Bestrahlung wird wirksamer 10.07.2014, 10:43 Uhr

Nanopartikel zerstören Tumorzellen mit gespeicherter Radioaktivität

Der Bestrahlung von Tumoren steht eine Revolution bevor: In die Krebszellen von Testpatienten injizieren US-Wissenschaftler derzeit winzige Partikel des Metalls Hafniumoxid. Sie speichern während der Bestrahlung Radioaktivität und zerstören damit langsam die Krebszelle. 

Die Nanopartikel lassen sich mit einer Spritze injizieren. Sie binden sich an die Oberfläche des Tumors und zerstören ihn über einen längeren Zeitraum mit gespeicherter Radioaktivität. 

Die Nanopartikel lassen sich mit einer Spritze injizieren. Sie binden sich an die Oberfläche des Tumors und zerstören ihn über einen längeren Zeitraum mit gespeicherter Radioaktivität. 

Foto: Nanobiotix

Das französische Unternehmen Nanobiotix S.A. führt das in der Natur nur selten vorkommende Metall Hafnium in die Medizin ein. Forscher injizieren Hafniumoxid in Partikelgröße von 50 Nanometern in Krebszellen. Diese Partikel speichern bei den anschließenden Bestrahlungen einen Großteil der Radioaktivität und geben sie danach in so kleinen und gleichmäßigen Dosen an die Krebszellen ab, dass der menschliche Körper keinen Schaden nimmt.

Die Verstärkerwirkung der radioaktiven Bestrahlung durch das Hafniumoxid wird von Nanobiotix mit dem Faktor Neun angegeben. Die Wirkung wird also um das Neunfache verstärkt. Ziel dieser Behandlung ist es, den Tumor gänzlich zu zerstören oder ihn zumindest auf eine Größe schrumpfen zu lassen, die ihn anschließend operabel entfernbar macht.

Klinische Tests zeigen erste Erfolge

Für die klinischen Tests sind Patienten ausgewählt worden, bei denen der Krebs bereits eine fortgeschrittene Stufe erreicht hat. Nach Angaben der American Society of Clinical Oncology zeigen die Tests vielversprechende Resultate.

Die Nanopartikel binden sich ausschließlich an das Tumorgewebe. Das garantiert, dass gesundes Gewebe nicht beschädigt wird. 

Die Nanopartikel binden sich ausschließlich an das Tumorgewebe. Das garantiert, dass gesundes Gewebe nicht beschädigt wird. 

Foto: Nanobiotix

Nanobiotix wird mit dem Verfahren zunächst auf die Behandlung von Brustkrebs, Prostatakrebs und Lungenkrebs abzielen. Das Verfahren könne ohne jegliche zusätzliche Ausrüstung in jedem normalen Krankenhaus auf der Welt angewandt werden.

Bislang kommt Hafnium besonders bei Halbleitern zum Einsatz

Das chemische Element Hafnium (Hf) kommt in der Natur nur in Verbindung mit dem ihm ähnlichen Zirkonium vor. Abgebaut wird es beispielsweise in Brasilien. Verwandt wird Hafnium in kleinen Mengen in der Elektronik für bestimmte Halbleiter. Daneben wird es in Kernkraftwerken wegen seiner Absorbationskraft für Radioaktivität genutzt. Bei Nanobiotix handelt es sich um ein Unternehmen, das ein Spin-Off der State University of New York in Buffalo ist und seit 2003 als inzwischen börsennotierte Aktiengesellschaft in Paris arbeitet.

Von Peter Odrich
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