlaubs im Lake District nur durch das rechtzeitige Eingreifen seines Sohnes und den Zugriff auf einen zufällig erreichbaren Defibrillator überlebte. Da ein Rettungshubschrauber wegen schlechten Wetters nicht starten konnte, vergingen quälende 25 Minuten, bis Ärzte eintrafen. Sein Sohn Mark, inzwischen selbst als Patientenvertreter an der aktuellen Studie beteiligt, schilderte eindrucksvoll, wie lang sich diese Minuten anfühlten und wie entscheidend jede Zeiteinsparung wäre. „Wenn Sanitäter zu spät eintreffen, können Drohnen ein entscheidender Faktor sein. Der Gedanke, dass ein Notrufmitarbeiter mitteilt, dass eine Drohne auf dem Weg ist, kann Hoffnung geben und Leben retten“, so seine Einschätzung.

Auch in den praktischen Tests zeigte sich, wie weit die Entwicklung bereits gediehen ist. Nach einem simulierten Notruf hob die Drohne innerhalb von durchschnittlich 2,18 Minuten ab. Der AED war an einer Winde befestigt, die nach Ankunft herabgelassen wurde. Zeitgleich erhielten Helferinnen und Helfer genaue Instruktionen durch die Leitstelle. Die Versuchsteilnehmenden konnten so direkt auf die Übungspuppe reagieren und mit den Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen. Die Forschenden beobachteten die Kommunikation und den Ablauf sehr genau, um Optimierungspotenziale zu identifizieren. Erste Ergebnisse belegten ein positives Echo der Beteiligten, da die Drohne als nützliche Unterstützung wahrgenommen wurde. Entscheidend bleibt dennoch, auch nach der Ankunft des Geräts Verzögerungen bei der Anwendung zu reduzieren, denn im Ernstfall muss jede Bewegung sicher und effizient ablaufen.

Defibrillator richtig anwenden

Die Analyse der Abläufe machte deutlich, dass die Unterstützung von Personen im Umfeld ein weiterer Schlüssel zum Erfolg des Verfahrens sein wird. Zwar konnte der AED schnell geborgen werden, doch der anschließende Schock erfolgte erst nach 4,35 weiteren Minuten. Dies verdeutlicht, dass Wissen und Handhabung beim Umgang mit dem Gerät noch geschult und vereinfacht werden müssen. Im Rahmen weiterer Studien sollte es nicht nur um technische Aspekte, sondern auch um Fragen der praktischen Nutzerfreundlichkeit gehen. Dazu gehöre unter anderem, ob Rettungskräfte in Echtzeit zielgerichteter anweisen oder digitale Assistenzsysteme integriert werden können. Nur wenn Anwender unmittelbar unterstützt werden, kann die Hilfe aus der Luft in Form einer Drohne ein wichtiger Baustein in Notfallversorgung werden.

Ein Beitrag von:

  • Nina Draese

    Nina Draese hat unter anderem für die dpa gearbeitet, die Presseabteilung von BMW, für die Autozeitung und den MAV-Verlag. Sie ist selbstständige Journalistin und gehört zum Team von Content Qualitäten. Ihre Themen: Automobil, Energie, Klima, KI, Technik, Umwelt.

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