ROLLSTUHL FÜRS GELÄNDE 19.11.2014, 14:59 Uhr

Neue Freiheit für Behinderte: Wälder und Sandstrände erkunden

Junge Amerikaner haben gemeinsam mit hunderten Betroffenen einen Rollstuhl entwickelt, mit dem man sogar über Sandstrände fahren kann. Mitte 2015 sollen die ersten Exemplare ausgeliefert werden. 

Der geländetaugliche GRIT Freedom Chair hält, was er Behinderten verspricht: Sie können ihren Weg frei wählen, eine Fahrt ins Blaue wagen, ohne Angst vor Hindernissen haben zu müssen. 

Der geländetaugliche GRIT Freedom Chair hält, was er Behinderten verspricht: Sie können ihren Weg frei wählen, eine Fahrt ins Blaue wagen, ohne Angst vor Hindernissen haben zu müssen. 

Foto: GRIT

Für Menschen, die auf den Rollstuhl angewiesen sind, sind Schlaglöcher oft schwer zu meisternde Hindernisse. Abseits der Straßen und Bürgersteige geht gar nichts. Rollstühle sind eben nicht geländetauglich. Selbst der eigene Garten ist für sie manchmal unereichbar.

Stabil auch in Schräglage

Das wollen einige junge Leute in den USA ändern. Studiert haben sie am renommierten Massachusetts Institute of Technology im amerikanischen Cambridge. Sie entwickelten in enger Zusammenarbeit mit hunderten behinderten Rollstuhlfahrern den GRIT Freedom Chair, ein Gerät, das Behinderten die Freiheit schenkt, beinahe überall hinzufahren.

Beim GRIT Freedom Chair stammen alle beweglichen Teile aus Serienproduktionen von Fahrrädern oder konventionellen Rollstühlen. 

Beim GRIT Freedom Chair stammen alle beweglichen Teile aus Serienproduktionen von Fahrrädern oder konventionellen Rollstühlen. 

Foto: GRIT

Der Rollstuhl ist für Menschen ausgelegt, die maximal 100 Kilogramm wiegen. Wegen seines niedrigen Schwerpunktes ist er selbst in Schräglage noch stabil. Der Edelstahlrahmen verträgt die härtesten Belastungen. Zum Transport lässt er sich zusammenklappen.

Vorn ist ein Vollgummirad montiert, das zum einen als unzerstörbar gilt, zum anderen Hindernisse leichter überwinden soll als ein luftgefülltes. Die Hinterräder sind besonders groß; sie lassen sich auf zwei Arten antreiben. Zum einen über seitlich angebrachte beinahe radgroße Ringe, die der Rollstuhlfahrer durch kräftige Stöße mit seinen Händen bewegt. Damit lässt sich das Gefährt auch lenken. Für Fahrten auf Stränden oder Schnee bieten die Entwickler Breitreifen an, die nicht so tief einsinken.

Gangschaltung auf Wunsch

Vor allem fürs Gelände sind zwei große Hebel gedacht, die hin und her bewegt werden. Das überträgt sich auf ein Zahnrad, das über eine Kette mit der Hinterachse verbunden ist. Auf Wunsch gibt es sogar eine Gangschaltung. Alle beweglichen Teile sind aus Serienproduktionen von Fahrrädern oder konventionellen Rollstühlen, sodass Reparaturen problemlos sind. Außerdem senkt das die Herstellungskosten.

Der geländetaugliche Rollstuhl fällt vor allem durch sein drittes Rad vorne auf. Es ist aus Vollgummi, gilt als unzerstörbar und kann Hindernisse leichter überwinden als ein luftgefülltes. 

Der geländetaugliche Rollstuhl fällt vor allem durch sein drittes Rad vorne auf. Es ist aus Vollgummi, gilt als unzerstörbar und kann Hindernisse leichter überwinden als ein luftgefülltes. 

Foto: GRIT

Der GRIT Freedom Chair wird für 2695 US-Dollar (rund 2150 Euro) zu haben sein. Schon jetzt kann der geländetaugliche Rollstuhl bestellt werden. Die ersten Exemplare sollen im Juni 2015 ausgeliefert werden. Der Versand innerhalb der USA ist kostenlos. Interessenten aus anderen Staaten müssen 1000 Dollar extra zahlen. Der GRIT Freedom Chair soll komplett in den USA produziert werden.

Von Wolfgang Kempkens
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